Am Freitagabend war Endo Anaconda zu Gast im Mauz Music-Club in Einsiedeln: Der Sänger gab zusammen mit seiner Formation Stiller Has 21 Songs zum Besten – mit Inbrunst und Leidenschaft. Foto: Simone Steinegger
Am Freitagabend war Endo Anaconda zu Gast im Mauz Music-Club in Einsiedeln: Der Sänger gab zusammen mit seiner Formation Stiller Has 21 Songs zum Besten – mit Inbrunst und Leidenschaft. Foto: Simone Steinegger

Musik

Wenn eine Schlange als Hase im Mauz auftritt

Stiller Has kam zum letzten Mal ins Klosterdorf – dem Coronavirus zum Trotz. Endo Anaconda begeisterte mit seiner Band auf Abschiedstournee in vollen Zügen, mit Haut und Haar. Das Publikum wird diesen Auftritt im Mauz Music-Club in bester Erinnerung behalten.

Am Freitagabend kündete André Kälin vom Mauz Music-Club Grosses, Historisches an: Stiller Has machte sich in Einsiedeln auf zur letzten Hasenfahrt. Dementsprechend war das Konzert ausverkauft: 200 Besucherinnen und Besucher drängten sich in den Clubraum – die meisten ohne Maske. Die Anzahl der Gäste war Coronavirus-bedingt beschränkt worden, um keinen allzu heftigen Dichtestress auszulösen. Stiller Has trat auf ihrem Abschiedskonzert in veränderter Besetzung auf: Boris Klecˇić (Gitarre), Roman Wyss (Keyboards) und Bruno Dietrich (Drums) begleiteten Endo Anaconda während des rund neunzigminütigen Auftritts, der definitiv keine Wünsche offenliess und das Publikum im Klosterdorf in seinen Bann zog.

Schwarze Madonna im Fokus


Gleich zu Beginn des Konzerts nahm das Quartett die Gäste mit auf die hohe See: «Pirat sy isch e Zueschtand vo der Seel», sang Endo Anaconda: «Mängisch wünsch i mir, i wäri Lokiführer worde. Oder Psychiater oder Bürolischt. U müesst nüm seechrank i grüeni Wälletäler starre. I däm schöne Ämmital. Wie ne gschtrandete Korsar.» Der Reigen spannte sich von «Zwöi feissi Meitli» über «Pfadfinder » zu «Las Vegas», Songs aus dem neuen und gleichzeitig letzten Album von Stiller Has. Gesungen wurde im Lied «Niemer» von der grenzenlosen Einsamkeit, in der doch niemand nie allein sein könne und niemand ins Paradies komme. In «Niemer» kam auch zur Sprache, dass der Mensch erst wieder auf die essenziellen Dinge des Menschseins wie die Geburt, die Liebe und den Tod zurückgeworfen wird, wenn der Handy-Akku leer ist. Die Band sprang zwischen Poesie, Ballade, Krach, Witz, Sprechgesang, Pop, Blues und Rock’n’Roll hin und her, schlug Haken zwischen Kabarett, Performance, Literatur und Musik, zwischen Kunst und Kitsch und verblüffte durch musikalische Infernos. Endo Anaconda erzählte Geschichten zwischen den Songs. Wie er froh sei, endlich die coronabedingte Einsiedelei der letzten Zeit hinter sich zu lassen und wieder auf die Schwarze Madonna in Einsiedeln zu stossen – dies ganz im Zeichen von «Black Lives Matter».

«Walliselle» als Höhepunkt


Endo Anaconda schilderte Erlebnisse aus seiner Zeit im katholischen Knabeninternat und wie die Schweiz doch saugut durch die Corona-Krise gekommen sei – angesichts des Elends in der Welt, auf der viele Menschen tatsächliche existenzielle Probleme hätten. Einen Seitenhieb auf Gotthard konnte sich Endo Anaconda nicht verkneifen: Wie es nur diese Rockband habe schaffen können, im «Donnschtig- Jass» zu landen und dort Songs von ABBA zu spielen. Nach einer Pause stieg Stiller Has mit bemerkenswerten Stücken aus dem neuen Album «Pfadfinder» in den zweiten Teil ein: Endo Anaconda gab die Songs «Chräie» und «Früecher» auf seine gewohnt direkte und bissige Art zum Besten. Und gab zum Ausdruck, dass sich, wer allein ist, einen Hund kauft. Selbstredend kam es mit dem Song «Walliselle» zu einem ersten Höhepunkt dieses Konzertabends: Schliesslich kennt jeder dieses Lied und sang also mit: «Mir hätte doch is Wallis sölle u nid uf Walliselle.» Endo Anaconda sang von der Liebe und vom «Chlyne Tod»: «Viellech gits o d’Liebi nid. Und es bliebt numme d’Sehnsucht zrügg. Und die geit länger viel viel länger als jedes läbeslange Glück.» Wie ein Cowboy zum Gartenzwerg wird und aus dem Messias ein falscher Jesus, war die Botschaft des Songs «Tequila Halleluja». Das Publikum war überaus angetan vom Auftritt von Stiller Has. Die Band war gleichsam sehr verbunden mit der Besucherschar im Mauz Music-Club. Der Funken war gesprungen.

Ufe und abe – wie im Leben


Zu guter Letzt spielte das Quartett als Zugabe das Lied «Flop»: Da ging es ums Business, um zynische Turnaround-Manager und Consulting-Buden, die Firmen zu Tode sanieren und danach einvernehmlich zurücktreten. Und nachdem sie abgesahnt haben, verschieben sie das Geld nach Panama. So sang Endo Anaconda ganz zum Schluss: «Mir heis düre/ diskutiert/es Consulting/kontaktiert/ investiert u saniert/revidiert u dementiert yvernähmlech zrüggträtte/Single Malt/u Sigarette/jedi Chance ergriffe/ leider ohni Perspektive/Mir hei Härzbluet drygäh/u wär git mues o näh/Morn vö sie vo vorne a/ Oh wie schön isch Panama/Was dert isch/isch nümm da.» Rauf und runter, ufe und abe. So geht das im Leben. Endo Anaconda sang diese letzten Zeilen – zum letzten Mal. Bevor er sich auf den Weg machte – uf und dervo. Für immer und ewig. 

Einsiedler Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

08.09.2020

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