Ralph Zünd im Studio in Goldau vor seiner Bandmaschine, auf die er so stolz ist, die Studer A80MK1. Bild Nicole Auf der Maur
Ralph Zünd im Studio in Goldau vor seiner Bandmaschine, auf die er so stolz ist, die Studer A80MK1. Bild Nicole Auf der Maur

Musik

Musikstudio geht ganz neue Wege

Agieren statt den Kopf in den Sand stecken: Dies sagte sich Ralph Zünd und erfand sein Musikstudio neu. Er bietet jetzt Live-Recordings unter Studio bedingungen an.

Bisher einzigartig in der Schweiz ist die Idee von Ralph Zünd in seinem Musikstudio in Goldau. Statt den üblichen Aufnahmetage für eine Platten-Produktion gibt es bei ihm nun Live-Recoding-Sessions inklusive Publikum zu buchen. «Mein Ziel war es, die Distanz vom Musiker zum Zuhörer auf Null zu reduzieren», sagte er und gründete «straight2tape», ein neuartiger Live-Recording-Event. Konkret heisst dies, dass jede Band, die Live-Erfahrung hat, im 2Inch-Records-Studio eine solche Session buchen kann, an der eine Platte analog auf Band eingespielt wird. Die Musiker müssen dafür kein Geld beisammen haben, sie müssen ausschliesslich Tickets anFreunde, Bekannte und Interessierte verkaufen. Diese wiederum dürfen einen aussergewöhnlichen Tag im Studio verbringen. Jeder, der ein Ticket kauft, kann wählen, neben welchem Musiker er während der Live-Recordings-Session sitzen will. Während den Pausen kann mit den Musikern über die Aufnahme diskutiert und gefachsimpelt werden. «Die Musik soll wieder ein Erlebnis werden. Musik und Musiker sollen den verdienten Stellenwert erhalten», sagt Ralph Zünd. Der Zuschauer könne live miterleben, wie eine LP auf die Welt komme. «Dies in einem professionellen Studio live mitzuerleben, ist normalerweise unmöglich», sagt Zünd.

CD-Taufe zum Schluss

Die Platte wird in zwei Live-Sessions (Seite A und Seite B der Schallplatte) analog aufgenommen und gemischt. Auch die Weiterverarbeitung im Mastering oder in der Plattenherstellung ist ausschliesslich analog – wie es die Beatles und Elvis Presley kannten.«Kein einziger Computer ist während des Prozesses vom Mikrofon bis zur fertigen LP im Einsatz», sagt Zünd, «am Schluss müsse er die ausgewählten Takes gar mit dem Fettstift markieren, mit einer Rasierklinge trennen und mit Spezialklebeband wieder korrekt miteinander verbinden.» Man könne sich quasi einen Abend lang ins Jahr 1971 zurückversetzt fühlen. Denn in diesem Jahr kam die legendäre Bandmaschine Studer A80MK1, mit welcher die «straight2tape»-Sessions aufgezeichnet werden, auf den Markt. Pink Floyd war die erste Gruppe, die mit der Studer A80 16-Spur-Maschine in den Abbey Road Studios produzierte. Für Bands gibt es zwei Möglichkeiten einen «straight2tape»-Event zu buchen: je eine mit 60 Zuschauern und eine mit 120 Zuschauern. Bei der zweiten Variante werden zwei gleichwertige Durchläufe gemacht. Vor der Session gibt es einen Apéro, zwischen den Sessions Grilladen und Beisammensein. Nach den Aufnahmen wird die Platte getauft und gemeinsam auf dasWerk angestossen. Das Vinyl wird einige Wochen später aus dem Presswerk kommen und nach Vorbestellung nach Hause geliefert – mit einem Downloadcode versehen, damit man die Platte auch digital hören kann. Die Band erhält ausserdem Videos der Session. Aus dem Videomaterial könnten Musikvideos entstehen. Man sieht die Musiker beim Einspielen der Songs und die Emotionen der Zuhörer.

Spannende Herausforderung

Für Ralph Zünd ist «straight2tape» eine spannende Herausforderung. Seine 20-jährige Live-Erfahrung als Mischer an diversen Konzerten (unter anderem Caroline Chevin, Nori Rickenbacher, Marco Rima) kommt ihm jetzt zugute. «Ich freue mich enorm auf dieseEvents, vor allem weil sie roh sind, direkt und ohne doppelten Boden.» In der Musikindustrie muss ein Umdenken stattfinden. Das Business kränkelt. Ausser MP3-Plattformen macht niemand mehr das grosse Geld. Ralph Zünd kam in eine Sinnkrise. «Ich konnte mich auf nichts mehr verlassen, was einmal war», sagte er. Ralph Zünd konnte aber diesem Umstand etwasGutes abgewinnen. Die durchwegs positiven Reaktionen auf seine neuste Erfindung – auch von seiten der nationalen Musikbranche –machen grosse Hoffnung.

Firmenevent mit Lieblingsmusiker

Ein weiterer Schritt sind Firmenevents, die RalphZünd in seinem Studio organisieren möchte. Er wird ein Portfolio an Bands und Musikern zusammenstellen. Dies ermöglicht den Firmen, einfach und unkompliziert ihre Band zu wählen und dann live dabei zu sein, wenn die «eigene» Firmen-Schallp

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

11.01.2017

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schwyzkultur.ch/YB5ZxB