Musik
Einsiedler Orgelsommer verabschiedet sich nach 32 Jahren von Pater Theo Flury
Das letzte Orgelkonzert wurde zu einer beeindruckenden Abschiedsvorstellung. Der langjährige künstlerische Leiter des Einsiedler Orgelsommers, Stiftsorganist Pater Theo Flury, verabschiedete sich mit drei Uraufführungen – drei musikalisch und inhaltlich sehr bewegenden Werken.
Orgelkonzert wie immer am Dienstag, doch dieser 25. August ist speziell! Bereits zur Komplet muss man seinen Platz in der Klosterkirche suchen, es herrscht eine angespannte Atmosphäre. Was erwartet uns? Mit diesem Konzert im Rahmen des Einsiedler Orgelsommers wird Pater Theo Flury würdig verabschiedet, doch von Wehmut keine Spur. Dafür drei Uraufführungen aus seiner Feder sowie ein seltenes Zusammenspiel von drei Orgeln sorgen für ein aussergewöhnliches musikalisches Ereignis.
Veränderungen auch beim Organistenteam. Stefano Bertoni und Mirjam Wagner-Meister haben einige Jahre dieses Team mitgeprägt und nun neue Aufgaben andernorts übernommen. Es war ein Anliegen des scheidenden Stiftsorganisten, mit einem gemeinsamen Auftritt für einen würdigen Abschied zu sorgen. Er ist gelungen.
Vom Übergang zur dankbaren Lobpreisung
Übergänge bestimmen das Leben und formen die Geschichte im Grossen und im Kleinen. Man kann das erste Werk «Transitus – Übergang» als Ausgangspunkt bezeichnen. Es verknüpft das Gedenkjahr 1526 mit dem persönlichen Abschied des Stiftsorganisten. Es verbindet historische Erinnerung mit neuer Musik. Damals leitete die Berufung des neuen Abtes, Ludwig Blarer aus St. Gallen, einen entscheidenden Neuanfang für das Kloster Einsiedeln ein. Heute Abend legt Pater Theo Flury nach 32 Jahren im Amt als Stiftsorganist und als künstlerischer Leiter des Einsiedler Orgelsommers diese Aufgaben in jüngere Hände. Ganz anderer Art ist die zweite Uraufführung. Der Hymnus «Ut Queant Laxis» ist für einen gemischten Chor a cappella geschrieben. Der Hymnus ist dem heiligen Johannes dem Täufer gewidmet.
Die dritte Uraufführung «Preisungen », ein Konzertstück in zwei Sätzen, soll «ein Dank, ein Lobpreis» sein. Im ersten Satz erhalten die drei Hauptorgeln der Klosterkirche Gelegenheit, «dieses Lob festlich vorzubereiten ». Der zweite Satz mit dem Vesperhymnus «O lux, beata Trinitas » – O Licht, selige Dreifaltigkeit – «mündet in einen tief empfundenen Dank an Gott für den vergangenen Tag». So weit der Beschrieb des Komponisten. Doch wo sieht er das Thema des Übergangs? Er sei «von ausschliesslich lokaler Bedeutung » schreibt der bescheidene Protagonist …
Im Gespräch mit dem Komponisten
Warum komponiert Pater Theo? Komponieren sei ein stetes Ringen um Eingebungen und geschehe «sicher nicht einfach so». Man muss auch Zusammenhänge suchen und finden. So will er mit seinem Werk das Kloster würdigen und nimmt die Ereignisse vor 500 Jahren zum Anlass für seine Komposition «Transitus».
Natürlich ist sein Werk auch religiös motiviert. Pater Theo erinnert an das Ostergeschehen, betont, wie vieles in dunkler Nacht geschah, beschreibt die Geheimnisse des christlichen Glaubens, verknüpft Texte mit Musik und bezeichnet das als «kostbare Symbiose» Eine sehr interessante Diskussion entwickelt sich bei der Frage der musikalischen Einordnung. Pater Theo stellt schnell klar, dass seine Musik von «innen heraus» kommt, somit sehr persönlich sei und keiner Modeströmung folgt. Wenn es um Kunst geht, muss es «authentisch » sein.
«Transitus» im Detail
Die erste Komposition führt zehn Sätze auf und ist für «zwei Orgeln und gemischten Chor» konzipiert. Sie orientiert sich an der Komposition «Einsiedler Osternacht», die bisher nie aufgeführt worden ist. Ihr hat der 71-Jährige instrumentale Teile entnommen und in sein «Transitus» eingebaut. Weiter sind drei Motetten mit Texten von Schwester Hedwig Silja Walter und Pater Theo eingebettet, sie sind neu vertont. Anfang und Ende macht der schlichte Osterhymnus «Ad caenam agni providi».
An der Marienorgel spielt Christoph Schönfelder, Stiftsorganist aus St. Gallen, die Mauritiusorgel bedient Pater Theo Flury persönlich. Der Chor «Schweizer Vokalconsort» hat die schwierigen, herausfordernden Gesangssätze übernommen. Unter der souveränen Leitung von Marco Amherd brillieren diese zwölf Profisängerinnen und elf Profisänger mit bester Gesangstechnik und wirkungsvollem Ausdruck.
Ziel dieses Chors ist, Vokalmusik in der Schweiz auf höchstem Niveau zu präsentieren. Am Dienstagabend glänzt er mit der zweiten Uraufführung, dem Hymnus «Ut Queant Laxis», geschrieben für einen gemischten Chor a cappella. Es ist ein Genuss, diesen Stimmen zuzuhören! Das «Schweizer Vokalconsort» ist auf Empfehlung des klostereigenen Musikbüros engagiert worden, ein Chor, von dem selbst Pater Theo schwärmt und von dessen Können sich die riesige Zahl Besucher staunend überzeugen konnte.
Zukunft und Lobpreis
Dieses Musikbüro wird auch in Zukunft für sämtliche Musikprojekte des Klosters zuständig sein. Den Orgelsommer aber wird ab 2027 der neue Stiftsorganist, Benjamin Guélat, organisieren. Zum Abschluss vereint «Preisungen » alle Beteiligten zum Finale. Dazu gesellen sich fünf Instrumentalisten, um mit diesem «Konzertstück in zwei Sätzen für drei Orgeln, Chor und Bläser» für einen würdigen Abschluss zu sorgen. Der erste Satz, an eine Sonate erinnernd, lässt die Orgeln brillieren, an der Marienorgel Mirjam Wagner-Meister, an der Chororgel Pater Theo, an der Mauritiusorgel Stefano Bertoni. Der zweite Satz mit dem Thema «O lux, beata Trinitas» baut sich gekonnt zum mächtigen, aber nicht überbordenden Höhepunkt auf. Vor allem das Bläserquartett sorgt für viel Glanz in der Klangwelt von Orgel und Chorgesang. Schön auch der fein ausklingende Schluss. Irgendwie erinnern Beschreibung und Vortrag an den Bettag.
Drei verbundene Orgeln – wie funktioniert das?
Auffallend wie die Akteure synchron aufspielen! Ein neues audio-visuelles System mit vier Bildschirmen macht das möglich. Nur wenige Kirchen in der Schweiz verfügen über eine vergleichbare Orgelanlage. Selbst in Einsiedeln ist ein solches Konzert aufgrund der technischen und logistischen Herausforderungen nur selten zu erleben. Aber am Dienstagabend ist es zum bemerkenswerten Einsatz gekommen. Zum Schluss verdanken die in riesiger Zahl aufmarschierten Besucher die Arbeit von Pater Theo und aller Beteiligten mit einem Riesenapplaus – lang anhaltend!
Einsiedler Anzeiger / René Steiner
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Einsiedler Anzeiger
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