«Äs fägt»: Rita Kälin und Agnes Ryser (rechts). Foto: Victor Kälin
«Äs fägt»: Rita Kälin und Agnes Ryser (rechts). Foto: Victor Kälin

Bühne

Musik

Im Auge des Hurrikans

In Interlaken wird die Oper «Guillaume Tell» von Gioacchino Rossini – in der Tellspielarena aufgeführt mit Agnes Ryser als musikalische Leiterin!

Am Anfang dieser Geschichte steht Agnes Ryser. 2014 stellte sie für «ihren» AmadeusChor Küssnacht aus der original fünf Stunden dauernden Oper «Guillaume Tell» von Gioacchino Rossini eine 90-minütige konzertante Fassung zusammen, welche in Schwyz und Küssnacht mit kostümierten Soli aufgeführt wurde. Ryser schwärmt noch heute von der «umwerfenden Schönheit» dieser Oper; Melodien würden sich ins Ohr schmeicheln, ab und zu volkstümliche Einflüsse durchschimmern. Daher eigne sich «Guillaume Tell» nicht nur für eingefleischte Opernliebhaber, sondern auch für Zuhörer und Zuhörerinnen, die sich ganz einfach auf etwas Neues einlassen möchten. Den Weg von Küssnacht nach Interlaken ebnete dann Professor Ernst Wüthrich. Er sang damals im Chor mit und fragte Agnes Ryser für die Leitung weiterer Aufführungen an. Vor bald zwei Jahren wurden Kontakte mit den Tellspielen Interlaken geknüpft. Die Absicht: Rossinis Tell-Oper im historischen Umfeld der Tell-Spiele! Die Idee stiess auf offene Ohren. Wüthrich gründete die Concert200 GmbH, welche die Oper Tell durchführt.


«Erstklassiges Erlebnis»


Als musikalische Leiterin ist Agnes Ryser gefordert, dirigiert sie doch einen Ad-hoc-Chor aus 120 «enorm motivierten und engagierten» Chorsängerinnen und -sängern, einen 30-köpfigen Kinderchor sowie ein professionelles, projektorientiertes Orchester, das im Kern aus der Camerata 49 besteht, dem ehemaligen Huttwiler Kammerorchester. Die musikalischen Hauptrollen übernehmen jedoch die Solisten; Boris Petronje, welcher unter anderem auch den Gessler spielt, muss dafür sogar reiten lernen! Wenn Ryser an das eindrücklich weitläufige Tellspiel-Gelände denkt, fallen ihr als Erstes die «riesigen Distanzen» zwischen Chor, Solisten und Orchester ein. Während die Sänger und Sängerinnen direkt auf dem Areal agieren, musste das 50-köpfige Orchester aus logistischen Gründen in der benachbarten Curlinghalle untergebracht werden. Dank verschiedener technischer Hilfsmittel wie TV- und Monitor- Übertragung, spezieller Mikrofone sowie 360-Grad-Audio-Beschallung können aber auch die grossen Distanzen akustisch überwunden werden. «Dadurch», so Ryser, «gewähren wir dem Publikum ein erstklassiges Erlebnis auf allen Ebenen.» Nur das Wetter kann die musikalische Leiterin nicht beeinflussen. Da heisst es: Mit Petrus im Gespräch bleiben und sich schon jetzt für alle Fälle wappnen. Das Publikum hingegen sitzt wohlgeborgen unter dem schützenden Dach.


«Ein wissendes Lächeln …»


Die Zusammenarbeit mit Regisseurin Rita Kälin empfindet Agnes Ryser «als grosse Bereicherung. Sie ist unser Fixstern. Ihre zupackende Professionalität, gepaart mit Weitsicht und Humor, öffnet die Türen zu den Herzen der Menschen. Wir beide verstehen uns glänzend». Als geborene Bernerin sagt sie: «Äs fägt!» Agnes Ryser freut sich riesig auf die Aufführungen und speziell auf jenen Moment, «wenn beim bekannten Trompetensignal in der Ouvertüre ein wissendes Lächeln über die zahlreichen Gesichter im Publikum huscht …».


Zur Person Agnes Ryser


Chor- und Orchesterdirigentin, Musikpädagogin, Stimmbildnerin. Jahre intensiver solistischer Tätigkeit als lyrische Sopranistin führten sie zur Zusammenarbeit mit Chören und Orchestern aller Stufen: diverse Kirchen- und Jugendchöre, AmadeusChor Küssnacht, 90 Stimmen Einsiedeln und Welttheaterchor Einsiedeln. Gründerin des ambitionierten Vokalensembles Vox Amoris. Konzertleitungen in Kirchen und Konzertsälen im In- und Ausland mit diversen Orchestern: Sinfonieorchester Budapest, La Partita, Sinfonietta Vorarlberg, Allegria Musicale, Camerata 49.


Einsiedler Anzeiger / Victor Kälin

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne
  • Musik

Publiziert am

24.08.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/E7qnra