Cast und Crew beantworteten letzten Sonntag in der Cineboxx an der Vorpremiere von «Platzspitzbaby» die Fragen der Zuschauer (von links): Moderatorin Bettina Kälin, Luna Mwezi als Tochter Mia, Autorin Michelle Halbheer, Regisseur Pierre Monrad und Delio Malär als Buddy. Foto: Franz Kälin
Cast und Crew beantworteten letzten Sonntag in der Cineboxx an der Vorpremiere von «Platzspitzbaby» die Fragen der Zuschauer (von links): Moderatorin Bettina Kälin, Luna Mwezi als Tochter Mia, Autorin Michelle Halbheer, Regisseur Pierre Monrad und Delio Malär als Buddy. Foto: Franz Kälin

Film

Für die vergessenen Kinder

Vorpremiere von «Platzspitzbaby» in der Cineboxx Einsiedeln in Anwesenheit von Cast und Crew

Ein berührendes Werk rund um die einstige Drogenszene in der Stadt Zürich. CAROLINE KÄLIN Ende der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre entstand in der Stadt Zürich eine offene Drogenszene. Einer der Treffpunkte der Abhängigen war der Platzspitz. Mitten in der Stadt haben dort täglich bis zu 3000 Süchtige Drogen konsumiert, vor allem Heroin. Heute für viele kaum vorstellbar, wenn man sich den schönen Park hinter dem Landesmuseum ansieht. Viele Menschen sind noch immer betroffen von den damaligen Geschehnissen. Dazu gehört auch Michelle Halbheer, die mit ihrer Autobiografie «Platzspitzbaby» einen Bestseller schrieb. Darin beschreibt sie ihre Kindheit als Tochter einer Heroinabhängigen.

Autobiografisch


Diese Geschichte diente Regisseur Pierre Monnard nun als Vorlage für den gleichnamigen Film. In den Hauptrollen sind Luna Mwezi als Tochter Mia und Sarah Spale als Mutter Sandrine. Nach der Schliessung des Platzspitz ziehen die beiden ins Zürcher Oberland. Doch auch da kommt Sandrine nicht von den Drogen los. Sie nimmt Mia sogar mit in die Stadt, wo sie sich mit Dealern trifft. Mia flüchtet sich in eine Fantasiewelt und denkt sich einen imaginären Freund an ihre Seite. Mit ihm singt und spielt sie, wenn die Situation mit ihrer Mutter einmal mehr kaum zu ertragen ist. Ihre grosse Aufgabe ist die Suche nach einem Zuhause. Ist dieses bei Sandrine, die ihrer Aufgabe als Mutter nicht gerecht werden kann, bei ihrem Vater, der auch nicht scheint, als könne er ihr viel bieten, oder ist es die Jugendbande, mit der Mia im Laufe des Films in Kontakt kommt? Der Film kommt sehr bewegend und eindrücklich, aber auch niederschmetternd daher. Man hofft auf ein Happy End, obwohl schnell klar wird, dass es dieses nicht geben wird.

Erkenntnis


Bei der Matinee in der Cineboxx am Sonntagvormittag waren Cast und Crew, Autorin Michelle Halbheer, Regisseur Pierre Monnard und die Schauspieler Luna Mwezi und Delio Malär, anwesend und offen für Fragen. Dabei erklärte Autorin Michelle Halbheer, dass es ihr damals sehr schwer fiel, sich von ihrer Mutter zu lösen. Sie habe aber erkannt, dass es ihrer Mutter erst besser gehen kann, wenn es ihr selbst gut geht. Aus dieser Erkenntnis schöpfte sie neue Selbstliebe. Heute hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter, diese lebe aber noch. Luna Mwezi, die als Mia Michelle Halbheer verkörpert, empfand es als sehr fordernd, die Emotionalität und Dramatik des Themas darzustellen. Sie meisterte ihre Aufgabe aber mit Bravour.

Einsiedler Anzeiger / Caroline Kälin

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

14.01.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/WD7swJ