«Das hesch jetzt aber choge schön gspielt»: Der Appenzeller Kabarettist Simon Enzler mit seinem Bühnenpartner, dem Bassisten Daniel Ziegler, im Theater Fischbach. Bild Roger Bürgler
«Das hesch jetzt aber choge schön gspielt»: Der Appenzeller Kabarettist Simon Enzler mit seinem Bühnenpartner, dem Bassisten Daniel Ziegler, im Theater Fischbach. Bild Roger Bürgler

Bühne

Grosses Kabarett mit Enzler/Ziegler

Zweimal volles Haus imTheater Fischbach. Da muss schon ein Schwergewicht des Kabaretts zu Gast sein. Mit Simon Enzler und seinem Sidekick Dani Ziegler war dies zweifellos der Fall, und das Publikum bekam heftig- derbe wie auch intelligentsubtile Kost vorgesetzt.

Simon Enzler hat ziemlich alles gewonnen, was ein Schweizer Kabarettist gewinnen kann: den Salzburger Stier, den Prix Walo, den Cornichon und den Swiss Comedy Award. Sein langjähriger Bühnenpartner, der griesgrämige Bassist Daniel Ziegler – für Enzler eine verordnete, flankierende Massnahme –, ist inzwischen als Hausmusiker bei Giacobbo/ Müller Kult und somit auch verdienterweise mehr im Fokus der Zuschauer. Er is ein unglaublich virtuoser und kreativer Könner auf seinem Instrument.

Feine Überzeichnungen

Simon Enzler wiederum zeigt in seinem aktuellen Programm «Vestoli» (mit schwer wahrnehmbaren Zusammenhang nach einem norwegischen Dörfchen benannt) sein breites Kabarett- Repertoire fernab des Schenkelklopfhumors. Gleich zu Beginn als eifriger Beamter, der einem ausländischen Investor Rahmenbedienungen jenseits des Gesetzes inklusive Pauschalbesteuerung mit einer Erstzahlungsfrist von fünf Jahren und einem Antrittsgeschenk von 85 Prozent Skonto versprach. Natürlich bedankte er sich zum Schluss höflichst für die Provision «die sich wunderbar» fahren liesse. Die Nummer zeigte grundsätzlich Enzlers Konzept der manchmal subtilen, manchmal aber auch derben Überzeichnung gesellschaftlicher, politischer und auch religiöser Begebenheiten. Also genau das, was die Aufgabe eines Kabarettisten ist (nicht aber des Komikers). Und Enzler ist ein wahrer Meister darin. Enzlers Gedanken rund um denTod und was danach kommen mag, dürfte einem konservativen Katholiken möglicherweise etwas schwer bekommen. «Nach dem Tod will ich die ewige Ruhe und sicher nicht gleich wieder auferstehen müssen», sagte der Appenzeller. «Wenn ich aber schon im Leben die ewige Ruhe haben will, dann arbeite ich auf einem Amt.» Ob nun Konservative deswegen in Küssnacht demonstrieren oder gar Appenzeller Fahnen verbrennen, wissen wir nicht. So schlimm, wie Enzler befürchtet, dürfte es nicht sein. Grosse Kabarettkunst war seine Analyse zu den seiner Meinung nach unsäglichen Leserbriefschreibern. Rhetorische Zweihänder wie «kann es denn sein, dass …», «wenn das alle machen würden» oder «wo kämen wir da hin?» treiben ihn zur Weissglut, und er selbst meinte, dass ihn diese Nummer noch einmal umbringe.Aber Gott sei Dank haben wir noch den Verteidigungsminister, der aktuell Bundespräsident ist. «Danke, Ueli, für die beste Armee der Welt», sagt Enzler lakonisch. Es sei absolut richtig, dass Ueli Maurer sich bei der extremen Bedrohung, welcher unser Land seit Jahrzehnten ausgesetzt sei, entsprechend wappnet. «Ich denke da an die Achse des Bösen.Teheran, Pjöngjang, Vaduz.»

Heikle Ökobilanz

Böse, aber eben doch auch treffend war auch Enzlers Analyse zur Bewältigung einer Katastrophe. «Eine solche ist erst erledigt, wenn die nächste da ist.» Oder zu seiner Ökobilanz. «In zwei Wochen stossen die 30 Kühe meines Nachbars soviel Metangas aus, dass ich in dieser Zeit 13 800 Kilometer mit dem Auto in den Ferien fahren darf. Aber 40 Mal Appenzell– Genf ist ja auch kein Ferienvergnügen. Zum Finale entschuldigte sich Daniel Ziegler, der sich inzwischen Professor Doktor D. Ziegler nannte, in aller Form, dass sich das Publikum nun eine Zugabe über sich ergehen lassen muss. Diese war aber durchaus ein (witzig-musikalisches) Vergnügen – wie der ganze Abend.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

22.04.2013

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schwyzkultur.ch/QT2yi7