«Ich befürchte, dass diese positiven Effekte bei zunehmender Dauer einer Müdigkeit zum Opfer fallen werden»: Musikschulleiter Adrian Meyer zu den Herausforderungen der Corona-Pandemie. Foto: zvg
«Ich befürchte, dass diese positiven Effekte bei zunehmender Dauer einer Müdigkeit zum Opfer fallen werden»: Musikschulleiter Adrian Meyer zu den Herausforderungen der Corona-Pandemie. Foto: zvg
Derzeit nicht denkbar: Ein grosses Schülerkonzert. Doch kleine sollten möglich sein. Foto: Archiv EA
Derzeit nicht denkbar: Ein grosses Schülerkonzert. Doch kleine sollten möglich sein. Foto: Archiv EA

Musik

«Kleine Konzerte sind möglich – wir handeln verantwortungsvoll»

Zum nationalen Tag der musikalischen Bildung gewährt der Einsiedler Musikschulleiter Adrian Meyer einen Blick in den musikalischen Alltag.

Victor Kälin: Der nationale Tag der musikalischen Bildung fällt mitten in die Corona-Zeit. Was kann die Musikschule Einsiedeln am 7. November überhaupt anbieten?



Adrian Meyer: Der nationale Aktionstag wurde vom Verband der Musikschulen Schweiz relativ kurzfristig und bereits im Bewusstsein initiiert, dass möglicherweise keine Veranstaltungen möglich sein werden. Ich hätte gerne mit einem kleinen Ensemblekonzert auf den Anlass aufmerksam gemacht, musste die Planung aber sehr bald aufgrund der steigenden Fallzahlen abbrechen. Dies zeigt exemplarisch eines unserer grössten Probleme in diesem Coronajahr auf: Es ist sehr schwierig, mit Konzerten an die Öffentlichkeit zu treten und das Publikum live für die Musik zu begeistern.

Was ist im Musikunterricht derzeit möglich – und was nicht?


Wir sind sehr froh, dass aktuell fast alle Angebote unter Berücksichtigung unseres Schutzkonzepts durchgeführt werden können. Starke Einschränkungen und Unsicherheiten gibt es im Bereich der Chöre mit Kindern und Jugendlichen, weshalb momentan keine Proben mit den Moskitos und dem Kinderjodelchörli stattfinden und das Eltern-Kind-Singen ausfällt. Fast nicht zu realisieren sind leider auch Instrumentenparcours, bei welchen Kinder Instrumente anfassen und ausprobieren können. Dadurch kann es sein, dass einige Instrumente dieses Jahr in Vergessenheit geraten und eher die gängigen Instrumente gewählt werden.

Durch den Wegfall von Konzerten und Auftritten fehlten vielen Schülerinnen und Schülern motivierende Ziele und die Interaktion mit dem Publikum. Wie reagiert die Musikschule darauf?


Da Auftritte für die musikalische und persönliche Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler enorm wichtig sind, möchte ich diese Erlebnisse auch weiterhin ermöglichen und glaube, dass dies in einem sicheren Rahmen möglich ist.

Das müssen Sie erklären …


Die statistischen Daten zum häufigsten Ansteckungsort sind leider sehr dürftig und umstritten. Auffälligerweise sind kulturelle Anlässe aber nie oder nur ganz am Rande ein Thema. Dies ist für mich ein klarer Hinweis, dass sichere Schutzkonzepte im Kulturbereich möglich sind und wir verantwortungsvoll handeln, wenn kleine Schülerkonzerte weiterhin durchgeführt werden. Geplant sind vermehrt instrumentenübergreifende Konzertabende, für die sich Schülerinnen und Schüler relativ spontan anmelden können. Zudem sammeln wir aktuell erste Erfahrungen mit einem Livestream, damit alle Angehörigen das Konzert auch sicher zu Hause geniessen können.

Sie unterrichten selbst. Wie erleben Sie Ihre Schüler, den Unterricht insgesamt?


Ich glaube, dass die aktuelle Situation die Schülerinnen und Schüler selbständiger und reifer werden lässt. Die stetige Unsicherheit und die Einschränkung sozialer Kontakte sehe ich für junge Menschen aber als eine grosse Belastung. Sowohl im Musikunterricht wie auch in anderen Bereichen des Lebens hat uns die Pandemie gezwungen, in neuen Kategorien zu denken und kreativ zu sein. Diese positiven Effekte werden aber bei zunehmender Dauer einer Müdigkeit zum Opfer fallen, befürchte ich.

Was plant die Musikschule für die nächsten Corona-Monate?


In erster Linie geht es sicher darum, den Unterricht möglichst in allen Fächern und in gewohnter Qualität aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch die Bereitschaft, bei Quarantänefällen gezielt Lektionen online zu unterrichten. Zudem möchten wir regelmässige Auftritte ermöglichen und nutzen die verschiedenen digitalen Hilfsmittel, um einen Einblick in die Konzerte und den Unterricht zu gewähren. Aktuell arbeiten wir auch an der Idee eines Teammitglieds, einen musikalischen Adventskalender zu gestalten.

Einsiedler Anzeiger / Victor Kälin

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

06.11.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/XDixTK