Frühling auf Rigi First. Bilder pd
Frühling auf Rigi First. Bilder pd
«Steiner Lieni»
«Steiner Lieni»
Seelisberg
Seelisberg

Kunst & Design

Seine Bilder sind eigentlich zu kostbar …

Er wurde «Steiner Lieni» genannt und könnte am Samstag, 24. Januar, seinen 100. Geburtstag feiern: der Goldauer Maler Leonhard Steiner.

Als ich Steiner Lieni kennenlernte, hatte er sein Vieh verkauft. Er war nur noch Maler. Er konnte die Zeit des immer Daseins für die Tiere hinter sich lassen, war endlich frei, wie er sagte … Getroffen habe ich ihn im Spätherbst 1984 zum ersten Male, am Fluhberg an der Rigilehne oberhalb Goldau, im obersten Heimwesen, Haus und Stall unter einem Dach. Seine Ausstrahlung, sein ganzes Umfeld, in dem er lebte, das zeit seines Lebens auf wenige Quadratkilometer beschränkt war, das er aber in seiner ganzen Tiefe erfasste und in sich aufnahm, seine persönliche Wohnsituation, all das hat mich vom ersten Augenblick an interessiert.

Ohne Wasser und Strom

Irgendeinmal, ich schätze es dürfte Anfang der Vierzigerjahre gewesen sein, bildete sich eine Kluft zwischen dem Fluhberg und Goldau. Diese Kluft teilte Zeit und Welt. Während sich die Welt diesseits rasant veränderte, blieb sie jenseits dieser Kluft stehen. Veränderungen jenseits gab es praktisch keine. Die Zeit des fliessenden warmen und kalten Wassers im Haus erreichte Lieni nie. Keine Stromleitung fand den Weg zum Fluhberg, Kerze und Petrollampe spendeten genügend Licht. Mehrmals habe ich diese Kluft überwunden, fuhr zu ihm und zugleich zurück an den Anfang des 20. Jahrhunderts. Nie hat bei ihm die Zeit jene Geschwindigkeiten erreicht, bei denen gestrafft oder gedrosselt, umstrukturiert und abgebaut werden musste. Bei ihm, da gab es den Sommer, den er liebte, der ihm ein paar Ferientage in Gersau ermöglichte. Der Herbst mit seinen inspirierenden Farben. Der Winter hart und unbeliebt, das mühsame Heizen im Kachelofen, wenns ganz kalt wurde, als Zusatz mit dem Petrolofen, so 17 Grad warm könne er dann halten tagaus. Und schliesslich die Freude über den Frühling, auf dem Fluhberg erst Anfang April, das langsame Erwärmen des Hauses durch die Sonne, das Erwachen der Blumen, der Drang zum Schaffen neuer Werke.

Erste Ölbilder

Die ersten Ölbilder von Steiner tauchen um 1952 auf. Zum ersten Mal in die Öffentlichkeit trat Steiner 1955 auf mit dem Bild «Schöner Wintertag auf Rigi-Klösterli» an der 8. Schweizerischen Ausstellung «Alpine Kunst in Solothurn». 1957 beteiligte er sich an der dritten Weihnachtsausstellung der Innerschweizer Künstler in Luzern. An der Ausstellung Innerschweizer Kunst in Freienbach 1959 beteiligte sich Steiner mit drei Bildern. In Arth im Restaurant Sternen trat er 1966 zum ersten Male alleine auf mit 52 Bildern. Peter Dalcher aus Zug schrieb dazu im «Vaterland »: «Übrigens sind die Werke käuflich. Und mir scheint, dass der Kanton und die Gemeinde die Gelegenheit nutzen sollten, ein derart wahres Zeugnis eines der ihrigen zu erwerben. Leonhard Steiner wünschen wir die Ruhe und Sicherheit, seinen eigenen Weg ungestört weiterzugehen.» Auch ausserhalb des Arther Talkessels wurde man auf Steiner aufmerksam.

Ausgestellt in Zug und Zürich

1969 konnte er sich in der Galerie Peter und Paul in Zug mit rund 30 Bildern präsentieren. Zurück in der engeren Heimat stellte Steiner 1971 rund 60 Bilder im Gewerbeschulhaus in Goldau aus. 1975 trat er mit 30 Bildern in Zürich in der Galerie + Beiz Palme vor ein staunendes Publikum. In der Einladung wurde vermerkt, man solle pünktlich erscheinen, es werde eine recht kurze Pressekonferenz geben, da Steiner wieder möglichst rasch nach Hause zu seinem Vieh müsse. 1988 wurden im Rathaus Arth einige Bilder von ihm ausgestellt. Später im Jahre 1991 beteiligte er sich an einer Gruppenausstellung auf Rigi Kulm mit vier Bildern. Bei der Auswahl des Malgrundes war Lieni nie wählerisch. Was zur Hand war, wurde verwendet. Einmal besuchte ich mit ihm ein Einkaufszentrum, um richtig aufgezogene Leinwände fürs Erste einmal zu besichtigen und um später eventuell eine zu erstehen. Die Blicke der Verkäuferin lagen auf uns, auf dem ungleichen Gespann, aus verschiedenen Zeiten von verschiedenen Welten. Er mit Schuhen, um voralpine Landschaften zu durchstreifen, ich mit Turnschuhen, um über geteerte Strassen zu spazieren. Sein Segelstoff-Rucksack aus

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

20.01.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/Pjue9q