Freuen sich über den Erfolg des Buches: Die beiden Herausgeber Andreas Schenker (links) und Heinrich Geisser. Bild: Silvia Camenzind
Freuen sich über den Erfolg des Buches: Die beiden Herausgeber Andreas Schenker (links) und Heinrich Geisser. Bild: Silvia Camenzind

Dies & Das

Zweite Auflage für Camenzind-Buch

«Vom Rigi in die Mandschurei» heisst das kommentierte Buch mit Texten des Gersauer Schriftstellers Josef Maria Camenzind. Am Freitagabend fand die Vernissage statt.

Die Idee zum Buch «Vom Rigi in die Mandschurei» ist im Nachgang zur Realisierung des Camenzind-Stüblis im Museum des Alten Rathauses geboren. Bereits bei der Gestaltung des Stüblis war Andreas Schenker, Basel, beteiligt. Er ist zusammen mit seinem Schwager Heinrich Geisser Herausgeber des Auswahlbandes mit Texten des Innerschweizer Literaturpreisträgers Josef Maria Camenzind. Kurz vor der Vernissage im Alten Rathaus, die von rund 70 Personen besucht wurde, war der Druck einer zweiten Auflage nötig. Wie Schenker erklärte, habe ein grösserer Einkauf des Bezirks Gersau zum relativ gutenAbsatz beigetragen.

Viel Hintergrundwissen

Die beiden Herausgeber haben im Vorwort des Bandes die Biografie Camenzinds nachgezeichnet. Sie haben sie mit Anekdoten untermalt und die Auswahltexte in drei Erzählkreise eingeteilt. So sind im Band autobiografisch gefärbte Erzählungen enthalten, Geschichten aus der Dorfgeschichte und Erzählungen aus seiner missionarischen Heimat. Dank des Kommentars gewinnen die Texte an Spannung. Man erfährt, unter welchen Umständen Camenzind schrieb, wie die Befindlichkeit des Schriftstellers – ein Mann mit ausgeprägter Sensibilität – war und wie sich die politische Lage in und ums Land damals präsentierte. Mit diesem Hintergrundwissen liest man dieTexte vertiefter und wird vielleicht gar animiert, mehr von Josef Maria Camenzind zu lesen.

Präsenation durch Heinrich Geisser

Beste Werbung dafür machte an der Buchpräsentation Heinrich Geisser. Er schöpfte aus dem Vollen, führte temperamentvoll durchs Werk und zeigte einen weltoffenen, weit gereisten, gläubigen Menschen: «All seine Bücher sind durchdrungen von einer grossen Heimatliebe.»

Doppelquartett sang «Mys Dörfli»

Umrahmt wurde die Vernissage mit Musik des Gersauer Musikers Benno Ammann, Vetter und Klassenkamerad von Josef Maria Camenzind. Eingangs war es das Stück «Stimme des Berges», nach dem gleichnamigen Roman von Camenzind. Zum Abschluss sang ein Doppelquartett aus den Gersauer Chören «Mys Dörfli». Josef Maria Camenzind sandte diesen Text 1934 an BennoAmmann, welcher die Melodie dazu komponierte.

Die Vergangenheit des Dorfes

Helmut Thomke betreute den Band redaktionell. Er gab zum Schluss der Vernissage die Hoffnung weiter, Camenzind möge in der Schule von den Kindern gelesen werden, damit sie von der Vergangenheit des Dorfes erfahren. In Josef Maria Camenzinds lebendigen Erzählungen kann man beispielsweise erfahren, wie er als kleiner Junge für die Kommissionen zum Bäcker, Metzger und Krämer geschickt wurde, und wie im Wirtshaus «Schäfli» der Bäcker Balz, der Spengler Johann, der Schuhmacher Xaveri und der Nachtwächter Baschi Meinungsverschiedenheiten austrugen.

Camenzind der Stubenhocker

Josef Maria Camenzind wurde am 27. Februar 1904 in Gersau geboren. Er verlor mit vier Jahren seinen Vater und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Schule arbeitete er kurze Zeit in der Seidenfabrik, bis er 1918 Aufnahme im Institut Bethlehem in Immensee fand. Dort besuchte er das Gymnasium und wurde 1931 zum Priester geweiht. Camenzind, der sich in erster Linie der Seelsorge verpflichtet fühlte, stand Zeit seines Lebens «nur im Innendienst», sodass er sich selber als Stubenhocker bezeichnete. Am 19. September 1984 starb Josef Maria Camenzind nach langjähriger Krankheit in Immensee.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

28.09.2009

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schwyzkultur.ch/Q1s5a6