Walter Kälin im Interview mit Franz Kälin «Foti Fränzel» an der Filmvorführung. Foto: Franz Kälin
Walter Kälin im Interview mit Franz Kälin «Foti Fränzel» an der Filmvorführung. Foto: Franz Kälin
Es gab viel zu sehen bei der Filmvorführung «Foti Fränzel».
Es gab viel zu sehen bei der Filmvorführung «Foti Fränzel».

Film

«Foti Fränzel wird zum Evergreen!»

Er ist endgültig ein Klassiker geworden, der Film «Foti Fränzel». Am letzten Samstagnachmittag lud «Fränzel» alle ein, die den Film noch nicht gesehen, oder ihn noch einmal sehen wollten. Und was kaum für möglich gehalten werden kann: Der Kinosaal füllte sich am helllichten Nachmittag wie bei der Premiere eines «Blockbusters».

Ei, dachte ich mir – wer und wie viele Leute wollen denn den «Foti Fränzel» noch sehen, als ich am letzten Samstag kurz nach Mittag zur Cineboxx ging. Den Film hat man doch gesehen – mindestens ein Mal! Über 6000 Eintritte verzeichnete Franz junior in seinem Kino für den Film – Hausrekord. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus: Da drängten sich die Leute förmlich, im Entrée stand man sich buchstäblich auf die Zehen! Einsiedler darauf angesprochen, sagten, dass man diesen Dok-Film nicht oft genug sehen könne. Da würden «70 Jahre Einsiedeln » ausgebreitet. Ja, und ich glaube, das macht die Faszination dieses Films von Franz Kälin junior und Benno Kälin aus: Nostalgie, schönes, altes, untergegangenes Einsiedeln. Mir erging es beim anschliessenden Anschauen nicht anders als meinen Sitznachbarn zur Rechten und zur Linken: «Das ist doch …» Zeitereignisse kamen hoch, und besonders reizvoll waren die Bilder-Vergleichsserien von «vorgestern und heute». Welchen Brand hat «Fränzel» nicht fotografisch festgehalten, welchen Unfall nicht dokumentiert? Und das Sensationelle: Er hat die gezeigten Aufnahmen alle noch in seinem Archiv. Die vielen Fotos vom Kloster hat er gar nach Jahrgängen abgelegt. Das ist ein für Einsiedeln unbezahlbarer Schatz, der jedes Jahr noch wertvoller wird und unbedingt erhalten bleiben muss. Grosser Applaus brandete am Schluss des Films auf – wohlverdient, sowohl für den Film, wie auch für «Fränzel», der all dies für künftige Generationen festgehalten hat.


Er wüsste so viel zu erzählen


Anschliessend an den Film befragte Walter Kälin den äusserst rüstigen Senior. Und dieser erzählte aus seiner Jugendzeit, als man das Dorf runterschlitteln konnte, als man auf der Strasse spielte, da es noch keine Autos gab. Und er erzählte, wie er bei Baur in die Fotografenlehre ging, mit dem Zug nach Zürich in die Schule musste. Ja, wie das Fotografieren damals zu und her ging. Er habe viele spontane Fotos geschossen. Er sei dank der Bergsteigerei mit dem Alpenclub auch schwindelfrei, was ihm des Öfteren zustatten kam, wenn er in luftiger Höhe, oder gar aus dem Helikopter Aufnahmen machte. Früher habe er sehr viele Fotos der nationalen Agentur Keystone schicken können. So habe er sich ein zusätzliches Zubrot verdient. Es sei immer gegangen, und er habe immer gesagt, wenn er keinen Auftrag hätte, würde er Kisten nageln gehen! Walter Kälin sprach ihn auf eine Filmsequenz an, in der er mit dem Pinsel Fotos bearbeitete. Das sei früher Alltag gewesen, man hätte so unsaubere Sachen korrigiert. Heute sei es viel einfacher, da korrigiere man mit Photoshop. «Und brauchst du deine legendäre Leiter (mit der er zum Fasnachtssujet wurde) immer noch?», lautete eine abschliessende Frage. «Ja, ja, gerade an der Fasnacht leistete sie mir gute Dienste. So kann ich über die Zuschauer hinweg Fotos schiessen», gab «Fränzel» Auskunft. Man spürte es: Dieser Fotograf lebt seinen Beruf, das ist Passion. Und Walter Kälin meinte ganz zum Schluss treffend: «Jeder von uns sollte irgendetwas so aus dem Eff-eff können wie Foti Fränzel.» Ja, diese Leidenschaft für seinen Beruf ist etwas Einmaliges. Nun war es an der Zeit, den offerierten Apéro zu geniessen, auf «Fränzel» anzustossen und die letzten Eindrücke wirken zu lassen.


Einsiedler Anzeiger / Paul Jud

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

09.04.2019

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schwyzkultur.ch/gQdbnk