Am Boden sitzend hörte das Publikum in der vordersten Reihe den «Slammern», hier Robert Henrik von Dewitz, aufmerksam zu. Bild: Patrick Kenel
Am Boden sitzend hörte das Publikum in der vordersten Reihe den «Slammern», hier Robert Henrik von Dewitz, aufmerksam zu. Bild: Patrick Kenel

Dies & Das

Lustige Texte rissen das Publikum am meisten mit

Am Freitagabend wurde es im Restaurant Rössli wieder eng. Zwischen Disco-Musik trugen Poetry-Slammer ihre teils frechen, teils berührenden Texte vor.

Beim Poetry-Slam-Wettbewerb werden bis zu sechs Minuten lange Texte vorgetragen. Requisiten sind dabei nicht erlaubt. Bei der siebten Ausgabe des Vier- WortStätterSlams wurde Titelverteidiger Kilian Küttel aus Gersau von fünf mutigen Teilnehmern herausgefordert, die mit einer Ausnahme bisher noch nicht in Küssnacht aufgetreten sind. Je humorvoller ein Vortrag war, desto eher unterstützte ihn das zahlreiche Publikum mit lautem Johlen und Applaus. Das bemerkte auch der Titelverteidiger. Erst begeisterte Küttel mit einer Hasstirade, einer «Publikumsbeschimpfung für Anfänger», wie er sie nannte. Im Halbfinal sinnierte er über die Trauer eines vom Glück verlassenen Freundes. Küttel wollte bewusst keinen Comedy-Text mehr vortragen, doch damit verpasste der einheimische Wortkünstler den neuerlichen Finaleinzug. Diesen schaffte dagegen die ältere Debütantin Ulla Skrue Klomp. Anfangs wirkte die deutsche Schriftstellerin unsicher, überraschte dann aber mit der Geschichte über eine Hausfrau: Beim Kochen weist sie einen Liebesbetrüger auf Facebook frech in die Schranken. Um diese Internet-Betrugsproblematik gekonnt auf den Punkt zu bringen, hat sich die Autorin schon verschiedentlich damit auseinandergesetzt. Ähnliches bot ihr Finalgegner, Gregor Stäheli, der während eines Telefonats mit einem Krankenkassenvertreter sein Herz ausschüttete – ein herrlich absurder Dialog, der beim Publikum sehr gut ankam. «Was einen nicht umbringt, macht einen zu Teflon» Im Final präsentierte sich Ulla Skrue Klomp als Nomadin, die alle sieben Jahre umzieht und viele Heimaten besitzt. Momentan lebt sie überwiegend im Wallis. Stäheli blickte auf eine wohlbehütete Kindheit ohne jegliche Gefahren zurück. Die erste Liebe habe ihn dann mit der Verletzlichkeit konfrontiert. «Was einen nicht umbringt, macht einen zu Teflon», folgerte der junge Slampoet aus Zürich. Mit dieser humoristischen Geschichte gewann Stäheli den siebten VierWort- StätterSlam und liess sich den obligaten Siegerwhisky schmecken.


Bote der Urschweiz / Patrick Kenel

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

22.05.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/yNWdK9