Accento musicale entdeckte Trouvaillen aus der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln: (v. l.) Rahel Marty-Landolt, Viola; Meinrad Küchler, Violine; Severin Suter, Cello; Urs Bamert, Klarinette; Donat Nussbaumer, Violine. Bild Andreas Knobel
Accento musicale entdeckte Trouvaillen aus der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln: (v. l.) Rahel Marty-Landolt, Viola; Meinrad Küchler, Violine; Severin Suter, Cello; Urs Bamert, Klarinette; Donat Nussbaumer, Violine. Bild Andreas Knobel

Musik

Exklusive Fundstücke aus der Klosterbibliothek

Accento musicale führte Werke auf, die als Handschriften oder als Erstdruck in der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln verborgen waren.

Wenn von Konzertprogrammen die Rede ist, spricht man oft von «Trouvaillen ». Bei der Aufführung von Accento musicale am Samstagabend im Reformierten Kirchgemeindehaus in Lachen war dies wortwörtlich der Fall. «Musikalische Schätze aus dem Kloster Einsiedeln » wurden geboten, nämlich Autographen – also Handschriften – und Erstdrucke.


Unbekannter Kulturschatz


Tatsächlich sei uns nicht bewusst, welcher Kulturschatz in der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln – der wohl wichtigsten der Schweiz – verborgen sei, führte Ensemble-Leiter Urs Bamert ins Thema ein. In Zusammenarbeit mit der Joachim-Raff-Gesellschaft Lachen, dem Einsiedler Museum Fram und unter der Leitung von Pater Lukas Helg vom Kloster Einsiedeln wurden deshalb exklusive «Fundstücke» interpretiert. Dieses ungewöhnliche Programm wollten sich erfreulich viele Musikliebhaber nicht entgehen lassen.


Originelle Werke entdeckt


Accento musicale trat in reiner Schwyzer Besetzung auf: Donat Nussbaumer und Meinrad Küchler, Violine, Rahel Marty-Landolt, Viola, Severin Suter, Cello, und Urs Bamert, Klarinette. Den Anfang machte Martin Goller (1764–1836), ein eher unbekannter Benediktinermönch, mit dem «Klarinettenkonzert B-Dur». Goller habe ein umfassendes Werk hinterlassen und verdiene es, entdeckt zu werden, erklärte Bamert. Und tatsächlich zeigte sich das viersätzige Werk rund und ausgefeilt, definitiv zu schade, um in der Musikbibliothek vergessen zu gehen. Den zweiten Schwerpunkt bildete das «Streichquartett Nr. 3 e-Moll op. 136» von Joseph Joachim Raff (1822–1882), also dem inzwischen wieder entdeckten Lachner Komponisten. Raff habe viele Ideen gehabt, erzählte Bamert in seiner lockeren Art. Zuweilen habe er auch etwas überbordet, seine Kompositionen seien teilweise unkonventionell und schwierig zu spielen. Bamert vermochte gar einen Link von Raffs Musik bis zu modernem Techno herzustellen. Die Aufführung der vier Sätze, die durch das Streichquartett, also ohne Klarinette, gespielt wurden, bestätigte Bamerts Einschätzung. Es war «ein schwerer Brocken», der jedoch vom Publikum einen besonders intensiven Applaus erhielt. Mit Robert Lucas Pearsall (1795– 1856) kam ein ebenso unkonventioneller, aber ziemlich unbekannter Komponist zum Zuge. Der Engländer war eigentlich Jurist und war offenbar zu Vermögen gekommen. Nach einem Schlaganfall widmete sich der Autodidakt ganz der Musik. Er kaufte ein Schloss am Bodensee und freundete sich mit dem einflussreichen Einsiedler Pater Gall Morel an, dessen Kloster er schliesslich sein ganzes Werk hinterliess. Das «Allegro moderato» aus dem «Streichquartett op. 26» gefiel in Lachen jedenfalls.


Selbst Mozart ist vertreten


Über Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) selber brauchte Bamert nicht viele Worte zu verlieren. Wer hätte allerdings gedacht, dass sich Original- Handschriften Mozarts in der Einsiedler Musikbibliothek befinden? Das «Andante» der aufgeführten «Pariser Sinfonie D-Dur KV 297» sei jedoch in der aktuellen Ausstellung in Einsiedeln nicht vertreten, so Bamert. Denn bei einer Versteigerung, so schätze man, dürfte diese Handschrift nicht weniger als eine halbe Million Franken auslösen. Den Abschluss des originellen Konzerts machte das viersätzige «Klarinetten quintett Nr. 2» des Italieners Paolo Stramezzi (1750–1810), von dem ebenfalls ein Autograph vorliegt. Das gefällige Werk rundete das Programm optimal ab und bot den Musikerinnen und Musikern von Accento musicale auch Gelegenheit für eine Zugabe.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Andreas Knobel

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

09.09.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/NVGUYn