Rolf Habisreutinger erwarb mehrere Stradivaris, sechs dieser wertvollen Instrumente sind seit 1964 in der Stradivari-Stiftung Habisreutinger vereint. Bild: PD
Rolf Habisreutinger erwarb mehrere Stradivaris, sechs dieser wertvollen Instrumente sind seit 1964 in der Stradivari-Stiftung Habisreutinger vereint. Bild: PD

Musik

Stiftung veranstaltet selber keine Konzerte mehr

Am Stradivari-Fest vom Wochenende findet eine Hommage an den Stifter Rolf Habisreutinger statt.

Bereits zum fünften Mal findet seit Mittwoch das Stradivari-Fest in und um Gersau statt. Maja Weber vom Stradivari-Quartett – sie spielt selber eine Stradivari – hatte damals die Idee zu diesem Fest und fand Unterstützung bei Gersau Tourismus und beim Bezirk Gersau. Das Fest wurde rund um das traditionelle Stradivari-Konzert aufgebaut, das jeweils am letzten Julisonntag um 17 Uhr in der Pfarrkirche Gersau stattfindet. Sein Reiz sind die besonderen Spielorte wie Seebühne, Nauen oder das Rütli. Gersau kam vor 35 Jahren zu diesem Highlight, weil Rolf Habisreutinger, ein Ostschweizer Textilindustrieller, der nicht nur gerne Rallye fuhr, sondern auch Sammler von Stradivari-Instrumenten war, in Gersau einen Alterssitz suchte und fand. Sechs Instrumente hat er in einer Stiftung vereint. Sie stehen nach eingehender Prüfung jungen Musikerinnen und Musikern zur Verfügung. Rolf Habisreutinger wollte sie nicht in einen Safe sperren, vielmehr wollte er junge Talente fördern. Die Instrumente sollen gespielt und gehört werden. Einmal im Jahr auch an seinem Wohnsitz Gersau. So kam es zu den Stradivari-Konzerten und im Alten Rathaus zu einem Ausstellungsraum, der die Stradivaris zum Thema hat.


Sitz der Stiftung konnte nie nach Gersau verlegt werden


Ziel und Wunsch von Rolf Habisreutinger war es, dass der Sitz seiner Stiftung von St. Gallen nach Gersau verlegt wird. Das hat auch nach seinem Tod im Jahr 1991 trotz juristischer Bemühungen nicht geklappt. Es gelang auch Meinrad Camenzind nicht, der von Habisreutinger persönlich zum Nachfolger bestimmt worden war. Heute ist Curdin Coray, Basel, Präsident der Stiftung Habisreutinger. Und es besteht kein Interesse mehr, den Sitz der Stiftung nach Gersau zu verlegen. Er sagt auf Anfrage: «Wir haben unser Zentrum in St. Gallen, und wir sind kein Konzertveranstalter. Die Instrumente sind in Zukunft nicht mehr in Gersau.» Künftig wird es von der Stradivari-Stiftung Habisreutinger aus keine Stradivari-Konzerte mehr in der Pfarrkirche Gersau geben. Dass es nun am Sonntag, 28. Juli, nochmals gelingt, ein letztes Mal fünf Stradivari-Meisterinstrumente in einem Konzert zu vereinen, ist Maja Weber vom Stradivari-Quartett und dem Bezirk Gersau zu verdanken. Sie haben die Stiftung angefragt, mit Erfolg. So kommt es nun zum Abschluss des Stradivari-Fests am Sonntag um 17 Uhr dazu, dass in der Kirche bei freiem Eintritt nochmals fünf Stradivari-Instrumente der Stiftung gemeinsam erklingen werden. Das Programm eröffnet das einzige Streichquartett von Giuseppe Verdi, welches zwei Tage nach der Uraufführung seiner Oper «Aida» in privatem Kreise uraufgeführt wurde. Danach erklingt als weiteres Highlight Franz Schuberts Streichquintett. Der im Alter von gerade mal 31 Jahren verstorbene Komponist erlebte die Uraufführung seines berühmten Streichquintetts nicht mehr.


Konzert ist ein Dank der Musiker


Maja Weber und ihre Mitmusiker verstehen das diesjährige Stradivari-Konzert auch als Dankesbekundung an den Stifter Rolf Habisreutinger sowie an den Unternehmer Meinrad Camenzind und seine Frau Marlis. Camenzind präsidierte die Stiftung über dreissig Jahre bis zu seinem Tod. Der aktuelle Präsident der Stiftung, Curdin Coray, weilt zurzeit in den Ferien. Er kann am Konzert in Gersau nicht teilnehmen, erklärte aber, dass zwei Stiftungsratsmitglieder an diesem letzten Konzert anwesend sein werden. Maja Weber konnte in ihrem Stradivari- Quartett bis vor zwei Jahren mit vier Stradivaris auftreten, seit zwei Jahren sind es noch zwei. Das Quartett habe die Instrumente sehr lange spielen können, meint Curdin Coray. Auch sie werden bald zurückgegeben werden müssen. Maja Weber spielt das Cello Bonamy Dobree aus dem Jahr 1717, ihr Mitmusiker Xiaoming Wang die Geige Aurea, von Antonio Stradivari im Jahr 1715 erbaut.


Bote der Urschweiz / Silvia Camenzind

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

25.07.2019

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