Die Dub-Könige aus der Schweiz waren zu Gast im Klosterdorf: Am Samstag besuchten Dub Spencer and Trance Hill den Mauz Music-Club in Einsiedeln. Markus Meier spielte Gitarre, Philipp Greter Keyboard. Bild Tamara Broggi
Die Dub-Könige aus der Schweiz waren zu Gast im Klosterdorf: Am Samstag besuchten Dub Spencer and Trance Hill den Mauz Music-Club in Einsiedeln. Markus Meier spielte Gitarre, Philipp Greter Keyboard. Bild Tamara Broggi

Musik

Wie Weltraumfahrer in Trance durch den Dub-Orbit sausen

Dub Spencer and Trance Hill spielten am Samstag im Mauz Music-Club und begeisterten vollends. Wie die vier Luzerner ihren psychedelischen Dub-Techno-Reggae auf der Bühne hervorzauberten, liess das Publikum in Einsiedeln in andere Sphären abheben.

Lee «Scratch» Perry tauchte definitiv nicht auf am Samstag im Mauz Music-Club. Auch wenn die vier Musiker von Dub Spencer and Trance Hill unbedingt wieder einmal mit dem Dub-Gott aus Einsiedeln zusammen auf der Bühne gestanden wären. Und für Lee Perry wäre es auch nur ein Katzensprung gewesen – von seinem Haus auf dem Schnabelsberg hinunter in den Mauz Music-Club an der Zürichstrasse. Tant pis! Auch ohne die Dub-Legende und den Paradiesvogel ging der Auftritt von Dub Spencer and Trance Hill komplett rund über die Bühne und hinterliess bei den 80 Besuchern des Konzerts einen nachhaltigen Eindruck. André Kälin vom Mauz Music-Club kündete denn zu Beginn des Gigs bereits an: Für die vier Musiker war es eine Rückkehr an einen Ort, an dem sie bereits im Jahr 2018 für Furore sorgten, als sie im Mauz Music-Club aufgetreten waren. Allerdings waren das noch ganze andere Zeiten damals – lange vor dem Coronavirus: Um sich vor dem aktuellen Auftritt der Band ein Bild über das Schutzkonzept des Clubs zu machen, ist denn auch prompt ein Schwyzer Kantonspolizist aufgetaucht.

Musik, die glücklich macht


Das Intro, der Einstieg in das Konzert erinnert sehr an Pink Floyd: Sphärische Klänge, transzendierende Sounds, es geht auf in eine Reise in den Kosmos, in die Weiten des Universums. Von technischen Störungen, einem Wackelkontakt beim Mikrofon, lässt sich der Schlagzeuger Julian Dillier derweil bei der Begrüssung des Publikums nicht aus dem Konzept bringen: «Wir machen in erster Linie Tanzmusik!» Es ist denn in der Tat eine Musik für den Körper, die Dub Spencer and Trance Hill auf der Bühne aufführen. Und die überlagert wird von Effekten, Hall und Echos, Zirpen und Surren, Zischen und Sausen. Also ist es auch eine Musik für den Kopf, den Geist und die Seele. Eine Musik, die glücklich macht. Die Band schafft eine psychedelische Klangwelt, deren Fundament der Produzent und Keyboarder Philipp Greter legt und für deren Melodie der Bassist Marcel Stalder sorgt. Hypnotischer Sound, mit Reggae-Rhythmen unterlegt, der das Publikum von den Sitzen reisst: Er versetzt in einen Rausch, eine Ekstase, in einen Trance-Zustand.

In chilligen Beats eingetaucht


Dass Dub Spencer and Trance Hill auch imstande sind, fantastische Cover-Versionen aufzuführen, zeigt sich im Stück «Spiel mir das Lied vom Tod» von Ennio Morricone, das von gewagten Rhythmuswechseln und einem luziden Orgelspiel geprägt ist. Es folgen Ausschnitte aus ihrem neuen Konzeptalbum «Tumultus II», auf dem Klänge aus dem Alltag in einem antiken römischen Legionslager zu hören sind, und aus ihrem nächstem Werk, das im kommenden Jahr herauskommt, ziemlich elektronisch geprägt ist und an ihr Album «Physical Echoes» erinnert: Im Fokus stehen da chillige Off-Beats bis zu technoid unterlegten Reggae-Riddims. In Anlehnung an den Maler Bob Ross wird «Cypress Creek» («Zypressensumpf»), gespielt. Dub Spencer and Trance Hill spielen am Samstagabend vorwiegend instrumentalen Sound. Ein Stück, «London Calling» von The Clash, bedeutet eine Ausnahme davon: Markus Meier spielt da nicht nur sehr rockig die Gitarre, sondern singt gleichsam wie Joe Strummer selig.

Von Dub zu Goa-Trance


Als letztes Stück wird «Too Big to fail» zum Besten gegeben, vor dem sich die Band bei den Haustechnikern des Mauz Music-Clubs bedankt: Schliesslich haben die Mannen hinter dem Mischpult vergessen gemacht, dass mit Umberto Echo der Toningenieur und quasi das fünfte Bandmitglied an diesem Abend gefehlt hat. Bevor es dann während der Zugabe definitiv wie an einer Techno-Party zu- und hergeht: Dub wandelt sich in Goa-Trance. Jetzt gibt es kein Halten und Warten mehr. Denn die Reise im Weltall neigt sich dem Ende entgegen. Gelandet wird, zurück aus dem Space, wieder im Klosterdorf. Eine kleine Umfrage vor Ort im Mauz Music-Club zeigt auf: Der Gig von Dub Spencer and Trance Hill ist vollends angekommen. Laura Grimm, 41, Sozialpädagogin aus Horgen, fand, die Band habe es geschafft, ihre Energie auf das Publikum zu übertragen: «So lange dauerte die konzertlose Corona-Lockdown-Zeit an. Und dann erlebt man so einen Auftritt von überaus sympathischen Musikern in dieser sehr angenehmen Ambiance dieses Klubs in Einsiedeln. Chapeau!»

Funken sprang ins Publikum


Ins gleiche Horn stösst Michael Grimm, 42, Primarlehrer aus Horgen: «Dieser Abend ist wahrlich eine prächtige Entschädigung für die Corona-Zeit, während der keine Konzerte mehr möglich waren. Man hat gespürt, dass sich die vier Musiker sehr wohl gefühlt haben im Mauz Music-Club. Und der Funken ist tatsächlich ins Publikum gesprungen: Alle haben getanzt. Zum Glück war es nur halbvoll im Club – angesichts von Corona in diesen Zeiten ist das wohl besser so.»

Einsielder Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

29.09.2020

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schwyzkultur.ch/SCVnx8