Am Flügel fühlt sie sich zu Hause: Kunst und Musik ist, neben ihrer Familie, die Leidenschaft der gebürtigen Belgierin Nadia Tattersall. Bild Edith Meyer
Am Flügel fühlt sie sich zu Hause: Kunst und Musik ist, neben ihrer Familie, die Leidenschaft der gebürtigen Belgierin Nadia Tattersall. Bild Edith Meyer

Musik

Innige Liebeserklärung an die Musik

Greift Nadia Tattersall in die Tasten, kennt sie in ihrer Kunst keine Grenzen. Die Immenseerin ist eine Jazzpianistin mit dem absoluten Musikgehör. Das hat nicht nur Vorteile.

Draussen regnet es. Mit ihrem Spiel am Flügel schafft Nadia Tattersall einen Kontrast dazu. Der Raum füllt sich mit jazzigen Melodien, die mit der Fröhlichkeit eines warmen Sommerwindes im Raum erklingen. «Wenn ich Musik mache, fliessen meine Gefühle.» NadiaTattersall besitzt die Fähigkeit, über beliebigeThemen zu improvisieren und damit eine Brücke von Jazz zur klassischen Musik zu schlagen. Musik gehört zu ihrem Leben wie die Luft zum Atmen. «Während der Improvisation spiegle ich Lebensmomente.» So komponiert sie am Computer. Die Immenseerin beschreibt sich selbst als chaotisch während dem Musizieren: «Ich mische viele Einflüsse und möchte sie in eine Form giessen. Das ist eine Herausforderung, die ich beim Malen genauso habe.» An Disziplin fehlt es der 40-Jährigen aber nicht. Vor Konzerten übt sie täglich vier Stunden.

Tradition der Hauskonzerte

Nadia Tattersall ist in Antwerpen aufgewachsen. Sie wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren und fing mit sechs Jahren an, Klavier zu spielen. «Mein Vater Jean Spanoghe ist ein klassischer Konzertpianist und arbeitete als Professor an verschiedenen Musikkonservatorien in Belgien. Meine Mutter ist Sopranistin», erzählt Nadia Tattersall. Von klein auf erlebte sie zahlreiche Hauskonzerte, eine Tradition, die sie bis heute aufrechterhält.

Nicht im Schatten stehen

Zwischen dem Besuch der Kunstgewerbeschule und dem Musikkonservatorium in Antwerpen arbeitete die Belgierin 1991 ein Jahr als Au-pair-Mädchen im Wallis. Dort verliebte sie sich in Alex, den sie später heiratete. «Es war Liebe auf den ersten Blick.» Nach dem Studium wurde ihr klar: «Ich wollte nicht im Schatten meines berühmten Vaters stehen.» Sie wechselte die Musikrichtung und besuchte die Jazzschule Ejma in Lausanne. Nadia Tattersall hat das absolute Musikgehör. «Ich höre alles, und ich höre sehr gut.» Das könne auch nervig sein. «Wenn ich Misstöne oder schlechte Musik höre, tut es mir in der Seele weh.» Das Positive sei, dass man als Zuhörerin extrem schnell reagieren und Musiker auf einen Fehler aufmerksam machen könne. «Ich kritisiere nie jemanden, weil es die perfekte Musik nicht gibt.» Niemand sei fehlerfrei, gerade das mache ein Konzert menschlich.

Wenn die Nerven blank liegen

Nichtsdestotrotz haben Profimusiker meistens extreme Herausforderungen auf der Bühne und dürfen sich keine grossen Fehler erlauben. Die dreifache Mutter weiss, wie es ist, wenn die Nerven blank liegen. «Mit 14 Jahren war ich einmal so nervös, dass ich mich neben den Stuhl setzte und auf den Boden fiel. Das war witzig, aber auch peinlich.» Unter Lampenfieber hat sie aber nie gelitten. Nadia Tattersall hilft jungen Künstlern, die damit Mühe haben. «Wenn wir Studenten mit Lampenfieber haben, begleiten wir sie mit Kursen und schaffen ihnen eine Plattform», sagt die Präsidentin des Vereins Beflügelt. Ihr Schaffen, das mit Hauskonzerten in Merlischachen und Immensee begann, ist heute aus dem kulturellen Leben des Bezirks nicht mehr wegzudenken.

Für Kulturpreis angemeldet

Seit 2006 organisiert der Verein Beflügelt Veranstaltungen rund um Musik und bildende Kunst. «Unser Ziel ist es, das kulturelle Leben in und um Küssnacht zu bereichern», sagt Nadia Tattersall, Präsidentin des Vereins Beflügelt. Man wolle möglichst viele Herzen berühren. «Ohne Publikum wären wir nicht das, was wir heute sind», betont Tattersall. Der Verein hat bis anhin 25 Anlässe mit 64 Musikern und 13 Künstlern durchgeführt. Die Präsidentin ist motiviert und immer auf Mitgliedersuche. Dieses Jahr hat sich «Beflügelt» erstmals für den Kulturpreis des Bezirks angemeldet. «Konzertbesucher spornten uns an mitzumachen.» Nadia Tattersall, eine Frau, die sprüht vor Humor und Energie, hat noch viele Ideen. Ein Projekt, das der Verein Beflügelt lancieren will, sind musikalische Workshops für behinderte Kinder. «Und es ist uns ein Anliegen, weiterhin auch junge Musiker auf die Bühne zu bringen.»

Daten der beflügelten Montagskonzerte

Ort:
reformierte Kirche,
Küssnacht


26.9., 20.00

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

03.08.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/GfdawL