Auch Unbekanntes und Witziges veröffentlicht: Die Autorin des Buches «Victorinox – die Messermacher von Ibach», Heidy Gasser, zusammen mit Carl Elsener sen. (links) und Carl Elsener jun. an der Buchvernissage. Archivbild Christoph Jud
Auch Unbekanntes und Witziges veröffentlicht: Die Autorin des Buches «Victorinox – die Messermacher von Ibach», Heidy Gasser, zusammen mit Carl Elsener sen. (links) und Carl Elsener jun. an der Buchvernissage. Archivbild Christoph Jud

Literatur

Victorinox - Die Messermacher von Ibach

Jeder im Talkessel Schwyz kennt sie oder glaubt zumindest, sie zu kennen: die Familie Elsener und deren Firma Victorinox. Ein vor Kurzem erschienenes Buch mit dem Titel «Victorinox – die Messermacher von Ibach» lüftet auch Unbekanntes und Witziges.

Im Zentrum des Buches, das von der Obwaldner Schriftstellerin Heidy Gasser geschrieben worden ist und als dritter Band der von der Albert Koechlin Stiftung lancierten Reihe «Innerschweiz auf dem Weg ins Heute» vor wenigen Wochen erschienen ist, stehen die Lebenserinnerungen des heutigen Seniorchefs Carl Elsener (1922) und seines Sohnes, Juniorchef Carl Elsener (1958).

KurzweiligerEinblick

Das 124 Seiten umfassende Buch gibt einen lesbaren und kurzweiligen Einblick in die 125-jährige Geschichte des Ibächler Familienunternehmens. Mehr noch vermittelt es Einsichten in die Unternehmensphilosophie des Ibächler Traditionsunternehmens. Eine Philosophie, die geprägt ist von der unermüdlichen, präzisen und bescheidenenArbeitsweise der Unternehmerfamilie selbst, gepaart mit dem grossen Respekt vor der eigenen Belegschaft. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.

Butter gabs nur am Sonntag

Der heute 87-jährige Carl Elsener sen., der die dritte Generation in der Victorinox repräsentiert, erinnert sich an die bescheidenen Verhältnisse, in denen die damals bereits erfolgreiche Unternehmerfamilie in seiner Kindheit lebte. Die Wohnstube diente zugleich als Büro der Eltern. Es gab kein Bad, und die Toilette hatte keine Wasserspülung. Der Boden eines Schlafzimmers hatte über zehn Zentimeter Gefälle und das Buchhaltungszimmer war so niedrig, dass der hochgewachsene Buchhalter Adolf Suter kaum darin stehen konnte. Carls Onkel Walter Gut übernahm dessen Stelle ab 1931. Zum Glück sei er kleiner gewesen, sodass er sich ungehindert bewegen konnte. Bald zog die Familie in das renovierte Haus an der Schützenstrasse, wo der Komfort besser war. Trotzdem ging es in alter Einfachheit weiter. Butter aufs Brot gab es nur am Wochenende.

ErsterLuftschutzkeller der Schweiz

Der Vater des Seniorchefs, der meistens eine Siebzig- bis Neunzigstundenwoche bewältigte, gründete bereits 1928 eine eigene Betriebssparkasse, und als er Mitte der Dreissigerjahre nach einer Reise durch Deutschland zurückkehrte, war er äusserst besorgt und sprach von drohendem Krieg. Aus diesem Grund liess er den ersten Luftschutzkeller der Schweiz errichten, in dem die ganze Belegschaft (immerhin damals schon rund 80 Mitarbeiter) Platz fand.

Günstige Strompreise ausgehandelt

Geschäftstüchtigkeit zeichnete Seniorchef Carl Elsener schon in jungen Jahren aus. So schlug er seinem Vater vor dem Neubau von 1943 vor, mit dem Elektrizitätswerk Schwyz günstige Strompreise auszuhandeln. Dieser Einsatz des Zwanzigjährigen beeindruckteAlfred Heussi vom EWS so sehr, dass er der Firma Victorinox weitgehend entgegenkam. Und der Steuerverwaltung in Bern konnte er belegen, dass die Victorinox vor dem Krieg fast nichts verdient hatte. Die Steuerverwaltung hatte ein Einsehen und erliess der Firma fast die gesamte Kriegsgewinnsteuer. Der Victorinox ging es besser und besser, auch der internationale Erfolg trug dazu bei.

Seniorchef hilft beim Abladen

Die Familie aber lebte weiter in Bescheidenheit. Und als Carl Elsener in den Fünfzigerjahren eine Familie gründete, wohnten sie zwölf Jahre lang in einer Dreieinhalbzimmerwohnung, 1965 zu acht. Sie hatten nie einen Fernseher und fuhren nicht Auto. Bis zu seinem 86. Altersjahr fuhr der Seniorchef täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und trug denselben blauen Kittel wie seine Arbeiter. So verwundert es nicht, dass ihn einesTages ein auswärtiger Chauffeur ansprach und darum bat, beim Entladen seines Lastwagens zu helfen. Selbstverständlich war Elsener dazu bereit.

«Ein ungestümer Lausbub»

Schon früh im Betrieb angepackt hat – wie übrigens alle in der Familie – auch der heutige Juniorchef Carl Elsener. Aufgefallen war er als Kind vor allem den damaligen Angestellten aber als «ungestümer Lausbub, der dauernd Streiche ausheckte». So erinnert sich der pensionierte Personalverantwortliche Hans Bünter, dass Carl Elsener jun. als Vierjähriger mit Kriegsgeschrei, Militärkappe und Holzbajonett durch die Fabrik stürmte. Er wurde von Bünter f

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

27.10.2009

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schwyzkultur.ch/CGZcQj