Teuflischer Genuss. Amüsiert beobachtet Frau Düvell den Streit zwischen Markus Walther und Hermann Stutz, die sich «Lahmarsch» und «Stinkefinger» schimpfen. Bild Nadja Tratschin
Teuflischer Genuss. Amüsiert beobachtet Frau Düvell den Streit zwischen Markus Walther und Hermann Stutz, die sich «Lahmarsch» und «Stinkefinger» schimpfen. Bild Nadja Tratschin

Bühne

Zwischen Hörnern und Flügeln entscheidet nur ein Komma

An der Premiere von «Irgendwo im Nirgendwo » applaudierten die 150 Besucher mehr als fünf Minuten lang.

Erdnüsse, Gummibärchen, Salzchips, Popcorn, Schokoladenkekse, Weisswein, Mineralwasser und Schweppes standen zuhauf auf einem kleinen Tischchen für die Spieler bereit, als ich bei einer der letzten Proben Backstage auf Kearn Baggenstos alias Markus Walther wartete. «Das ist immer so, das ist unsere Nervennahrung », erklärte er grinsend. Was vor der Premiere noch alles dazugekommen ist, weiss ich nicht. Nötig gewesen wäre es so oder so nicht. Alle Spieler behielten bis zum letzten Satz «Der hat mir der Himmel geschickt» die Nerven. Alle Spieler verkörperten ihre Rolle bestens. Nebst Markus Walther kamen auch Herr Engelen (Hasi Ott) und Frau Düvell (Adelheid Weber) im Publikum sehr gut an. Herr Engelen ganz besonders dann, wenn er mit einem seiner trockenen Sprüche aufwartete oder einmal mehr eine höllisch heisse Grillwurst verspeiste. Die Premiere ging ohne Versprecher, rollentreu, zunehmend auf Tempo und mit viel Leidenschaft und Humor über die Bühne.

Rolle sofort erkannt

«Schon als uns unser Regisseur Karl Nemes das Stück vorgestellt hatte, wusste ich, dass Markus Walther die Rolle ist, die am besten zu mir passt. Auch im richtigen Leben ist es nicht immer klar, auf welcher Seite man steht», sagte Kearn Baggenstos schmunzelnd. Am Anfang des Stücks trat er noch etwas zögerlich auf, während des Stücks kam er aber immer mehr auf Touren und ging in seiner Rolle förmlich auf. Ab dem Zeitpunkt, kurz vor Ende des ersten Akts, als Markus Walther in der Wohnung seiner Freundin auf deren Vater traf und realisierte, dass dieser der «Lahmarsch » ist, der ihn kurz vor seinem Unfall hupend und drängelnd überholt hatte, ging im Stück die Post ab. Schlag auf Schlag realisierte Markus Walther, dass in der Familie seiner Freundin sein Schwiegervater seine Schwiegermutter betrog, ebenso seine Schwägerin ihren Mann. Dabei noch uneingeschränkt während 24 Stunden die Wahrheit sagen zu müssen, führte zu mächtigem Knatsch. Zuletzt entscheidet aber ein Komma über die Fortsetzung seines weiteren Lebens oder Todes im Himmel oder in der Hölle. Himmlisches Ende oder teuflische Küche?

Bote der Urschweiz (Nadja Tratschin)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

26.10.2015

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www.schwyzkultur.ch/biHiJw