Die Tischrunde wartet auf Giulia und betrachtet derweil die Zeichen der Schönheitsoperation hinter Alessias (Barbara Schilligers) Ohr. Bild Roman Holdener
Die Tischrunde wartet auf Giulia und betrachtet derweil die Zeichen der Schönheitsoperation hinter Alessias (Barbara Schilligers) Ohr. Bild Roman Holdener

Bühne

Das Älterwerden kann sehr witzig sein

«Bühne 66» spielt die Komödie «Giulias Verschwinden» – eine höchst amüsante Persiflage zeigt, wie man über sich selber lachen sollte.

Vor drei Jahren hat das Ensemble letztmals auf seiner Hausbühne in Ibach gespielt (Arthur Miller: «Tod eines Handlungsreisenden »). Dann wurde für 2020 «Giulias Verschwinden» geprobt, verschoben, für 2021 wieder geprobt, wieder abgesagt und jetzt gespielt. Entsprechend ist die Spielfreude überaus gross und hat voll auf die Inszenierung durchgeschlagen. Endlich, endlich wieder Bühnenluft – und erst noch eine wirblige Komödie. Dieser aufgestauten Bühnensehnsucht kommt entgegen, dass die «Bühne 66» dieses Jahr mit einem ungewöhnlich grossen Ensemble von 24 Schauspielerinnen und Schauspielern antritt. Zusammen mit dem Film- und Produktionsteam sind rund 50 Personen beteiligt. Eine Crew, die kaum ein Laientheater zusammenbringt.

Alle Klischees des Älterwerdens bedient


«Giulias Verschwinden» klingt zuerst wie ein Krimi-Titel, ist aber eine überaus wirblige, witzige und sehr amüsante Komödie, welche das Älterwerden thematisiert. Geschrieben als Drehbuch für den gleichnamigen Film (2009), hat Erfolgsautor Martin Suter hier ein Kabinettstück von Unterhaltung abgeliefert. Suter ist natürlich ein hervorragender Beobachter und lässt auch in der Bühnenfassung kaum ein Klischee aus, was mit dem Älterwerden oder dem Altsein zu tun hat. Das Suchen nach der Brille, Gewichtsprobleme, Haarausfall und Vergesslichkeit, Midlife-Attitüden, Altersmarotten, die Laktoseintoleranz oder Schönheitswahn, Homöopathie, Jugendwahn – alles wird herrlich durch den Kakao gezogen. Nicht nur die Midlife-Generation ist Zielscheibe in dieser Komödie, auch die Szenen im Altersheim oder die Sicht der Teenager auf «alte» 30-Jährige sind enorm gut. Situationskomik und Slapstick sind allgegenwärtig. Plötzlich nach der Pause kippt aber die Handlung und biegt zeitweise in eine Seitenstrasse ein. Dann geht es echt um Gesundheit und Lebenssinn, und genau da entdeckt der sich amüsierende Zuschauende, dass ja auch er gemeint sein könnte. Der Autor zeigt, dass mit Humor und Gelassenheit die Welt besser zu ertragen ist. Im Publikum funktioniert dann plötzlich bezogen auf das Alter der Grundsatz: «Je mehr Ü, umso lustiger».

Mobiles Bühnenbild lässt schnelle Wechsel zu


Die Inszenierung wird stark getragen von der Ensembleleistung als Ganzes. Ein sehr starker Bestand von erfahrenen Darstellerinnen und Darstellern bildet das Rückgrat: etwa im Techtelmechtel von Julia (Maria Nobs) und John (Kurt Feubli) oder dann sehr überzeugend am Gästetisch (Adalbert Spichtig, Bernd Pfeiffer, Barbara Inderbitzin, Markus Meyer, Urs Kündig, Barbara Schindler) oder am Altersheimtisch mit Léoni als zentraler Figur (Monika Betschart). Es ist förmlich spürbar, wie sich alle in diesen komödiantischen Rollen pudelwohl fühlen. Als roten Faden lässt Regisseurin Ruth Feubli-Walker einen Saxofonisten durch die Szenen ziehen. Damit wird auch vom Umbau der unzähligen Bühnenbilder abgelenkt. Diese sind – sehr clever – mobil installiert und schnell auswechselbar. Auch die Idee, per Videoeinspielung das Publikum in die Thematik einzuführen und am Schluss wieder zu entlassen, ist sehr geschickt. Zusammenfasst: Die «Bühne 66» hat eine sehr gute Stückwahl getroffen, spielt die Komödie überaus lustig und witzig, was Szenenapplaus und viele Lacher bestätigen. Unser Tipp: absolut sehenswert.

Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

25.04.2022

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www.schwyzkultur.ch/E1eQD5