Musik
Herrlich gespielte Musik
«Zämä» heisst das Zauberwort dieses Konzerts am Abend des Bettags. In der Jugendkirche bieten die beiden Vereine, der Orchesterverein Einsiedeln und das Blasorchester Feldmusik Bennau, miteinander ein eindrückliches Konzerterlebnis. «Finlandia» und «The second Waltz» sorgen für den krönenden Abschluss.
Auf der Suche nach spannenden, unkonventionellen Klangkombinationen haben der Orchesterverein Einsiedeln und das Blasorchester Feldmusik Bennau beschlossen, ein gemeinsames Konzert «in der stimmungsvollen Atmosphäre der Jugendkirche » durchzuführen. Wenn der Schreibende ein wenig in die Vergangenheit zurückschaut, versteht er problemlos, weshalb dieser gemeinsame Auftritt so speziell sein soll. Doch aus musikalischer Sicht findet er dieses Miteinander nicht besonders «speziell». Denn «zämä» spielen ist eine Willenssache.
Die Bennauer haben sich bezüglich musikalischer Qualität überhaupt nicht zu verstecken und dürfen getrost mit einem Streichorchester zämä-spielen. Das «noble» Orchester hat sich spätestens seit der Stabführung von Michi Mächler zu einem umgänglichen, leistungsstarken Orchester entwickelt, das mit einem kompakten Grundklang aufwartet. Es ist eine echte Freude, diesem Orchester zuzuhören! Zudem findet man in den Reihen beider Vereine recht «viele neue, insbesondere jüngere» Mitspieler. Wenn das nicht erfreulich ist! So halten es nicht nur die beiden Vereine, sondern auch die zahlreichen Besucher mit Johannes Borner: «Wir geniessen zusammen die Musik!»
Das Sinfonieorchester
Programmmässig wartet der Orchesterverein Einsiedeln zwar mit herkömmlichen Werken auf – Brahms, Dvořák, Fauré, Sibelius. Doch findet man in dieser Liste nicht die «typischen» Klassiker. Die Wahl ist auf spannende Werke gefallen. Unter der ruhigen, bestimmten Leitung von Michi Mächler stellen sich die rund 50 Musiker mit dem herrlichen Slawischen Tanz Nr. 8 von Antonín Dvořák vor. Schwungvoll, leicht – ein Tanz. Und viel Dynamik. Der Orchesterverein begeistert die zahlreichen Besucher gleich zu Beginn. Mit der «Pavane, Op. 50» von Gabriel Fauré geht es weiter. Eigentlich ist eine Pavane ein höfischer Tanz vergangener Zeiten. Faurés Werk hat Titel und den Grundrhythmus entlehnt, es ist keine Kopie, er hat sein eigenes Opus geschaffen. Zarte und gut ausgestaltete Motive, gefühlvoll von zupfenden Bässen begleitet, verwöhnen unsere Ohren. Herrlich, dieser Klang!
Ob das gutkommt? Ansagerin Lilian Steiner kündigt Trinklieder an, die Brahms zur «Akademischen Festouvertüre» bearbeitet hat. Insbesondere erinnert «Gaudeamus igitur!», das Lied aller Studentenlieder, an vergangene Studentenfeste in Einsiedeln. Doch Brahms hat diese in kunstvoller Weise zu einer festlichen, ja feierlichen und würdigen Ouvertüre verarbeitet. Kraftvolle Tutti und vor allem die Bläsermotive sorgen für Glanz.
Das Bennauer Konzertprogramm
Auch die Feldmusik Bennau war-tet nicht mit einem landläufig traditionellen Blasmusikprogramm auf. Die vier Nummern passen hervorragend in einen Kirchenraum und zu diesem Konzertrahmen. Die musikalische Leitung hat Thierry Rau inne. Er führt ebenfalls gekonnt und ruhig seine ebenfalls rund 50 Musiker durch die Klippen moderner Blasmusikwerke. «Descanso Eterno» von Ferrer Ferran erinnert an die Semana Santa, die «ewige Ruhe» des Spaniers wirkt wie ein Prozessionsmarsch, den die Bennauer mit guter, kompakter Grundstimmung präsentieren. Dabei sind schöne Nebenlinien zu den Hauptmelodien auszumachen. Schade haben die Bennauer nicht die Streichbässe des Orchestervereins für dieses Werk zugezogen. Das hätte den schon an sich weichen Klang noch zarter gemacht.
Für «Lux Aurumque» von Eric Whitacre, wieder ein zeitgenössischer Komponist, legt Rau den Stab zur Seite, um seine Musikantinnen und Musikanten mit seinem gefühlvollen Dirigieren zum feinen Musizieren anzuspornen und so die «sehr sanfte Klangatmosphäre» zum Wirken zu bringen. «S’isch äbe-n-e Mönsch uf Ärde» zählt zu den ältesten überlieferten Schweizer Volksliedern. Thomas Rüedi ist eine herrliche Bearbeitung gelungen. Auch hier wirkt das gefühlvolle Musizieren im Wechselspiel kraftvoller Tutti und sorgt für eine herrliche Klangstudie. Bearbeitungen für Blasmusik von Richard Wagner wirken naturgemäss in einer Kirche. Das ist auch mit «Elsas Prozession zur Kathedrale» aus Lohengrin nicht anders. Wirkungsvoll musizieren die Musiker, man kann sich diesen Brautzug bestens vorstellen.
«Zämä» musizieren
Dann füllt sich der Chor. Die rund 100 Mitwirkenden versammeln sich rund um den Altar und laden ein zum gemeinsamen Spiel der «Finlandia», der wohl bekanntesten Kompositionen von Jean Sibelius. Dieses Werk, das schon bei der sinfonischen Fassung viele Blechbläser verlangt, ist bestens für das Zusammenspiel eines Streichorchesters mit einer Blasmusikformation geeignet. Und das Abstimmen von Klang und Lautstärke – «die grösste Herausforderung» – ist gut gelungen.
Da der Schreibende die «Finlandia » von der Blasmusikversion her kennt, flippt er bei die-ser Interpretation ein wenig aus. Was dort die Klarinetten bringen, liefern diesmal die Streicher, die Notizen: «die Streicher, so herrlich » oder «der Tutti-Streicherklang grossartig». Und dazu Ansagerin Lilian Steiner treffend: «Musik sagt mehr als Worte».
Das absolute Highlight ist allerdings die Zugabe, die das Gesamtorchester nach dem riesig langen Applaus anhängt. Kein Marsch, ein Walzer! «The second Waltz» von Dmitri Schostakowitsch – bis zum letzten Ton gepflegt gespielt, welch grossartige Idee mit diesem Stück aufzuhören! Mit dieser süffisanten Melodie im Ohr geht es leise pfeifend nach Hause.
Einsiedler Anzeiger / René Steiner
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Einsiedler Anzeiger
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