Musiker und Abendstimmung im Einklang auf der Seebühne Gersau. Bild: Pius Amrein
Musiker und Abendstimmung im Einklang auf der Seebühne Gersau. Bild: Pius Amrein

Musik

Unvergessliche Musik an besonderen Orten

Konzerte an Orten mit besonderer Kulisse machten das Stradivari-Fest zum Hochgenuss.

Neben dem Programm machen naturnahe Schauplätze das Stradivari-Fest, das gestern zu Ende ging, so besonders. Aber auch wetterabhängig. Initiatorin Maja Weber und Gersau Tourismus hatten für Ausweichorte gesorgt, doch das Wetter spielte mit. Zum Kerzenlichtkonzert am Donnerstag gab es nur kurze Windstösse, die den von vielen Wäscheklammern gehaltenen Noten nichts anhaben konnten. Maja Weber spielte zwei Solo-Suiten von Johann Sebastian Bach. Eine immense Leistung, die sie problemlos und mit Bravour meisterte. Die vielen Zuhörer, die durch den Wald herunteroder aufgestiegen waren, wurden auf der mit Kerzen geschmückten Wiese vor der Kindli-Kapelle mit Bachs Musik umgeben. Zuerst dominierte ein laut zwitschernder Vogel das Klanggeschehen, nach dem ersten Prélude der Suite für Violoncello-Solo Nr. 3 in C-Dur überliess er aber ganz der Cellistin das Feld.

Fünf musikalische Delikatessen

In kühler Luft, mit Begleitung von Wellengeplätscher, hatte die Musik ihren ganz eigenen Reiz. Speziell eindrücklich war «Echos & Reflexionen» von Alfred Felder. Der in Luzern geborene Cellist und Komponist komponierte im Auftrag von Maja Weber eine Klangreise zur Sarabande aus der Suite Nr. 5 in c-Moll, die wehmütig, zart und geheimnisvoll in den dunklen Himmel stieg. Am Freitag gab es im Parkhotel Vitznau ein Naturschauspiel. Ein farbenprächtiger Sonnenuntergang fesselte die vielen Besucher beim Apéro nach dem Konzert im am See gelegenen Hotelgarten. Das Konzert fand aus wetterbedingter Vorsicht im Verlinde-Saal im Hotel statt. Das Stradivari-Quartett spielte seine Klangqualitäten in der «Italienischen Serenade» von Hugo Wolf aus: Mit exquisiter Leichtigkeit schwangen sich die Töne in den hohen Raum. Als fünf «Delikatessen» bezeichnete Bratschist Lech Antonio Uszynski die fünf Stücke von Erwin Schulhoff. Xiaoming Wang, Maya Kadosh, Lech A. Uszynski und Maja Weber charakterisierten die sehr unterschiedlichen Sätze ideal: Wiener Charme, gewürzt mit Ironie, die «Serenata» mit romantischer Note, vehement «Alla Czeca», Tango-Feeling in krassen Dissonanzen und «Alla Tarantella » mit rasantem Tempo, ein Parcours zwischen Jazz und Hexentanz. Das durch den zweiten Satz berühmte «Kaiserquartett» von Joseph Haydn nahm dann den Sonnenuntergang musikalisch vorweg. Lichte Klänge, wunderbar verschmelzend, wechselten mit zupackend orchestraler Rhythmik. Die Variationen über «Gott, erhalte Franz den Kaiser» stiegen hell und himmelsnah auf. Das Menuett klang wieder ganz irdisch, und das Presto schien mit weichen Kantilenen und wilden Triolenläufen Berge und See nachzuzeichnen. In der Zugabe, Astor Piazzollas «Adios Nonino», zeigte das Stradivari- Quartett seine grandiose Bandbreite nochmals eindrucksvoll.

Bote der Urschweiz /Gerda Neunhoeffer

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.07.2020

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schwyzkultur.ch/H5yvHs