So präsentiert sich die Milchstrasse über dem Wägital. Bilder Gianni Krättli und Stefanie Graf
So präsentiert sich die Milchstrasse über dem Wägital. Bilder Gianni Krättli und Stefanie Graf
Gianni Krättli
Gianni Krättli

Kunst & Design

Mit Geduld Sterne zum Funkeln bringen

Der gebürtige Galgener Gianni Krättli schlägt sich Nächte um die Ohren und bringt mit seiner Kamera die Milchstrasse zum Leuchten.

Ich habe ein zeitraubendes Hobby», sagt Gianni Krättli und nippt an seiner Cola. Dass er diese Nacht nicht geschlafen hat und direkt zur Arbeit gefahren ist, sieht man ihm kaum an.«Wenn das Wetter stimmt, muss man einfach gehen, auch wenn nachher ein Arbeitstag ansteht.» Der Informatiker hat die Nacht auf einer Wiese am See in Stäfa verbracht und die Milchstrasse über Rapperswil fotografiert. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen,ist die Lichtverschmutzung über der Rosenstadt und dem Seedamm doch beträchtlich. «Für die Astrofotografen sind eigentlich die dunklen Orte die besten», sagt Krättli. Zum Beispiel zuhinterst im Glarnerland. «Wir haben Glarner Kollegen jeweils auf den Arm genommen, das Glarnerland sei ein dunkles Loch. Um Sterne zu fotografieren ist es aber bestens geeignet.» Als einer der dunkelsten Orte der Schweiz gilt Vals. Aber: «Orte, die nur dunkel sind, geben nicht zwingend ein interessantes Bild.» So fotografiert der gebürtige Galgener vermehrt im Wägital oder auf der Sattelegg.

Sorgfältige Planung

Früher haben die Sterne den 31-Jährigen nicht mehr interessiert als andere junge Menschen auch. Bis zu jener Nacht auf Hawaii: Er lag am Strand, blickte in den Nachthimmel und entdeckte zwischen zwei Palmen die Milchstrasse. «Das hat mich gepackt.» Seither klettert er auf Berge,immer auf der Suche nach der perfekten Aufnahme. «Astrofotografie braucht viel Geduld », sagt Krättli, «von der Planung übers Fotografieren bis zum Bearbeiten.» Die Vorbereitung nimmt viel Zeit in Anspruch. So spielt die Mondphase ebenso eine Rolle wie die Jahreszeit. Das Zentrum der Milchstrasse ist in unseren Breitengraden nur in den «warmen» Monaten zu sehen. Wesentlich ist aber das Wetter. Der Informatiker hat die Homepage von MeteoSchweiz immer offen, so sieht er, wo und wann die Verhältnisse gut wären, um die Milchstrasse fotografisch einzufangen. Aber manchmal kommt es anders: Mit rund 19 Kilo Gepäck – Kameras, Objektive, Star Tracker, um die Erdrotation einzufangen, Stativ und Zelt – stieg Krättli einmal im Glarnerland auf einen Berg, in der Vorfreude auf einen wunderschönen Sternenhimmel. Aber er wurde von einem Unwetter mit Hagel überrascht – ohne Bilder, durchnässt und durchfroren, kehrte er am anderen Morgen ins Tal zurück. Wenigstens ist die Ausrüstung heil geblieben.

Einsam in der Dunkelheit

«Am beeindruckendsten waren diejenigen Orte, an denen keine Menschenseele anzutreffen war. Nur meine Kamera und ich in der Einsamkeit», so der Astrofotograf. Mit der Natur in Einklang zu sein,und natürlich gelungene Bilder sind für ihn Entschädigung für «Entbehrungen». Er erzählt, wie sich in der Dunkelheit die Aufmerksamkeit verstärkt, das Gehör sensibilisiert wird. «Man beginnt, überall Sachen zu hören, hier ein Knacken, dort ein Rascheln oder ein Schlurfen.» Er schildert, wie ihn einmal während des Frühstücks ein Hirsch besuchte. Manchmal wird aus der Einsamkeit auch mal nichts: So, als er am Stellisee das Matterhorn fotografieren wollte und ihm plötzlich 50 Leute «Gesellschaft» leisteten. Oder wie er auf Hawaii bei den Mauna Kea Observatories auf 4200 Metern Höhe – ein Treffpunkt für Astronomen und Astrofotografen – einen platten Reifen wechseln musste. «Das ist erstaunlich anstrengend», so Krättli. «Und bei Null Grad und 100 km/h Wind kommt kein Hawaii-Feeling auf.»

Landschaften und Städte

Er erzählt auch vom Warten auf den richtigen Augenblick. «Nach ein paar Stunden hast du kalt, dann beginnt es dich anzuöden … und plötzlich ist es ‹en cheibe› Stress, bis das Bild stimmt.» Wenn sich die Milchstrasse zeigt, muss es schnell gehen. «Die Versuche sind begrenzt, in dieser Jahreszeit bleibt einem nur etwa eine halbe Stunde Zeit, im Sommer hat man dann schon länger Zeit.» Mittlerweile muss Gianni Krättli nicht mehr alleine auf den richtigen Augenblick fürs ultimative Foto warten: Seine Freundin Stefanie Graf begleitet ihn, ebenfalls mit Kamera. Wer Gianni Krättlis Homepage besucht, stellt schnell fest, dass ihn Landschaften und Städte

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

04.05.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/TFdSUY