Das ist nicht Göläs Schwan: Michael von der Heide beim Fächertanz in Küssnacht. Bild Roger Bürgler
Das ist nicht Göläs Schwan: Michael von der Heide beim Fächertanz in Küssnacht. Bild Roger Bürgler

Bühne

Eine Träne für zwei Augen

Die Showtreppe war da, die Fächer ebenso, und das Publikum im Theater Fischbach war gespannt, ob Michael von der Heide auch musikalisch eine Lido- Revue bieten wird. Nicht ganz. Eher mehr nämlich.

Er ist schlicht ein Tausendsassa: Michael von der Heide aus Amden hoch über dem Walensee, der längst in Zürich lebt und die Stadt in einem Song als Vorort von Oerlikon bezeichnet. Doch in Küssnacht trat der Schauspieler, Chansonnier und Entertainer als Sänger mit seinem aktuellen Programm «Lido» auf.

Viele Texte auf Französisch

Die Reminiszenz an die legendäre Pariser Revue-Bühne macht Michael von der Heide nicht nur im Albumtitel, sondern gleich auch auf dem Cover. Also durfte das Publikum im gut besetzten Fischbach-Theater durchaus etwas Revue erwarten. Und tatsächlich: Drei Stufen hoch und etwas mehr als einen Meter breit war von der Heides Showtreppe, und mit der dezent-stylischen Lichtgebung und der fast spartanisch anmutenden Instrumentierung seiner Band war dann immer noch genügend Platz für kleinereTanzeinlagen, die dann doch eher als Parodie zu verstehen waren. Wie auch immer. Die exzellente Band mit Gitarrist Martin Buess, Bassist Emmi Lichtenhahn und Keyboarder Tino Horat hatte sprichwörtlich alle Hände voll zu tun, um den «Lido»-Soundtrack und einige andere Songs aus dem umfangreichen Repertoire des Maestros umzusetzen. Vor allem der Altdorfer Tino Horat verpasste mit seinen analogen Drumund Synthiesounds dem Abend einen coolen 80er-Jahre-Retro-Chic. In Kombination mit Michael von der Heides Gesang und Charme war das Publikum schnell entzückt. Da machte es auch nichts, dass alle Songs aus «Lido» auf Französisch gesungen wurden. «J’ai perdu ma jeunesse, j’ai perdu mon amour» verstehe man ja auch nach dem ersten Französisch-Abend in der Migros-Klubschule, sagte von der Heide.

Einen Hauch Comedy

Michael von der Heide, der im Hechtplatz in Zürich schon in saloppen Musicals auftrat und für Christoph Marthaler zeitgenössisches Theater spielte, ist aktuell im Theater Basel in «Hush and more», einem musikalischenTheaterabend zwischenWilliam Shakespeare und Henry Purcell, zu sehen. So ist für ihn der Wechsel zum «Lido»-Programm nicht immer einfach. «Ja, schon ein etwas krasser Schnitt», sagte er dem «Boten der Urschweiz », «aber immer auch eine Herausforderung. » Und so wird wohl kein «Lido»-Abend sein wie der andere. In Küssnacht spielte von der Heide sein letztes Konzert in seinen 30er-Jahren. Die sich ankündigende neue Dekade wirkte sich positiv auf seinen Humor aus, und so entwickelte sich der Abend zwischenzeitlich zur Comedy-Show. Die Sparsamkeit der Schweizer sehe man sogar in der Musik. Francine Jordis und Flöru Asts Duett «Träne» sei das Beispiel dafür: «‹I ha en Träne i mine Auge!› Wahnsinn. Eine Träne für zwei Augen. Wir Schweizer sind so sparsam.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

18.10.2011

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schwyzkultur.ch/K9XNvi