«Unsere Beziehung hat sich positiv verändert»: Filmemacherin Salome Pitschen redet mit ihrem Hund Bina. Bild: Adrian Elsener
«Unsere Beziehung hat sich positiv verändert»: Filmemacherin Salome Pitschen redet mit ihrem Hund Bina. Bild: Adrian Elsener

Film

«Jeder kann mit Tieren sprechen»

Filmemacherin Salome Pitschen (Kamera «Wätterschmöcker») hat einen Film über das Thema Tierkommunikation in die Schweizer Kinos gebracht. Seit den Dreharbeiten zu «Being with Animals» redet sie täglich mit ihrem Hund und gar Wildtieren.

Mit Salome Pitschen sprach Nicole Auf der Maur


Nicole Auf der Maur: Wie sind Sie auf die Thematik der Tierkommunikation für Ihren neusten Film gekommen?


Ich sah vor 10 Jahren bei einer Bäuerin während Dreharbeiten zu «Wätterschmöcker » das Diplom in Tierkommunikation. Das machte mich neugierig, und ich begann umgehend darüber zu recherchieren. Ich wusste nicht, was das war. Sie erzählte mir vom Kurs, den sie besucht hatte und der ihr Leben veränderte. Ich beschloss, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Ich traf ein paar Tierkommunikatorinnen, die mir mehr über ihren Beruf erzählten. Die in Zürich lebende Barbara Fenner lud mich ein, ihre Kurse in Tierkommunikation zu besuchen.


Was fasziniert Sie an der Tierkommunikation?


Es fasziniert mich, dass es möglich ist, mit Tieren zu reden, Zwei-Weg-Kommunikation zu betreiben. Wenn das möglich ist, dann hat das enorme Auswirkungen auf die ganze Welt, unseren Umgang mit allen Tieren, von den Haustieren über Zirkus-, Zoo- bis zu den sogenannten Nutztieren. Viele Fragen stellen sich dann: Ich bin zwar verantwortlich für mein Haustier, doch es ist viel intelligenter, als mir je bewusst war. Wenn ich ihm auf Augenhöhe begegne, entsteht eine völlig neue Beziehung zu ihm. Es hat Gefühle, Empfindungen und auch Ideen wie wir. Ich kann mich mit ihm über alles austauschen. Wenn Nutztiere zu uns sprechen könnten, dann würden wir sie nicht mehr so selbstverständlich in Massenhaltungen leben lassen.


Sprechen Sie in Ihrem Alltag selber mit Tieren?


Ich spreche täglich mit meiner Hündin und anderen Tieren, denen wir begegnen, auch Wildtieren oder Zootieren. Ich habe mehrere Kurse in der Tierkommunikation besucht.


Wie hat Sie die Arbeit zum Film verändert?


Erst durch die Arbeit am Film und die Konfrontation mit den Problemen meiner Hündin habe ich mich voll auf das Thema eingelassen. Der Film half mir, immer tiefer in die Möglichkeiten der Tierkommunikation vorzudringen. Er hat mein Leben und das meiner Hündin Bina verändert. Durch den Besuch der Kurse hat sich meine Haltung als objektive Filmemacherin verändert, ich wurde immer mehr persönlich involviert. Das hätte ich anfangs nicht gedacht, auch nicht, dass ich einmal selber lernen würde, mit Tieren zu reden. Ich wollte einfach Menschen porträtieren, die solche Fähigkeiten haben.


Wie sieht Ihr Leben mit Ihrem Hund aus, nachdem Sie die Tierkommunikation für sich entdeckt haben?


Unsere Beziehung hat sich positiv verändert und vertieft. Ich betrachte Bina nicht mehr als abhängiges Wesen, das meiner Hilfe bedarf, obwohl sie letztlich schon von mir abhängig ist – ich gebe ihr Futter und ein Zuhause. Wir sind Partnerinnen geworden, ich nehme ihre Bedürfnisse wahr und gehe darauf ein, sie macht dasselbe mit mir.


Wer kann Ihrer Meinung nach mit Tieren sprechen?


Jeder, der ein Herz für Tiere hat, kann Tierkommunikation lernen. Der Film wird von «mythenfilm» von Thomas Horat («Wätterschmöcker») herausgegeben ... Thomas Horat und ich sind langjährige Filmpartner. Er war von Anfang an an meinem Film interessiert und hat ihn unterstützt. Er begleitete mich nach England und in die USA für Dreharbeiten, wo er auch für die Tonaufnahmen verantwortlich war. Er war auch der Fahrer und nahm mir dadurch auch Verantwortung ab. «mythenfilm» ist zudem der einzige Verleiher, den ich kenne, der die Filmemacher fair behandelt und keinen zusätzlichen Profit aus seinen Projekten rausschlagen möchte. Die Einnahmen werden gerecht geteilt.


Welcher Protagonist in Ihrem Film hat Sie am meisten berührt?


Alle berühren mich sehr auf ihre Art. Maia Kincaid ist eine wunderbare, feinfühlige Frau. Ihre Art begeistert mich immer wieder von Neuem, auch jetzt, wenn wir zusammen diese einwöchige Filmtournee durch die Schweiz machen. James French ist ein ausserordentlicher Mensch. Seine ruhige Art, wie er sich mit den Tieren hinlegt, sodass sich sich völlig entspannen können, berührt mich jedes Mal tief, wenn ich diese Filmszenen wieder sehe. Alle Menschen im Film sind authentisch und leben das, wovon sie sprechen.


Was sagen Sie jemandem, der sagt, Tierkommunikation sei Humbug?


Ich lasse ihm seine Meinung. Die Erfahrung zeigt, dass Diskussionen nichts bringen. Nur wer das Bewusstsein hat, dass alle Lebewesen auf dieser Welt miteinander verbunden sind, kann sich darauf einlassen. Ich respektiere Skeptiker, finde es sogar wichtig, dem Thema skeptisch zu begegnen. Man muss es selber erfahren, am besten mit einem eigenen Tier, um Tierkommunikation wirklich zu verstehen. Es ist eine Sprache des Herzens.


Wo liegen Ihre Hoffnungen in Bezug auf den Film?


Ich wünsche mir, dass die Menschen ihr Verhältnis zu Tieren neu überdenken und versuchen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Wir dürfen nicht mehr dulden, dass viele Tiere weltweit ausgebeutet und schlecht behandelt werden. Ich hoffe, dass mein Film einen Beitrag dazu leistet, dass das Thema der Tierkommunikation mehr Verbreitung findet. Wenn mehr Menschen mit ihren Tieren, aber auch mit fremden Tieren, mit Wildtieren oder mit Nutztieren sprechen würden, hätten wir eine bessere Welt. Denn dann würde ihnen bewusst werden, dass Tiere ähnliche Empfindungen, Wahrnehmungen und Emotionen wie wir selbst haben, und sensible und beseelte Wesen sind.


Internationale Reise


Die Filmemacherin Salome Pitschen erforschte Methoden der Tierkommunikation, um ihre leicht erregbare Hündin Bina zu verstehen. Auf ihrer internationalen Reise lernte sie zwei Tierlehrer, eine Tierkommunikatorin, eine Körpertherapeutin, einen Biologen und den Begründer von Trust Technique kennen. Der Film, der auf dem Schwyzer Filmverleih «mythenfilm» erschienen ist, ist in allen grösseren Städten der deutschen Schweiz gestartet. Im nächsten Jahr soll er auch in der französischen Schweiz zu sehen sein.


Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

21.11.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/Ny95yk