Literatur

Der «Sänger von Gersau» kommt wieder

Heinrich Geisser und Andreas Schenker-Geisser geben gemeinsam ein neues Buch von Josef Maria Camenzind heraus.

Mit seinem Roman «Schiffmeister Balz», in welchem er den Einfall der Franzosen in die Urkantone und den Untergang der freien Republik Gersau schildert, hat sich Josef Maria Camenzind zum «Sänger von Gersau» gemacht. Dieses Buch, das als Beitrag an die «geistige Landesverteidigung» betrachtet werden kann, ist interessanterweise 1941 erstmals in einem deutschen Verlag und dann letztmals vor genau zwanzig Jahren in der damaligen DDR erschienen, kurz vor dem Mauerfall. Seither ist auch keiner seiner anderen bekannten und beliebten Titel wie «Mein Dorf am See», «Die Stimme des Berges», «Europa im Dorf», «Majestäten und Vaganten» oder «Ein Stubenhocker fährt nach Asien» wieder neu aufgelegt worden.

Texte mit Erläuterungen
Nun erscheint in der Reihe «Schweizer Texte, Neue Folge» unter dem Titel «Vom Rigi in die Mandschurei» eine Auswahl der in einem spannenden, lebensnahen und humorvollen Erzählstil gehaltenen Texte aus dem Lebenswerk dieses Dichters und Priesters mit kurzen Erläuterungen von Andreas Schenker und Heinrich Geisser. Andreas Schenker war auch massgeblich an der Gestaltung des Josef-Maria-Camenzind-Stüblis im Alten Rathaus in Gersau verantwortlich.

Nicht nur die kleine Welt
Camenzinds früheste Erzählungen knüpfen mit ihren Jugenderinnerungen an die Tradition der schweizerischen Dorfgeschichte des 19. Jahrhunderts an und stellen vor allem seinen Heimatort ins Zentrum des Geschehens. Zudem erzählt Camenzind, der nicht nur für die kleine Welt seines Dorfes einen Sinn hat, wie Fremde in Gersau und Gersauer in der Fremde bereits im 19. Jahrhundert eine Orientierung nach dem europäischen Ausland vermittelt haben.Diese Offenheit für die Welt lässt ihn auch in das von Kriegswirren, Banditenunwesen und Naturkatastrophen heimgesuchte Nordostchina eintauchen, wo seine Mitbrüder der Missionsgesellschaft Bethlehem und Ingenbohler Schwestern seelsorgerisch und vorbehaltlos humanitär wirken.
Camenzind war einer der letzten Vertreter einer Erzähltradition, die sich noch an eine kirchlich verwurzelte, von multimedialem Literaturbetrieb nicht beeinflusste Leserschaft richtet. Seine Werke sind darüber hinaus lesenswerte Zeitdokumente.
Camenzind, Josef Maria: Vom Rigi in die Mandschurei: Eine Textauswahl.
Schenker, Andreas; Geisser, Heinrich (Hg.). Zürich: Chronos, 2009 (Schweizer Texte, Neue Folge: Band 30). – 256 S. 12 Abb., ISBN 978-3-0340-0959-1.

Bezug beim Tourismusbüro Gersau, bei Ihrer Buchhandlung oder beim Chronos Verlag, Eisengasse 9, 8008 Zürich.
Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

18.06.2009

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schwyzkultur.ch/HHHxPQ