Ikonen sind gemalte Glaubensbekenntnisse. Pater Joseph Braun zeigt zwei seiner Werke. Bild: Edith Meyer
Ikonen sind gemalte Glaubensbekenntnisse. Pater Joseph Braun zeigt zwei seiner Werke. Bild: Edith Meyer

Kunst & Design

Er malt Ikonen fürdie Ewigkeit

Ikonenmaler Pater Joseph Braun stellt seine neuen Werke
im Missionshaus Bethlehem aus. Für die Betrachter werden die Bilder zu einem Ort des Gebetes.

Pater Joseph Braun trägt weisse Stoffhandschuhe, während er seine Ikonen behutsam anfasst, um die Ausstellung einzurichten. Früher wirkte der 75-Jährige jahrelang in Sambia. Hier, im Missionshaus, lebt er mit 40 Brüdern und Priestern. Und hier hat er mit dem Malen von Heiligenbildern der Ostkirchen eine neue Berufung gefunden. «Man muss ein gläubiger Mensch sein, wenn man Ikonenbilder malt», betont Pater Joseph Braun. Der Künstler malt nach historischen Vorlagen aus Russland oder Griechenland.

Jeder Pinselstrich muss sitzen

«Eine Ikone schreibt man. Nach vorgegebenen Regeln und Farben», erklärt Pater Braun. Dazu braucht es Präzision und viel Wissen. Der Immenseer thematisiert ins einen Werken Christus, die Muttergottes Maria, Erzengel, Heilige und biblische Geschichten. In jeder Ikone symbolisiert Gold die Farbe des göttlichen Lichts. Als Malgrund nimmt Pater Braun eine Lindenholzplatte, die er mit Kreidengrund grundiert. «Zum Vergolden verwende ich 23,75 Karat Blattgold», erklärt Pater Braun. An einer Ikone arbeite er bis zu 40 Stunden mit einer besonderen Maltechnik. Die Farben rührt er mit natürlichen Farbpigmenten, Eigelb und Wasser an. «Das Ei steht als Zeichen für die Auferstehung und das ewige Leben.» Die Farben spielen eine zentrale Rolle. So ist auf einer Christus-Ikone das Untergewand rot und das Obergewand grün. «Damit wird farblich die Glaubensaussage gemacht, dass Christus Gott und Mensch zugleich ist», sagt Pater Braun. Rot steht für göttlich, Grün für irdisch. Das Besondere an der Ikonenmalerei ist, dass es keine Schatten in den Bildern gibt.«Der Name des Malers oder der Malerin darf nicht auf die Ikone geschrieben werden.» Umso wichtiger ist es, dass die Ikone mit griechischen oder kyrillischen Buchstaben beschriftet wird. «Nicht der Maler erschafft die Ikone, sondern die Heilige Schrift», betont Pater Braun. Darum sei für ihn die Ikonenmalerei eine Liturgie und Meditation. Pater Braun spricht immer ein spezielles Gebet von Dionysius vom Berge Athos vor dem Ikonenschreiben. Was wird gebetet? «Zum Beispiel: Vergib deinem Feind, bevor du malst, se inicht neidisch auf das Resultat deines Nachbarn. Erhebe deine Augen zum Himmel während des Malens und danke Gott, dass er dir die Gabe gegeben hat – Ikonen neu zu malen.» Damit versetze man sich in einen würdigen Zustand während des Malens. Manchmal hört er auch orthodoxe Gesänge während der Arbeit. Für Pater Braun ist klar, dass Ikonen eine heilsame Wirkung aufden Betrachterhaben. «Sie schenken Zuversicht, innere Ruhe und Freude.»

Wie ein Fenster zum Himmel

Ikonen werden als Verbindungen zwischen dem irdischen und dem himmlischen Reich angesehen, als Fenster zum Himmel, vor denen die Menschen beten. «Sogar ein Protestant hat einmal eine Marien-Ikone von mir gekauft», erzählt Pater Braun voller Freude.

Ikonensegnung mit Weihrauch und Chrisam

Ihm sei es wichtig, dass jedes Werk gesegnet werde. Während der Ikonen-Weihe wird das Bild mit Weihwasser besprengt, mit Weihrauch beräuchert und mit Chrisam-Öl gesalbt. «Dann erhält die Ikone ihren ganzen Wert, den sie auf die Menschen ausstrahlt», fügt Pater Braun hinzu. Welche Wirkung die Ikonen auf den Betrachter haben können, erlebt man in der Ausstellung in Immensee. Im Hintergrund erklingt russische und griechische Chormusik, die zum meditativen Verweilen einlädt.

Hinweis

Ikonen-Ausstellung im Gemeinschaftssaal,Missionshaus Bethlehem, Immensee:
Dienstag, 4., bis Donnerstag, 6. Oktober,jeweils von 14 bis 19 Uhr, Freitag, 7.,
bis Sonntag, 9. Oktober, jeweils von 9.30bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr.

Bote der Urschweiz (Edith Meyer)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

01.10.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/KqAaqw