Michael Rüttimann in seinem Geigenbauatelier in Rapperswil beim Bau eines Cellos. Bild Irene Lustenberger
Michael Rüttimann in seinem Geigenbauatelier in Rapperswil beim Bau eines Cellos. Bild Irene Lustenberger

Musik

Der Stradivari aus der March

Die Freude am Musizieren und das Arbeiten mit Holz weckten in Michael Rüttimann das Interesse, den Beruf des Geigenbauers zu erlernen. Heute führt der Galgener sein eigenes Atelier in Rapperswil.

Wer Michael Rüttimanns Werkstatt am Engelplatz betritt, sieht sofort, welchen Beruf der Inhaber ausführt. An den Wänden und im Raum präsentiert sich eine Vielzahl von Streichinstrumenten, von der Geige bis zum Kontrabass. Der Galgener Michael Rüttimann widmet sich deren Bau und Restauration. In der zweiten Primarklasse erhielt Michael Rüttimann den ersten Geigenunterricht. Nach der obligatorischen Schulzeit stellte sich für den Galgener die Frage, welchen Beruf er ergreifen wollte. «Da ich schon immer gerne mit Holz gearbeitet habe, entschied ich mich, die Aufnahmeprüfung für die Geigenbauschule in Brienz abzulegen.» Pro Jahr werden nur zwei neue Schüler aufgenommen. Offenbar fehlte beim Märchler nebst Begabung auch das berühmte Quentchen Glück nicht, und er durfte im Berner Oberland die vierjährige Ausbildung zum Geigenbauer absolvieren. Nach dem Abschluss an der einzigen Geigenbauschule der Schweiz folgten mehrere Jahre Mitarbeit in renommierten Geschäften in Berlin und Konstanz sowie Meisterkurse in Italien. Zurück in der Schweiz machte Michael Rüttimann die Meisterprüfung und eröffnete 1995 sein eigenes Atelier in Siebnen. Seit 2002 begrüsst der Galgener seine Kunden nun am Engelplatz in Rapperswil.

«Filetstück, das man finden muss»

Michael Rüttimann stellt seine Instrumente aus ausgewähltem Fichten- und Ahornholz her. «Teilweise suche ich diese selber, teilweise werde ich von Sägereien und Förster beliefert», führt Rüttimann aus. Er wisse, in welchen Regionen es wegen der Bodenbeschaffenheit schönes Holz gebe und suche gezielt dort. «Etwa in der Bödmeren in Muotathal, im Prättigau oder in der Westschweiz», präzisiert der Geigenbaumeister. Bei der Auswahl achtet er auf den Klang und das gleichmässige Wachstum des Holzes. Geflammter Ahorn beispielsweise sei selten. «Das ist sozusagen wie ein Filetstück, das man finden muss», beschreibt der Galgener. Die Bögen aus Rosshaaren und die Saiten aus Lammdärmen oder Stahl stellt Michael Rüttimann nicht selbst her. «Es gibt weltweit nur wenige grosse Anbieter, die Saiten herstellen und verkaufen», so der Ausserschwyzer. Rüttimann baut die Instrumente sowohl auf Vorrat wie auch auf Bestellung. Rund 50 % seiner Arbeit beinhaltet den Bau, der Rest sind Reparaturen und Restaurationen.

Rund 300 Stunden Arbeiten

Eine Violine besteht aus rund 80 Teilen. Normalerweise wird das fertige Instrument lackiert, «wenn aber ein Kunde eine bunte Geige wünscht, wird das Holz übermalt», erklärt Rüttimann. Für eine Geige investiert der Galgener zwischen 250 und 300 Arbeitsstunden, für ein Cello doppelt so viele. Und für einen Kontrabass? «Gute Frage», sagt er lachend. «Ich habe erst einen gebaut und dafür rund 1000 Stunden gebraucht.» Kontrabässe werden oft maschinell in Fabriken hergestellt. Seinem Hobby, dem Geige spielen, ist der Märchler treu geblieben. So ist er seit 16 Jahren Mitglied beim Sinfonieorchester Horgen-Thalwil. Und spielen seine Orchester-Kollegen auf Rüttimann-Instrumenten? «Einige spielen auf meinen Instrumenten», antwortet Michael Rüttimann. Aber das Geschäftliche stehe bei seinem Hobby nicht im Vordergrund, sondern die Freude am Musizieren und dass er Werke spielen könne, die er alleine nicht spielen könnte.

Bis Ende November gibt eine kleine Ausstellung im Seniorenzentrum Brunnenhof in Wangen Einblick in die Arbeit des Geigenbauers Michael Rüttimann.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

31.08.2011

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schwyzkultur.ch/Lp2hwm