Bühne
Wer ist die Schönste im Götterhimmel als Entscheidungsgrundlage und Streitgrund
Die Premiere wie auch die zweite Aufführung lockten viele interessierte Theaterfans ins Chärnehus. Beide Auftritte waren ausverkauft. Die schauspielerische Leistung der Jugendlichen, die Glanzund- Gloria-Stimmung wie auch das überall spürbare Herzblut faszinierten die Gäste.
Im neusten Stück des Kinder- und Jugendtheaters tauchten vierzehn Jugendliche unter der Regie von Rita Lang in die griechische Götterwelt ein. Die Geschichte, die sie erzählten, war geprägt vom Streit um den goldenen Zankapfel, der als Vorspiel zum Krieg zwischen den Trojanern und den Spartanern führte. Bis auf Eris erhielten alle 13 Gottheiten eine Einladung zur Hochzeit von Peleus und Thetis. Als Rache und Reaktion warf Eris den goldenen Apfel unter die Gottheiten, der den Titel «Die Schönste» trug. Kurz darauf brach zwischen den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite ein Streit aus, weil alle drei von sich behaupteten, dass sie die Schönste sei. Göttervater Zeus wollte selbst keinen Entscheid fällen. Darum stellte er seinem Götterboten Hermes die Aufgabe, zusammen mit den drei Göttinnen zu Paris zu reisen und ihn das Urteil fällen zu las-sen. Als Sterblicher fiel das Urteil von Paris auf Aphrodite. Ihr konnte er nicht widerstehen. Sie versprach ihm die Liebe der schönsten Frau auf der Welt.
Viel Eigenarbeit und aktives Engagement aller Jugendlicher
Die Thematik der Schönheit und der Götter war nicht zufällig gewählt. Das Kinder- und Jugendtheater Sapperlot wählt ganz gezielt und bewusst jedes Jahr ein Thema aus, das zu mindestens einer Figur des Welttheaters passt. Im letzten Jahr war dies der König, in diesem Jahr das Thema Schönheit. So soll verhindert werden, dass das Welttheater vergessen geht – so lange, bis es wieder aufgeführt wird, was im Jahre 2031 der Fall sein wird. «Uns ist es wichtig, dass sich alle Kinder und Jugendlichen im Theater engagieren und die verschiedenen Bereiche wie Schauspielerei, Technik, Regie, Werbung, Licht, Musik, Restauration, die es für ein Theater braucht, kennenlernen und selbst aktiv werden und mitgestalten können», verriet Rita Lang, welche Regie führte. So könnten alle voneinander profitieren und es entstehe eine echte Eigenproduktion, keine Konsumation, die als pfannenfertige Textvorlage allen als Dienstleistung vorgelegt werde, ergänzte Lang. Das Urteil des Paris nutzte die Regisseurin als Vorlage. Das Skript für die diesjährige Produktion schrieb sie anschliessend in Eigenregie. Das Bühnenbild, Ausstattung und Grafik sind in Zusammenarbeit mit Simone Steinegger entstanden. «Uns war es sehr wich-tig, dass wir von Anfang an miteinander arbeiteten und dass sich das Stück wie auch das Bühnenbild, Kostüme und alles drum herum fortlaufend entwickeln konnte.» In diesem Jahr teilte das Theater die Kinder wieder gruppenweise auf. Während die Jugendlichen das Stück «Das Urteil von Paris» aufführten, erstellte die Kindergruppe eine Werkschau zum Kinderbuch «Für das Auerhuhn» von Livia Stampfli-Huber, welche im Juni im Schulhaus Nordstrasse zu sehen sein wird. Neu war für die Jugendlichen in diesem Jahr, dass sie die Texte in Schriftsprache aufführten. Daran hätten sich alle zuerst gewöhnen müssen, gestand Lang. Die Schriftsprache half aber auch dabei, dass sich die Jugendlichen noch stärker in ihre Rolle hineinversetzen und sich mit ihr identifizieren konnten. Auch die Rollenverteilung sei nicht von Anfang an klar festgelegt gewesen. Bewusst liess Lang alle Jugendlichen in unterschiedlichen Rollen improvisieren und sie so spüren, welche Rolle ihnen wohl am besten liegen könnte. Dieses Vorgehen führte auch dazu, dass alle dann mit der Rolle zufrieden waren, die sie schliesslich spielten.
Tempelartiger Olymp als Bühnenkulisse
Das Volk unten, die Götter oben. Ganz wie es in der griechischen Antike üblich war. So war auch der Saal vom Chärnehus für das diesjährige Theaterstück «Das Urteil des Paris» eingerichtet. Vor dem Publikum türmte sich ein fünfstufiger Berg auf – der Götter Olymp. Die Stufen, in Magenta gehalten, waren umringt von blauen Säulen und ganz viel silbrig glitzernden Lametta- Vorhängen. Etwas oberhalb des Palastes von Zeus und seiner Göttin Gattin Hera thronte eine, fast leicht schwebende, Bühne. Darauf spielten und umrahmten die beiden Cellisten Svea Camenzind und Joel Lüscher, welche beide Teil der Musikschule Einsiedeln sind, die Szenerie musikalisch. Ihre Cellostimmen unterstützten die ohnehin schon dramatisch wirkende Stimmung eindringlich, brachten die Ernsthaftigkeit des Twists um den goldenen Zankapfel noch mehr zur Geltung und ergänzten die Schauspielerei hervorragend. Das tempelartige Stufen-Bühnenbild verhalf dazu, dass sich die Darstellenden auf unterschiedlichen Ebenen bewegen und präsentieren konnten und war die ideale Übersetzung für die Hierarchie, die bei den Gottheiten in der Antike wohl herrschte. Einmal mehr ist dem ganzen Team vom Kinder- und Jugendtheater Sapperlot ein einmaliges und abgerundetes Theatererlebnis geglückt, welches sowohl die Mitwirkenden wie auch die Gäste begeisterte.
Einsiedler Anzeiger / Nadja Tratschin
Autor
Einsiedler Anzeiger
Kontakt
Kategorie
- Bühne
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/Ncf6Sv