Musik
Dreamteam: Der Zimmermann und das Vibraphon
Die frisch renovierte Turnhalle Schwerzi erlebte am Samstagabend ihre Feuertaufe beim ersten grossen Event. Die Harmonie Freienbach setzte unter der Leitung von Christian Bachmann mit ihrem Frühlingskonzert die Messlatte für künftige Feste gleich hoch.
Cyrill Kümin, der souverän durch den Abend führte, brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: «Vorher war die Schwerzi eher eine ranzige Turnhalle, heute ist sie ein tolles Konzert-Lokal.» Das volle Haus gab ihm recht. Das Ensemble legte mit «Birdland» von Joe Zawinul, einer knackigen Funk-Hommage an den legendären New Yorker Jazzclub, ohne Anlauf los. Was folgte, war das Herzstück des Abends: die «Jazz Cocktail Suite» des Schweizer Komponisten Marc Jeanbourquin, das Aufgabenstück für das Eidgenössische Musikfest in Biel, wo sich im Mai rund 550 Blasorchester aus der ganzen Schweiz messen.
Die Harmonie Freienbach tritt dort in der Oberstufe an und hat alle drei Sätze des Werks einstudiert. Den ruhigen Gegenpol setzte «Mary Poppins Returns », gewidmet allen kreativen Geistern und Tagträumerinnen und Tagträumern. Beim Medley «Elvis in Concert» fand Kümin zu jedem Track einen Bezug zum Vereinsalltag. Bei «Hound Dog» verwies er darauf, dass man keine Hot Dogs serviere, sondern Fischknusperli, die seien sowieso schmackhafter. «Are You Lonesome Tonight? » lasse sich an der Musikantenbar zuverlässig kurieren. Und der «Teddy Bear» der Truppe sei zweifelsohne E-Bassist Markus Inderbitzin, mit Bart und freundlichem Lachen.
Der Solist des Abends
Den grössten Jubel der Darbietung erntete mit Abstand Yannick Schmid. Der angehende Zimmermann, der tagsüber Balken stemmt, bewies, dass auch Feinmotorik zu seinen Kernkompetenzen gehört. Schmid intonierte «A Tribute to Lionel», gewidmet der Jazzlegende Lionel Hampton, auswendig und ohne Noten. Das Vibraphon, ein Schlaginstrument mit Metallplatten und schwebend warmem Klang, erhielt im Blasorchester für einmal die Hauptrolle. Ein überraschender Twist, der ankam. Die herausragende Performance war auch gleich Anlass für das Ratespiel in der Pause: Das Publikum musste herausfinden, wie viele einzelne Noten Schmid sich gemerkt hatte.
Unter Strom
«High Voltage» katapultierte die Gäste durch mitreissende Big-Band-Stimmung in den zweiten Konzertteil; Tenorsaxofon und Posaune duellierten sich in ausgedehnten Soli. Elton Johns «Aida the Musical», welches lose auf Verdis Oper fusst, liess alle Schnulzenliebhaber auf ihre Kosten kommen. «The Magnificent Seven» bot einen Abstecher in den Wilden Westen zu Cowboys und Revolverhelden, bevor ein Tribut an Irving Berlin das Programm abrundete. Der Liedermacher schrieb bis ins Alter von 101 über 1500 Songs wie «White Christmas», obwohl er kaum Noten lesen konnte und auf einem Auge fast blind war. Erst nach frenetischem Applaus und zwei Zugaben liess der Saal die Harmonie ziehen.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kontakt
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/FrUXND