Galerist Urs Reichlin vor dem Titelbild «vieles einen» der Ausstellung «in memoriam». Vieles, was Erni ausmacht, kommt auf dem Bild zusammen, passend zur Ausstellung auch die dunkel gehaltenen Töne. Bild Andreas Seeholzer
Galerist Urs Reichlin vor dem Titelbild «vieles einen» der Ausstellung «in memoriam». Vieles, was Erni ausmacht, kommt auf dem Bild zusammen, passend zur Ausstellung auch die dunkel gehaltenen Töne. Bild Andreas Seeholzer

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Hans Erni letztmals bei Reichlin

Panta rhei – alles fliesst: das Credo des Künstlers Hans Erni blitzt in Küssnacht ein letztes Mal auf.

Galerist Urs Reichlin hatte eine nahe Beziehung zum Künstler Hans Erni. Seit 1985 war er der Hauptgalerist des Luzerner Malers. «1985 hatten wir erstmals miteinander zu tun, wir machten Einrahmungen für Erni», sagt Reichlin. Danach habe er alle Originale und Lithografien für Erni gerahmt. «Wir konnten zum Beispiel die Bilder für das Gebäude des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne rahmen. «Wir sind die wichtigste Galerie für Erni und haben auch am meisten verkauft. »

«Panta rhei – alles fliesst»

Zurzeit stellt Reichlin zum letzten Mal Bilder des im März mit 106 Jahren verstorbenen Jahrhundert-Künstlers aus. Mitte Jahr gab er zusammen mit seinem Bruder die Produktion von Rahmen auf, bald wird die Galerie nach Zug verlegt, an der Grepperstrasse entstehen zehn neue Mietwohnungen. Und irgendwie passt das alles zusammen: «Panta rhei – alles fliesst» sei das Credo von Erni gewesen, erinnert sich Reichlin.

Letzte Verkaufsaustellung

Ein letztes Mal habe er aus den rund hundert verbliebenen Werken eine Ausstellung zusammenstellen dürfen. Simone Erni habe ihm freie Hand gelassen. «Ich kenne das Werk sehr gut und habe die Rosinen herausgepickt», sagt Reichlin. Auf Anhieb habe er gewusst, dass das Gemälde «vieles einen» Titelbild der Ausstellung werden soll. «Ich habe Simone gesagt: Das wird auch auf dem Flyer zur Ausstellung zu sehen sein.» Die Ausstellung in Küssnacht wird laut Reichlin die letzte sein, aus der Bilder Ernis verkauft werden. Danach wird der Maler wohl den Museen vorbehalten bleiben, und Reichlin widmet sich zeitgenössischer Kunst. Gut möglich, dass der Preis der Bilder weiter steigt. «Auch wenn die Leute nun wissen, dass es die letzte Gelegenheit ist, einen Erni zu kaufen, rate ich aber davon ab, zu spekulieren», sagt Reichlin, «das macht man besser an der Börse.» Eine Alternative zu teureren Originalen bieten Lithografien. Lithografie ist das älteste Flachdruckverfahren und gehörte im 19. Jahrhundert zu den am meisten angewendeten Drucktechniken für farbige Drucksachen. «Erni war die Lithografie immer sehr wichtig», weiss Reichlin, «denn eine Lithografie hat immer auch den Charakter des Originals.»

Originale und Lithografien

Die Bilder in Küssnacht stammen aus der Periode von 1970 bis 2003. Rund 30 Originale und ebenso viele Lithografien sind zu sehen und kaufen. Die Preise für eine Lithografie liegen bei rund 5000 Franken, ein Original kostet sicher zehnmal mehr. Dabei war Erni früher sehr arm: Auf die Frage, warum immer wieder Pferde in den Bildern Ernis auftauchen, sagt Reichlin: «Erni hat während dem Krieg über einem Hufschmied gewohnt. Er erzählte mir, dass sie manchmal aus Hunger den Pferden den Hafer aus den Näpfen gestohlen hätten.» Erni sei eine sehr spannende Persönlichkeit gewesen, so Reichlin, «er hatte ein riesiges Wissen. Mit ihm zu kommunizieren, war immer ein Highlight.» Auch im hohen Alter sei er sehr präsent gewesen, sagt Reichlin und untermauert dies mit einem Pinselstrich auf einem Eichenblatt: «Das ganze Blatt ist mit einem Strich durchgezogen und perfekt gelungen.»

Bote der Urschweiz (Andreas Seeholzer)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

05.11.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/f8xsAp