Anna Baumann inmitten der 800 Jahre alten Balken: Die Tierparkdirektorin glaubt nicht an ein Revival der «Villa Schlopp». Bild Andreas Seeholzer
Anna Baumann inmitten der 800 Jahre alten Balken: Die Tierparkdirektorin glaubt nicht an ein Revival der «Villa Schlopp». Bild Andreas Seeholzer

Dies & Das

Haus Nideröst wird nie mehr stehen

Das Haus Nideröst – ältestes Holzhaus Europas – wird nicht mehr aufgestellt. Die Kosten dafür wären zu hoch.

Das Haus Nideröst von 1176 wird nicht mehr aufgebaut. Zwar liegt es zurzeit eingelagert in einer Halle des Tierparks Goldau, «die Kosten, um das Haus wieder aufzustellen, wären aber derart hoch, dass ich persönlich nicht daran glaube», sagte Tierparkdirektorin Anna Baumann gestern vor Ort. Im Masterplan desTierparks für die Jahre bis 2020 ist das Haus Nideröst jedenfalls nicht berücksichtigt.

Bis 2020 sicher nicht aufgestellt

«Bis 2020 wird das Haus sicher nicht aufgestellt», so Baumann, «was danach geschieht, entscheidet der Stiftungsrat.» Baumann glaubt aufgrund der Kosten und der schlechten Bausubstanz, dass das Haus Nideröst liegen bleibt. «Die Idee, ein altes Schwyzer Haus in unseren Haustierpark zu integrieren, finde ich sehr gut», so Baumann weiter, «ich denke jedoch, dass man ein Haus in besserem Zustand finden könnte oder gar einen Nachbau in Betracht ziehen wird.»

800 Jahre Geschichte am Boden

Für das Haus Nideröst ist dies in seiner über 800-jährigen Geschichte der Todesstoss. Das Haus war ursprünglich im kantonalen Inventar der geschützten und schützenswerten Bauten und Objekte (Kigbo). Damit der ehemalige Besitzer des Hauses im Schwyzer Hinterdorf für seine Kinder bauen konnte, wurde das Haus aus dem Inventar entlassen und abgebaut. Der Schweizerische Heimatschutz und verschiedene Schwyzer forderten den Erhalt des «ältesten Holzhauses Europas». Diesen Kreisen wurde von der Schwyzer Regierung zugesichert, dass das Haus an einem anderen Standort wieder aufgestellt werde.Als Standort war die Ital-Reding-Hofstatt vorgesehen. Dazu ist es jedoch nie gekommen. 2004 wurde das Haus nochmals aufgebaut, um die tatsächlich vorhandene Bausubstanz offenzulegen. Vertreter des Brienzer Freilichtmuseums Ballenberg inspizierten die Baustelle, lehnten aber ab. Das Haus auf e-bay anzubieten, fand der damalige höchste Schwyzer Denkmalpfleger Fritz Huwyler nicht opportun.Als Hort der Geschichte trat schliesslich die Morgarten-Stiftung auf – die Schwyzer Regierung wollte sich mit Kosten von 480 000 Franken am Wiederaufbau beteiligen. Diese Beteiligung versandete jedoch und endete damit, dass der Kanton auf Sponsorensuche ging – leider erfolglos.

Tierpark als Retter

Der Tierpark kam schliesslich zum Zug, man wollte das Haus in den geplanten Haustierpark integrieren. Doch die Umsetzung des Parks verzögert sich, eine Finanzierung für den Wiederaufbau fehlt, und die Balken sind in schlechtem Zustand. Bereits beim Abbruch im Hinterdorf war klar, dass mehr als ein Drittel der 800 Jahre alten Balken nicht mehr verwendet werden können. Zudem hat das Bauwerk 2004 durch den Wiederaufbau zu Studienzwecken gelitten. Nun liegt das Haus am Boden.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

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  • Dies & Das

Publiziert am

30.12.2010

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schwyzkultur.ch/HeBQcw