Guido Caminada bei seinem 1999 geschaffenen Werk «Mondo Gioia», welches seit 2002 in Gersau steht. Bild Andreas Seeholzer
Guido Caminada bei seinem 1999 geschaffenen Werk «Mondo Gioia», welches seit 2002 in Gersau steht. Bild Andreas Seeholzer

Kunst & Design

Ein Feuertanz von Caminada

Am 1. August zeigt der Künstler Guido Caminada im Park Aktionskunst: Ein Paar aus Eisen legt einen heissen Tanz hin.

In seinem Atelier im Tessin hat Guido Caminada zwei vier Meter hohe Stahlkörper geschaffen. Zusammen bilden sie ein Paar, das tanzt. Das Skelett der Tänzer hat er aus Baueisen zusammengeschweisst, mit Feuerholz gefüllt und mit in Wachs getränkter Holzwolle ausgestopft. Schliesslich wurden sie mit Draht eingebunden und bekamen eine Haut aus Juteband. Die Figuren hat er mittlerweile im bezirkseigenen Lager in Gersau verstaut. Heute beginnt er mit dem Aufbau im Park. Die beiden Stahlmenschen werden auf einer rund 20 Meter langen Installation stehen – einer Landschaft mit verschiedenen Ebenen und vertrockneten Bäumen. In der Nacht des 1. August werden die Figuren entfacht: Durch Feuer sollen die beiden Figuren zum Leben erweckt werden, tanzen und sich im grossen, dreidimensionalen Bild bewegen.

Kein Tanz auf dem Wasser

Eigentlich plante Caminada, den Feuertanz auf dem Wasser zu zeigen, «brennende Stahlfiguren auf den Spiegelungen der Wasseroberfläche hätten den Tanz sehr lebendig aussehen lassen». So weit wird es nun trotz aller umwelttechnischer Vorbereitungen nicht kommen: Die feuerpolizeilichen Auflagen waren zu hoch. Nichtsdestotrotz will Caminada seine Figuren «als Geschenk an Gersau» tanzen lassen, «leider nicht auf dem Wasser, dafür im Park». Er habe früher viel mit Eis gearbeitet, «in Arosa die grösste Eisskulptur geschaffen». Für Gersau habe er sich im Zusammenhang mit der 200-Jahr-Feier etwas Besonderes ausgedacht. «Nach den Arbeiten mit Eis habe ich entschieden, etwas mit Feuer zu machen.» Caminada verbindet den Tanz mit der brennenden Figur. Tanzen wird verschieden definiert: Ritual, Brauchtum, darstellende Kunstgattung, Berufstätigkeit, Sportart, Therapieform oder schlicht ein Gefühlsausdruck. Aber auch das Verbrennen oder Anzünden von Gegenständen ist verbreitet. Im USBundesstaat Nevada endet jährlich ein kreatives Künstler-Festival mit dem Verbrennen einer überdimensionalen menschlichen Statue – des «Burning Man». Das Festival ist nicht nur eine grosse Kunstausstellung, sondern auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und eine grosse Party. Bei uns ist der brennende Mann ebenfalls ein Teil der Kultur: Das Blätzverbrennen ist tief in Schwyz verhaftet. Wie Hans Steinegger aus Schwyz sagt, sei das Verbrennen des Blätzes ein mittelalterliches Feuerritual ohne heidnischen Ursprung. Das Verbrennen einer Figur habe immer etwas mit einem Abschluss und damit einem Neuanfang zu tun. So schreibe Werner Metzger: «Für die Entwicklung solcher Brauchformen mag die mittelalterliche Rechtsauffassung ausschlaggebend gewesen sein, wonach alles Gottferne, Ketzerische und Teuflische im Feuer zu vernichten sei.» Caminada will seinen Feuertanz nicht interpretieren, dies liegt alleine beim Betrachter.

Caminada – ein halber Gersauer

Guido Caminada ist in Gersau bekannt. Erstmals in das Dorf am See kam er durch den Künstler Hausi Zbinden. Caminadas bevorzugte Arbeitsmaterialien sind Bronze, Eisen, Stein und Holz. Er malt auch Bilder. Oft wird der Tessiner Künstler darauf angesprochen, dass seine Figuren eine gewisse Ähnlichkeit mit jenen des Schweizer Bildhauers, Malers und Grafikers Albert Giacometti aufweisen. «Ich schätze Giacometti sehr, das Schlanke, in die Länge gezogene», sagt Caminada. Ein Unterschied ist ihm jedoch wichtig: «Während die Figuren von Giacometti immer etwas traurig und statisch sind, sind meine fröhlich und in Bewegung.» Der Feuertanz in Gersau dürfte je nach Wind und Wetter rund eine halbe Stunde dauern. Beginn des Spektakels ist, sobald es genug dunkel dafür ist. Wenn es regnet, muss der Feuertanz auf ein anderes Datum verschoben werden.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

02.08.2014

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