Erfolgreiche Premiere der Bühne 66: Jeder Hotelgast verlässt das Hotel zu den zwei Welten durch den Lift und nur durch Aufforderung und Begleitung von Doktor S. und den beiden Wesen. Bilder: Stefan Zürrer
Erfolgreiche Premiere der Bühne 66: Jeder Hotelgast verlässt das Hotel zu den zwei Welten durch den Lift und nur durch Aufforderung und Begleitung von Doktor S. und den beiden Wesen. Bilder: Stefan Zürrer
Verzweifelt bricht Julien Portal zusammen, weil er glaubt, Laura seine Liebe zu spät gestanden zu haben.
Verzweifelt bricht Julien Portal zusammen, weil er glaubt, Laura seine Liebe zu spät gestanden zu haben.

Bühne

Warten aufs Leben oder den Tod im Hotel zu den zwei Welten

Erfolgreich präsentierte die Bühne 66 die fast ausverkaufte Premiere von «Hotel zu den zwei Welten», einem denkwürdigen und zum Denken anregenden und nachhallenden Stück.

«Wo bin ich?», fragte Julien Portal, als er ganz verdutzt aus dem Lift stieg und das Hotel zu den zwei Welten betrat. Zwei Wesen, wohl Engel, schwebten um ihn herum. In Gedanken redend forderten sie ihn dazu auf, sich zuerst in seinem Zimmer auszuruhen. Kurze Zeit später lernte Julien in der Hotel-Lobby Präsident Delbec, Magier Radschapur und Putzfrau Marie Martin kennen. Alle drei erzählten ihm von ihren letzten Erinnerungen. Marie erlitt einen Herzinfarkt, Delbec erwischte ein Fahrradfahrer, Radschapur ist zuckerkrank. Langsam dämmerte es Julien, dass alle Gäste eigentlich Komapatienten sind und hier im Gang F wie Freiwillig, Gang U wie Unfall oder Gang K wie Krankheit auf den Entscheid ihres Schicksals warteten und eigentlich schon tot sind. Alle Gäste erfuhren jeweils nur durch Doktor S., wann sie in den Lift einsteigen und entweder zurück auf die Erde fahren oder endgültig in den Himmel hochsteigen dürfen.


Schicksalswandlung durch die Macht der Liebe


Während Julien im ersten Akt noch voller Verzweiflung ist, zu fliehen versucht und keineswegs an ein Leben nach dem Tod glaubt, vollzieht er bis zum zweiten Akt eine komplette Wandlung. Er verliebt sich in Laura, eine Komapatientin, die bereits zum zweiten Mal im Hotel zu den zwei Welten zu Gast ist. Sie wünscht sich nichts mehr als geliebt zu werden und erwidert seine aufrichtige Liebe. Ob die beiden, wie gewünscht, gemeinsam zurück auf die Erde dürfen, bleibt ein Geheimnis des Stücks. Regisseur Zälli Beeler und allen Mitwirkenden ist es geglückt, dieses anspruchsvolle, wortreiche und philosophische Stück fürs Publikum eingängig und fesselnd darzustellen. «Alle Schauspieler schafften es, ihre Rolle so zu spielen, als ob sie das jeweilige Schicksal eigens erlebt hätten. Dies war zugleich die grösste Herausforderung », gestand Regisseur Beeler. Für die Rolle von Laura holte Beeler mit Jolanda Pfyl eine neue Schauspielerin auf die Bühne. Zu Recht, denn ihr Auftritt und ihre Art, die Rolle zu verkörpern, wirkten vollends überzeugend und authentisch.


Bote der Urschweiz / Nadja Tratschin

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.04.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/Xw5aua