Ferruccio Cainero: In der Deutschschweiz ist er vor allem aus dem Radio bekannt, spricht aber auch ein zahlreiches Theaterpublikum an. Bild Patrick Kenel
Ferruccio Cainero: In der Deutschschweiz ist er vor allem aus dem Radio bekannt, spricht aber auch ein zahlreiches Theaterpublikum an. Bild Patrick Kenel

Bühne

Indianer im Erzähler-Reservat

Von seinen Jugendanekdoten bis hin zu Visionen zur Zukunft der Menschheit: Wenn Ferruccio Cainero loserzählt, spannt er einen enormen Spannungsbogen. Am Samstag stand der im Tessin lebende Italiener mit «Krieger des Regenbogens» auf der Bühne des Theaters Duo Fischbach.

«Meine Religion: Ich bin Narzisst», sagte Cainero einleitend. Seine reiche Autobiografie stand bereits im Mittelpunkt der früheren Bühnenprogramme Ferruccio Caineros sowie seiner regelmässigen Radiokolumnen. Dies behielt er auch im neuen Zwei-Stunden-Kabarett bei, mit dem er gerade durch die Theater der Deutschschweiz tourt und sich dabei wie ein Indianer im Reservat fühlt. Als religiös betrachtet sich der 57-jährige Kabarettist zwar nach wie vor, doch seinen sinnstiftenden katholischen Kinderglauben habe er in der Pubertät verloren, weil die Kirche Körperkontakt unter Verbot stellte und keinen Trost gegen Einsamkeit anbot. Schon die Schule bereitete ihn auf alles vor, was es an Arbeit gibt. Auf die Liebe bereitete ihn nichts vor, bis er mit 15 Jahren Mariella beim Basketballspielen traf und sie küsste. Wie verrückt das sei, zeigte er, indem er das Tabu auf humorvolle Weise umkehrte. Nach vier Monaten verliess ihn seine erste Liebe, eine triste Situation für Cainero, bis er kurz darauf seinen Künstlerfreund Giovanni traf, der ihm die Politik näherbrachte.

Poetischer Blick auf Politik

Es war offensichtlich das Jahr 1968. Alle waren rot, doch der junge Ferruccio fühlte sich auch grün, blau und gelb wie ein Regenbogen. Da die rote Farbe ihn an Mariellas Kleid erinnerte, wurde er trotzdem Kommunist, wie es in seiner Jugend viele in Italien gab. Sie nannten sich «Compagni» und teilten demzufolge das Brot miteinander. Das Leben sei heute einfacher zu leben, doch: «Ich schaffe es nicht, glücklich zu sein, denn selbst Kinder laufen wie Bankbeamte herum, ohne sich beim Spielen draussen schmutzig zu machen, und werden dicker.»Mit einem Seitenhieb auf die Kommunistenverfolgung in Südamerika stellte er fest: «Heute braucht es keine mordenden Todesschwadronen, weil wir schon unmenschlich sind.» Einer indianischen Legende zufolge betrachtet Cainero die nächste Generation, seine Kinder, als «Krieger des Regenbogens»: Er hofft, sie würden die Gesellschaft der Verschwendung verschwinden lassen und zur Gesellschaft des Brotes zurückkehren. Bis dahin wird Ferruccio Cainero aber noch einige Male mit Liedern und Erzählkunst den kritischen Blick des Publikums schärfen, es gleichzeitig aber auch immer wieder zum Lachen hinreissen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

07.02.2011

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schwyzkultur.ch/8nthPp