Film

Der Alphorn-Flüsterer auf Youtube: Handwerk erobert das Netz

Der Goldauer Filmemacher Alain Hospenthal begeistert auf Youtube und im TV ein Millionenpublikum.

Es ist ein Dreiteiler, das jüngste filmische Werk des Goldauer Dokumentarfilmers Alain Hospenthal. Es ist wieder solides altes Handwerk, das er facettenreich festgehalten hat. Dieses Mal steht das Schweizer Nationalinstrument, das Alphorn, im Zentrum. Er besuchte die älteste Alphorn-Manufaktur der Schweiz. Aber: Wie holt der Schwyzer das alte Handwerk ins Wohnzimmer? «Es beginnt oft mit einer zufälligen Begegnung, einem gesprächigen Moment auf einer Vereinsreise mit dem hiesigen Kulturverein oder einem Tipp aus der Region», sagt Alain Hospenthal. So stand Hospenthal einst vor dem Leiternmacher Alois Diethelm und fragte schlicht, ob dieser Lust auf einen Film habe. «Seine Zusage legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, wie sie im digitalen Zeitalter selten ist. Der Film über die Holzleiternproduktion ergatterte 1,8 Millionen Likes, während die dazugehörigen Youtube- Shorts sagenhafte 12 Millionen Aufrufe generierten», sagt der Goldauer.

Was als Hobby eines leidenschaftlichen Kulturschaffenden begann und bleibt, entwickelte sich über fünf Jahre hinweg zu einem organisch gewachsenen Phänomen. Der Erfolg verpflichtete ihn, weitere Filme zu produzieren. Ob der Zithernbauer Fredi Heinzer, ein klassischer Hufeisenschmied oder die traditionelle Holzschuhherstellung am Wasserberg – Alain Hospenthal fängt ein, was im Zeitalter der Massenproduktion verloren zu gehen droht. Dabei schaut der Filmer genau hin. Als er die Herstellung eines Alphorns dokumentieren wollte, winkte er ab, als er in Luzern auf zu viel moderne CNC-Technik stiess. Erst bei der Familie Bachmann in Eggiwil im Entlebuch, der ältesten Alphornmacherei überhaupt, fand er die urwüchsige Faszination, nach der er suchte. Ein knappes Jahr lang begleitete er die traditionelle Entstehung des Schweizer Nationalsymbols mit der Kamera. 

 

Videos werden auf der ganzen Welt geschaut

Diese Akribie zahlt sich aus. Neben Partnerschaften mit regionalen TVSendern wie Tele 1 und Telebärn, die zwischen 300’000 und 400’000 Zuschauer auf dem Land erreichen, gehen Hospenthals Werke weltweit durch die Decke. Ein Short über das Holzhandwerk Alphorn knackte am ersten Tag die Tausendermarke und explodierte tags darauf auf 3,5 Millionen Aufrufe. Seine hochauflösenden 4K-Dokumentationen flimmern dabei in den USA, im Iran, im Irak, in Europa und der Schweiz über die Smart-TV-Bildschirme. «Es ist dieses Holzhandwerk, das meine Nutzer anspricht. Youtube befruchtet auch meine anderen Kanäle wie Facebook, Tiktok und so weiter», sagt der Goldauer. «Reich werde ich davon nicht. Leben lässt es sich nicht von den Filmen, aber ich habe die Gewissheit, dass ich doch im wachsenden digitalen Archiv diese kostbaren Traditionen für die Ewigkeit erhalte», so der Goldauer. Das Geheimnis hinter dem Erfolg ist handwerkliche Präzision vor und hinter der Linse. Hospenthal verzichtet konsequent auf künstliche Scheinwerfer und stellt sich mitten in den Arbeitsalltag der Handwerker. Er filmt authentisch bei vorhandenem Licht, ohne den Betriebsablauf zu stören. «Die wahre Knochenarbeit folgt anschliessend am Schnittplatz zu Hause: Wiederholungen werden rigoros gestrichen, der Spannungsbogen konstant hochgehalten. Das ist das Erfolgsrezept.»

 

Bote der Urschweiz / Erhard Gick

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Bote der Urschweiz

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  • Film

Publiziert am

03.08.2026

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