Schriftsteller Marcel Huwyler liebt das Spiel mit Worten und dem Tod. Bild: Nicole Auf der Maur
Schriftsteller Marcel Huwyler liebt das Spiel mit Worten und dem Tod. Bild: Nicole Auf der Maur
Zu den beiden bisher erschienenen Romane im Violetta Morgenstern erscheint am September der nächste Band. Bild Web M. Huwyler
Zu den beiden bisher erschienenen Romane im Violetta Morgenstern erscheint am September der nächste Band. Bild Web M. Huwyler

Literatur

Frau Morgensterns nächste Morde wurden in Lauerz geplant

Der Freiämter Marcel Huwyler hat nach einigen Jahren als Lehrer seine Leidenschaft zum Journalismus und zur Literatur zum Beruf gemacht. Nominiert für zahlreiche Schriftsteller- und Journalistenpreise, wohnt der Autor nun im Kanton Schwyz und lässt seine Romanfigur Violetta Morgenstern immer wieder neue Abenteuer erleben.

Das Buch ist geschrieben. Es liegt zum Druck bereit. Noch wenige Tage, dann soll es erscheinen. Das Telefon klingelt. Marcel Huwyler nimmt den Anruf entgegen. Die Vertrauensperson seines Verlags aus Deutschland ist am anderen Ende. «Wir brauchen einen neuen Namen.» Marcel Huwyler schluckt leer. Ein anderer Autor hat kurz vor der Veröffentlichung des ersten Krimis von Marcel Huwyler ebenfalls den Nachnamen seiner Protagonistin gewählt. Violetta Sternenberg konnte nicht mehr Sternenberg heissen. Ein gewisser Kommissar Kai Sternenberg hat ihr den Namen auf dem Buchcover streitig gemacht. «Es war für mich, als stünde ich an der Beerdigung meiner ersten grossen Liebe – mit dem Handy in der Hand, auf Tinder nach neuen Frauen suchend», beschreibt Marcel Huwyler seine Achterbahn der Gefühle im Jahr 2019. Innert 24 Stunden musste ein neuer Name der Hauptfigur her, denn der Drucktermin des Buches stand fest. Marcel Huwyler wohnte damals im Ägerital. Aus seinem Haus konnte er nach Morgarten sehen. Mit der Schlacht am Morgarten im Hinterkopf traf ihn der neue Name wie ein Blitz: Violetta Morgenstern. So sollte sein neues Krimi-Sternchen heissen. Und verheissungsvoll ging es in den Druck.

Die Protagonistin gefällt


Violetta Morgenstern gefällt dem Publikum. Marcel Huwyler hat mittlerweile den dritten bitterbösen Roman mit der starken Frau Morgenstern in der Hauptrolle geschrieben. Der humorvolle Schreibstil kommt – wie er selber sagt – vor allem bei Frauen ab 40 Jahren sehr gut an. «Ich erhalte täglich Nachrichten von Leserinnen», sagt Huwyler. «Ich habe mit meiner Protagonistin, einer Auftragskillerin, den Zeitnerv getroffen», sagt er. Eine 90-jährige Frau aus Wien habe ihm mitgeteilt, dass sie in ihrem Leben auch mal böser hätte sein sollen. Seit sie ab und wann sich auch mal wehre (natürlich nicht morde), habe sie von ihren Söhnen den Übernamen Morgenstern erhalten. «Frau Morgenstern ist ein Heissluftföhn in unserer Schneeflöckli-Gesellschaft», lächelt Huwyler. Mittlerweile gibt es Marcel Huwylers Frau Morgenstern auch in Hörbuch-Fassung. «Von einer rauchigen Stimme gelesen. Es könnte Frau Morgenstern höchstpersönlich sein», freut sich Huwyler über die Berliner Sprecherin.

Er sprudelt vor Ideen


Marcel Huwyler hört man gerne zu. Er erzählt Geschichten, schweift ab, erzählt neue Geschichten. In seinem Kopf sprudelt es vor Ideen, ein Wortwitz folgt dem anderen. Er liebt Worte – auch schweizerdeutsche. «Tschäddere», «Galöri» nennt er als Beispiele. Er erfindet auch gerne neue Worte. «In einem Buch muss nicht alles wahrheitsgetreu sein. Man muss es nur als solches verkaufen», lächelt er, während er von einem Medikament erzählt, dessen Namen mir bekannt vorkommt, obwohl es dieses noch nie auf dem Markt gegeben hat. Zum ersten Mal kann man von diesem Medikament lesen, wenn das neue Buch von Huwyler veröffentlicht wird. «Frau Morgenstern und die Verschwörung » heisst es und erscheint im September im deutschen Grafit-Verlag.

In der Kantonsbibliothek zu Gast


Lesungen hatte Marcel Huwyler coronabedingt schon lange keine mehr. Er vermisst sie sehr. «Noch lieber als das Bücherschreiben ist mir das Vorlesen», sagt er. Er sieht eine Lesung als vergnüglichen Akt, als Theater. «Eine Lampe, ein Glas Wasser, ein Buch. Das ist mir zu öde», meint er. Huwyler interagiert mit den Zuschauern, spielt Szenen vor, liest, spielt, witzelt. «Das Publikum liebt dies», sagt er. Auch Fragen aus dem Publikum beantwortet er gerne mitten in der Lesung. «Die männlichen Besucher möchten gerne wissen, wie viel ich verdiene, die weiblichen, wie ich zum Buchschreiben kam», meint er. Die Antworten wären übrigens: 1. 80 Cent. 2. Er ist Journalist und schreibt gerne. Ausserdem liest er oft Krimis. Und schrieb dann halt selber einen. Die erste Lesung seit Langem hat Huwyler am 24. August in der Kantonsbibliothek in Schwyz. «Ich finde es super, dass meine erste Lesung seit einem Jahr Zwangspause in Schwyz stattfindet», freut er sich. Marcel Huwyler hat sich vergangenen Sommer mit seiner Frau eine Wohnung in Lauerz gemietet. Direkt am See. «Es gefällt mir hier extrem gut», meint er. Er schätze den Charakter der Schwyzer. «Man darf, aber man muss nicht», beschreibt er.

Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Hinweis


«Frau Morgenstern und die Verschwörung» erscheint Ende September.

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

15.06.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/6TQ57q