MIt ernster Miene dozierten Knuth und Tucek über das Wesen des Lachens. Bild Monika Neidhart
MIt ernster Miene dozierten Knuth und Tucek über das Wesen des Lachens. Bild Monika Neidhart

Bühne

Berauschendes Frauenkabarett

Nicole Knuth und Olga Tucek traten am Donnerstagabend mit ihrem Stück «Rausch» im Theater Duo Fischbach auf. Die musikalische Satire begeisterte.

«Willkommen im Kinderzimmer längst verlorener Träume. Willkommen im Rausch», begrüsste das Duo Knuth und Tucek das Publikum im Theater Duo Fischbach. «Wir betreiben heute Feldforschung und machen Erfahrungen am eigenen Leib.»

So leerten sie ein Glas Wein nach dem anderen und fragten sich schon bald, ob die sozialen Schichten unterschiedliche Räusche haben: «Kotzt man mit drei Flaschen Kalterersee anders als mit drei Flaschen Châteauneuf-du-Pape?» Todernstes Dozieren übers Lachen.

Ballermann-Stimmung kurz vor der Pause: «Ja, wir wollen alles», und sie schnupften weisses Pulver, schluckten noch ein Medikamentchen, kippten noch ein Schnäpschen. «Atemlos durch die Nacht». Auf den Rausch folgte die Ernüchterung. Die Businessfrau, «Der bessere Mann», dachte kurz an ihrer Küchendesignerbar, dass ihr Traum ganz anders war. Doch wie sollte sie ohne Boni das Leasing fürs Auto bezahlen und sich die Gelassenheit und Ruhe im Spa in Asien holen?

Wortgewaltiger Sarkasmus

Die Kombination aus Satire und Musik ist bei den zwei Frauen Programm. Wortgewaltig, mit unglaublichem Tempo thematisierten die beiden Künstlerinnen die kleinen Satiren des Alltags mit gnadenloser Respektlosigkeit und intelligentem Witz.

Sie machten auch nicht halt vor ernsten Themen wie Prostitution und Kindsmissbrauch. Dabei begannen ihre Lieder ganz harmlos, man spürte die heile Alpenwelt, bis die Wendung kam. Gelacht wurde trotzdem viel an diesem Abend, denn «es ist keine hasserfüllte Bitterkeit», wie eine Frau meinte.

Die klassisch ausgebildete Sängerin Olga Tucek begleitete die Lieder mit variantenreichem Akkordeonspiel, klopfte den Rhythmus mit ihren Schuhen, rollte die Augen, schnitt Grimassen.

Ihre geballte Bühnenpräsenz beeindruckte

«Der ganze Körper voller Energie», staunte ein jüngerer Zuhörer. Von ihrer Bühnenpartnerin wurde sie in einem Interview als «versöhnliche Extremistin» bezeichnet. Im Gegenzug charakterisierte sie die Schauspielerin Nicole Knuth als «verschrobenes Luftwesen».

So bewegte sich diese traumhaft im Tantrakurs oder mimte die Enttäuschte, da ihre Freundin die gleich teuren Schuhe trug: «Bin ich normal oder nur normiert? Meine Träume stehen in der ‹Bunten›.» Das Publikum im Theater Duo Fischbach war am Donnerstagabend hellwach. Es folgte dem Duo, das seit 13 Jahren gemeinsam auf der Bühne steht, sehr aufmerksam. «Dichte Sprache», «bitterböse und humorvoll», «berührend» waren Kommentare zum Schluss.

Die zweite Liedzugabe zeigte, dass das mehrfach ausgezeichnete Duo auch aktuelle politische Themen kreativ und kritisch bearbeitet: «Trumputin und Erdopan».

Bote der Urschweiz (Monika Neidhart)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

29.04.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/FGpWVi