Die Hauptprotagonisten, welche das Bilderbuch möglich machten, von links: Franziska Bachl (Roche Diabetes Care), Sibylle Suter (Zeichnungen), Monika Fassbind-Kälin (Text) und Gery Kälin (Druck). Bild WernerBösch
Die Hauptprotagonisten, welche das Bilderbuch möglich machten, von links: Franziska Bachl (Roche Diabetes Care), Sibylle Suter (Zeichnungen), Monika Fassbind-Kälin (Text) und Gery Kälin (Druck). Bild WernerBösch

Literatur

Erstmals ein Kinderbuch zum Diabetes Typ 1

Die in Gross aufgewachsene Monika Fassbind-Kälin wohnt mit ihrer Familie auf Rigi-Staffel und kennt den Diabetes sehr genau. Zusammen mit der Einsiedlerin Sibylle Suter veröffentlicht sie nun ein Kinderbuch über die Zuckerkrankheit.

Den 6. Februar 2013 wird die Mutter und ausgebildete Kindergärtnerin Monika Fassbind nicht so schnell vergessen: Ihre damals dreijährige Marina musste mit Blaulicht ins Kinderspital gefahren werden, wo die Diagnose lautete: Diabetes Typ 1. Für die Eltern war es wichtig, Marina positiv auf ihr Leben mit Diabetes Typ 1 vorzubereiten und ihr behilflich zu sein, möglichst unbeschwert damit umgehen zu können. Altersgerechte Informationen suchte man vergeblich, weshalb aus der Not die Idee entstand, ein Bilderbuch zu schreiben. Gesagt  getan! In der Person von Sibylle Suter, ihres Zeichens auch Kindergärtnerin, begnadete Zeichnerin und Scherenschnitt-Virtuosin, fand sie eine Kollegin, welche spontan zusagte und schon bald mit ersten Zeichnungen zum Buch «Anna und der grosse Durst» aufwartete.

Einfach erklärt

Das 43 Seiten umfassenden Kinderbuch kommt farbenfroh, toll aufgemacht und mit treffenden Illustrationen daher. Anna, so heisst die Hauptperson im Buch, stellt sich und ihre Bergbauern-Familie vor und erzählt, wie sie da mals viel trank, zugleich aber ständig müde war, bis man im Krankhaus die Diagnose «Diabetes Typ 1» überbrachte. Dieser Typ kommt auch bei jungen Menschen, sogar bei Babys, vor. Man schätzt in der Schweiz rund 10'000 betroffene Kinder unter 16 Jahren. Die Ursachen sind unbekannt, die Heilung ist unklar, Diabetes wird zum lebenslangen Begleiter.

Was genau aber ist Diabetes? Essen und Trinken sind unser Kraftstoff. Der Motor sind die Zellen, der Schlüssel zu diesen Zellen heisst Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse hergestellt wird. Bei Kindern mit Diabetes Typ 1 funktioniert diese Insulinproduktion nicht, der Zucker bleibt im Blut; ohne den Schlüssel weist das Blut zu viel Zucker auf. Der Körper aber braucht das Insulin, welches per Spritze (Pen) oder mit einer Pumpe abgegeben wird. Anna hat jetzt eine Pumpe, die am Gurt befestigt ist. Sie muss messen, wie viel Zucker im Blut ist, was mit dem Blutzuckermessgerät und einem Piekser in den Finger passiert. Dann wird die notwendige Menge Insulin durch einen dünnen Schlauch in den Körper gepumpt. Damit erhält der Zucker im Blut den Schlüssel, mit dem er die Türen zu den Zellen öffnet. Bei einer Unterzuckerung ist «schneller Zucker» wie Traubenzucker oder Sirup wichtig. Das Motto heisst: Mehr Zucker  mehr spritzen, weniger Zucker  weniger spritzen, Gemüse  nicht spritzen. Anna weiss, dass ein Blutzuckerwert von 4 bis 8 mmol (Millimol) in Ordnung ist.

Wichtig ist für Anna, dass das Blutzuckermessgerät und Traubenzucker immer dabei sind, regelmässig gemessen und die Insulinpumpe getragen wird. Das Umfeld sollte wissen, was bei «Alarmsignalen» zu tun ist. Wenn Anna älter ist, sollte sie mit ihrem Diabetes ganz selbständig umgehen können.

Auf offene Ohren gestossen

Bevor das Buch in einer Auflage von 1000 Exemplaren in den Druck ging, suchten die Autorinnen  zusammen mit Gery Kälin von der Druckerei Franz Kälin AG  den Kontakt zur Firma Roche Diagnostics AG in Rotkreuz. Franziska Bachl, Marketing-Verantwortliche von Diabetes Care, zeigte sich von Beginn weg begeistert von dieser Idee. «Eine wunderbare Sache», fügt sie bei. Und sie meint, dass damit eine wichtige Lücke punkto einfacher und kindsgerechter Vermittlung von Diabetes Typ 1 «gestopft» sei. Kommt hinzu, dass pro Jahr rund 200 bis 300 Neudiagnostizierte hinzukommen, die nebst Eltern, Lehrpersonen, Diabetes-Fachschwestern und Praxen von Diabetologen Zielgruppen dieses Buches sind. Das Bilderbuch soll denn auch gezielt von Roche abgegeben und nicht verkauft werden. Franziska Bachl denkt, dass mit der Verteilung von «Anna und der grosse Durst» in etwa vier Wochen begonnen werden kann. Allen Beteiligten kann man zu dieser grossartigen Idee und der hervorragenden Umsetzung herzlich danken und gratulieren.

Einsiedler Anzeiger (wb)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

24.02.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/rPXTMS