Der Tuggener Künstler Georg Weber (1884-1978) im Selbstporträt.
Der Tuggener Künstler Georg Weber (1884-1978) im Selbstporträt.

Kunst & Design

Wiederentdeckung Georg Webers

Im Mittelpunkt der nächsten kulturhistorischen Wanderung steht der Tuggner Künstler Georg Weber (1884–1978). Er war als Landschaftsmaler der «ästhetische Betreuer» der Linthebene. Seine Hauptwerke – Kirchenbilder in Schübelbach, Goldau und Oberwil BL – sind zerstört oder übermalt worden.

Zum 100. Geburtstag von Georg Weber fand 1983 im March-Museum Rempen eine Gedenkausstellung statt. Jetzt wird der Tuggner Künstler wieder zum Thema, und zwar anlässlich der kulturhistorischen Wanderung vom Samstag, 29. August. Besammlung ist um 9 Uhr bei der Postautohaltestelle Dorf in Tuggen. Der Rundgang endet um 11.30 Uhr. Bei einem Kaffeehalt im Gasthaus «Löwen » werden Bilder vorgestellt und erläutert.

Die bei jeder Witterung stattfindende Exkursion ist die vierte Veranstaltung der Reihe «Beobachtungen im Linthgebiet: gehen – sehen – verstehen». Die Führung obliegt Stefan Paradowski, Kunsthistoriker aus Glarus. Es wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben.

An königlicher Kunstakademie

Georg Weber entstammte einer wohlhabenden Familie in Tuggen. Seine Grosseltern betrieben eine Schirmfabrikation und führten das Gasthaus «Rössli» (heute Tuggi- Center). Bei ihnen wuchs er auf. Nach Schulen in Tuggen, Siebnen und dem Lyzeum in Sarnen liess er sich zum Kunstmaler ausbilden: Er besuchte in München, wo er von 1904 bis 1911 weilte, die Kunstgewerbeschule und wurde nach ausgezeichneter Prüfung in die königliche Kunstakademie aufgenommen.

«Ästhetischer Betreuer»

Nach einigen Wanderjahren wirkte Georg Weber in Basel und Winterthur, wo er Privatunterricht erteilte. Danach liess er sich endgültig in Tuggen nieder und heiratete 1918 die Thurgauerin Martha Schürer. 1923 erbauten sie ein Haus an der Zürcherstrasse 7 mit Atelier. Sie hatten auch Wohnsitze in Engelberg und Ascona. Doch immer wieder kehrten sie nach Tuggen zurück, wo sich Georg Weber vor allem als Landschaftsmaler betätigte und zum «ästhetischen Betreuer» der Linthgegend wurde. Er malte Stillleben, verfertigte Karikaturen, gestaltete Plakate, zeichnete Akte. Und er tat sich als Porträtist hervor.

Zerstörung oder Übermalung

Wandmalereien – die meisten existieren inzwischen nicht mehr – sind als seine Hauptwerke zu betrachten. Die Ausmalung der Herz-Jesu- Kirche Goldau erfolgte 1931 und 1934. Die dortigen Kreuzwegstationen wurden 1994 konserviert und dann ersetzt durch einen neuen Bilderzyklus.

Die Ausmalung der Kirche Oberwil BL von 1936 fiel 1964 einer Innenrenovation zum Opfer. Ein Deckenbild von 1934 in der Pfarrkirche Schübelbach wurde 1976 zerstört. Erhalten geblieben sind die Wandmalereien der Taufkapelle Uznach (1940) und Tuggen (1956).

Anschluss an Avantgarde verpasst

Georg Weber war ein ausgezeichneter, aber konservativer Maler. Er hatte den Anschluss an die Avantgarde verpasst. Im Jahre seiner Heimkehr in die Schweiz, 1911, entstand in München der «Blaue Reiter», eine der fortschrittlichsten Künstlervereinigungen Deutschlands. Vor Georg Weber waren die Schweizer Cuno Amiet und Giovanni Giacometti für zwei Jahre in der bayerischen Hauptstadt. Für sie war dieser Ort lediglich Durchgangsstation. Sie gingen weiter nach Paris, in die pulsierende Kunstmetropole – und kehrten danach, infiziert von der modernen Malerei, in die Schweiz zurück.



March Anzeiger

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

18.08.2009

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schwyzkultur.ch/ZJwigh