Die 84-jährige Gustel Schönbächler (l.) freut sich herzlich, als sie zufällig auf ihre stets hochgeachtete Chefin Maria Schnyder trifft, hat sie doch 51 Jahre in der Kerzenfabrik Schnyder in Einsiedeln gearbeitet!  Bild Marlies Mathis
Die 84-jährige Gustel Schönbächler (l.) freut sich herzlich, als sie zufällig auf ihre stets hochgeachtete Chefin Maria Schnyder trifft, hat sie doch 51 Jahre in der Kerzenfabrik Schnyder in Einsiedeln gearbeitet! Bild Marlies Mathis

Volkskultur

«Weisch nu früener»? – Augusta Schönbächlers Reise in eine andere Zeit

Mit eigenen erlebten, spannenden Geschichten hauchte die Einsiedlerin Augusta Schönbächler mit Jahrgang 1928 den zahlreichen Objekten und Bildern in der aktuellen Chärnehus-Ausstellung «Weisch nu früener» spezielles Leben ein.

Die Idee von Madeleine Schönbächler, der geistig total fitten 84-jährigen Augusta Schönbächler, die übrigens von Eishockey über Fussball, Skispringen oder Skifahren alle Sportübertragungen im Fernsehen verfolgt, eine Broschüre zur Ausstellung «Weisch nu früener» zu schenken, hat voll eingeschlagen. «Ich konnte fast nicht mehr aufhören zu lesen!», meinte sie ganz begeistert. Umso mehr freute sie sich, als ihr die Schreibende, welche ihre Nachbarin an der Alten Etzelstrasse ist, anerbot, sie an diese aus-serordentlich vielfältige Ausstellung zu begleiten, ist doch «Gustel», wie sie allenthalben genannt wird, nicht mehr gut zu Fuss und auf den Stock angewiesen. Den Haushalt im «Brummbär», wie das 1807 erbaute Haus am Jakobsweg heisst, besorgt sie aber immer noch so gut es geht selber. Schon der Start mit der Tonbildschau versetzt die ebenso am aktuellen Geschehen interessierte Einsiedlerin sofort in ihre Jugendzeit zurück und wird mit eigenen Kommentaren versehen. Auch die Musikanten der Ländlerformation «Albert Füchslin» vom Sennhof, Gross, werden von ihr wie alte Freunde jeder mit seinem (Über-)Namen vorgestellt, hat sie diese doch alle persönlich gekannt und auch Schallplatten von ihnen besessen, wie sie ergänzt.

Einsiedeln–Salzburg–München

Aber auch der erste Blickfang im Erdgeschoss, das alte Puch-Motorrad, lässt ihre eigene abenteuerliche und für die damalige Zeit für «es Wiibervolch» sehr ungewohnte Töffkarriere aufleben. Als eine der ersten Frauen im Kanton Schwyz kaufte sie 1955 eine 150er-Lambretta, weil die etwas mehr Kraft als bloss eine 125er-Maschine hatte. Dies ohne Wissen der Eltern, wie sie lachend erklärt. Dann habe sie zusammen mit drei bekannten Einsiedler Männern, von denen zwei aber gar keine Leuchten gewesen seien, wie sie heute noch kopfschüttelnd angesichts derer damaligen Theoriekenntnisse zu berichten weiss, die Motorrad-Prüfung in Schwyz absolviert. Weiter erzählt sie von einigen zum Glück immer mehr oder minder glimpflich verlaufenen Stürzen. Einer davon verursacht durch ihren Fahrlehrer, der sie aufforderte, an einem Stopp in Einsiedeln weiterzufahren und dabei ein vortrittsberechtigtes Auto übersah. «Diese zwei Herren haben sich dann gütlich geeinigt», fügt sie trocken an. 1956 hat sie sogar zusammen mit ihrer Freundin Lina von Euw vom Hotel Glocke auf dem Sozius in vier Tagen eine für diese Zeit und die damaligen Strassen fast unvorstellbar lange Reise absolviert: von Einsiedeln nach Innsbruck, über den Grossglockner und den Klatschberg nach Salzburg, dann an den Wolfgangsee und via Bayrische Alpenstrasse nach München und zurück nach Hause! Dass auch dieses Erlebnis mit einigen unverhofften Episoden vom Wechseln der Kerzen übers heftige Unwetter und folglich dem Kauf von Stiefeln untermalt wird, versteht sich ja bei dieser Pionierin fast von selbst.

August Gyr produzierte «Juvis»

Kaum sind wir im ersten Stock angelangt, weiss Gustel bereits die nächste Geschichte zu berichten, zur unscheinbaren Etikette «Juvis». Was für uns heutzutage eine Selbstverständlichkeit, war vor gut 70 Jahren ein eigentlicher Luxus: Himbeersirup oder Zitronensaft mit Sprudelwasser oder sogenanntem Siphon. Und erst noch direkt in Einsiedeln von August Gyr, alias «Rabä Güschtl», an der Schwanenstrasse produziert! Mit seiner speziell konstruierten Lambretta belieferte er unter anderem auch das Restaurant Grütli und die zwei Läden, die es damals allein im Horgenberg gab. Bei besonderen Gelegenheiten hätten sie dann eine Flasche dieses begehrten Süssgetränks kaufen und geniessen dürfen. Aber auch woraus die beiden alkoholischen Getränke «Bergamott» und «Omnibus» bestanden, kann sie sich genaustens erinnern, allerdings hätten ihr diese nie so zugesagt und «es hät au nüd räntiert!»

Eine freudige Überraschung

Nach unzähligen weiteren Reminiszenzen wie beispielsweise zum hartnäckigen aber erfolglosen (geizigen) Verehrer verharrt Gustel einen Moment in Ruhe, als sie sich angesichts der Foto mit der Kerzenproduktion an ihre ei

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

08.01.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/Tn4eXr