Hansjörg Bruggmann (links) und Benno Holzgang vor dem «Streiff-Sebi»-Haus. Bild Fabian Duss
Hansjörg Bruggmann (links) und Benno Holzgang vor dem «Streiff-Sebi»-Haus. Bild Fabian Duss

Dies & Das

Forschen am «Streiff-Sebi»-Haus

Der Kanton Schwyz ist für Mittelalterarchäologen ein wahres Bijou. Eine Woche lang haben Studierende das «Streiff-Sebi»-Haus an der Rigigasse untersucht.

«Hier an der Decke sieht man noch einen bauzeitlichen, gefälzten Bohlen. An der West- und Ostwand der Kammer sind sie einfach stumpf gestossen worden», klingt es durch ein offenes Fenster des «Streiff-Sebi»-Hauses in der Küssnachter Rigigasse. «Die Türöffnung ist bauzeitlich, aber der Pfosten hier ist unstimmig», wird im Archäologen-Vokabular erklärt. Im über 600-jährigen Holzhaus herrscht Betrieb wie seit Jahren nicht mehr. Unter der Leitung der beiden Mittelalterarchäologinnen Ulrike Gollnick und Anette Jean Richard sind zehn Studierende damit beschäftigt, den historischen Bau zu vermessen, Pläne zu zeichnen, Funde zu dokumentieren und sie einzuordnen. Insbesondere die Frage nach dem Originalzustand des «Streiff-Sebi»-Hauses interessiert. Seit es 1404 erbaut wurde, wurden Fenster versetzt, Kamine und Öfen eingebaut, neue Böden eingesetzt oder die Räume anders aufgeteilt.

Reichlich Forschungsobjekte

Derartige Bauten haben eine wahrlich bewegte Geschichte. Im Mittelalter waren sie mobile Sachgüter, die an einem Standort demontiert und an einem anderen wieder aufgebaut werden konnten. Im «Streiff-Sebi»-Haus weisen zahlreiche Indizien auf eine Verschiebung hin, bevor es zu Beginn des 16. Jahrhunderts an seinem heutigen Standort zu stehen kam. Die Studenten suchten nun gar nach Hinweisen für eine zweite Verschiebung. Das einwöchige Bauforschungspraktikum des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich kostet den Kanton keinen Rappen. «Es ist eine Winwin-Situation», sagt der gross gewachsene Schwyzer Denkmalpfleger Thomas Brunner, als er geduckt das Treiben beobachtet. «Wir können solche Gebäude für eine praxisorientierte Ausbildung zur Verfügung stellen, und sie vermitteln danach, welche besonderen Kulturgüter wir in unserem Kanton haben.»

Bauhistorisches Wissen verdichten

Brunner hofft auf eine regelmässige Zusammenarbeit mit der Universität Zürich. «Geeignete Forschungsobjekte haben wir ja in Hülle und Fülle», schmunzelt er. Professorin Carola Jäggi zögerte keinen Augenblick, das Angebot aus dem Kanton Schwyz zu nutzen. «Ein besseres Übungsgelände gibt es für uns kaum», sagt sie. Feldpraktika an solchen Objekten durchführen zu können, stärke überdies auch die Attraktivität ihres Instituts. Archäologin Ulrike Gollnick freut indes, dass mit der Untersuchung des 1404 erbauten «Streiff-Sebi»-Hauses eine weitere, kleine Wissenslücke geschlossen werden kann. «In Schwyz und Steinen haben wir diverse Häuser aus dem 13. Jahrhundert. Danach geht es mit einigen wenigen Exemplaren von Ende des 15. Jahrhunderts weiter. Dazwischen haben wir kaum Objekte», sagt sie.

Bau durch Einsprachen blockiert

Auf dem sogenannten «Bränni-Areal», auf dem das «Streiff-Sebi»-Haus steht, möchte die Bränni AG seit mehreren Jahren bauen. Die einstige Brennerei, das zugehörige Lagerhaus und das «Streiff-Sebi»- Haus sollen umgebaut, die über 300-jährige, schweizweit einmalige Färberei jedoch abgerissen werden. Seit 2009 blockieren Einsprachen das Projekt. Die Bauherrschaft erwartet, dass der Regierungsrat nach dem Sommer einen Entscheid fällen wird. Architekt und Miteigentümer Hansjörg Bruggmann möchte das «Streiff- Sebi-Haus» in ein Einfamilienhaus umbauen. Das mache die geringsten Eingriffe nötig. Bruggmann will das historische Haus von aussen dämmen, was es erlaubt, im Inneren noch möglichst viel der historischen Bausubstanz zu zeigen. Miteigentümer und Holzbildhauer Benno Holzgang kann es kaum erwarten, endlich loszulegen. «Es wird eine wunderschöne Arbeit», freut er sich. Sobald die Baubewilligung rechtskräftig ist, soll das «Streiff- Sebi»-Haus ins Kantonale Inventar geschützter und schützenswerter Bauten (Kigbo) aufgenommen werden.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

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  • Dies & Das

Publiziert am

01.07.2014

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schwyzkultur.ch/e6mmJB