Der Schreck stand dem Fischer (Lukas Meyer) ins Gesicht geschrieben: Er warnte vor den Taten der Pfaffenkellnerin. Bilder: Ruth Auf der Maur
Der Schreck stand dem Fischer (Lukas Meyer) ins Gesicht geschrieben: Er warnte vor den Taten der Pfaffenkellnerin. Bilder: Ruth Auf der Maur

Bühne

Ein schaurig tolles Theatererlebnis

Die Premiere des einzigartigen Stationentheaters der Küssnachter Theaterleute auf der Seebodenalp begeisterte.

«Mer seit, dass d Ortschaft Chüssnacht vor Urzyte mal ufem Seebode obe gstande isch. Erscht, wo si dunne im Tal die erschti Chile buut hend, sind d Lüt abezoge. Und de Seebode isch zum Seelebode worde. En Ort für die Tote. Für d Erinnerige. Und für s Vergässe.» Mit diesem Text und Sinnieren übers Leben und Sterben begann bereits in der Seilbahnkabine das Stück «Seelenboden – eine Gratwanderung» der Küssnachter Theaterleute. Die Seelenbegleiterin (Hilde Nigg), ganz in Schwarz gekleidet, wartete stillschweigend vor der Gondel. Mit einem verwelkten Blumensträusschen in den Händen stieg sie mit ernstem Gesicht ein und fesselte die Mitfahrenden mit ihren schaurigen Gedanken über den Tod. Für die andere Gondel war der zweite Seelenbegleiter (Patrick Hediger) zuständig. An der Bergstation ging das Stationentheater mit der gruslig- schrägen Portierin (Chantal Kaufmann) weiter.

Stück verarbeitet Sagen von der Hexe «Pfaffenkellnerin»


Nächste Station war die Seeboden-Kapelle, in der die Pfarrerin (Chantal Gattone) eine knallrot gekleidete Frau, vermutlich die Pfaffenkellnerin (Milena Pfister), aus der Kirche verbannte, da sie ihr tot geborenes, uneheliches Kind taufen lassen wollte. Einen Schrecken kriegte das Publikum, als plötzlich der aufgeregte Fischer (Lukas Meyer) in die Kirche stürzte und vor der Ankunft der Pfaffenkellnerin warnte. Man solle sofort mit der Glocke läuten und zu beten beginnen. Er forderte die Anwesenden dringend auf, zum See zu gehen. An den nächsten Stationen erzählten die Wandererin (Simone Ulrich) und der Bräutigam (Philipp Michel) als weitere «Seelengestalten » ihre Geschichten. Schliesslich gab noch die Braut (Rahel Zürcher) ihre Version der Liebesgeschichte preis, danach geriet man in eine Party, und am Schluss… Nein, das sei nicht verraten. Die rund zwei Kilometer lange Wegstrecke führte entlang des Gratwanderwegs Richtung Altruodisegg und bot zu den Inhalten passende, mystische Spielplätze. Die Besuchergruppen bekamen Laternen zur besseren Sicht auf dem Weg, der mit weissen Grabkerzen markiert war.

Stück schrieb Sandro Griesser, Regie führte Thomas Bühler


Schon zum zweiten Mal führten Thomas Bühler und Sandro Griesser die Küssnachter Theaterleute in Co-Regie. Man wollte das Projekt «Stationentheater » weiterentwickeln, das mit dem Stück «Die Weber» 2019 seinen Anfang genommen hatte. Als Hauptthema nahmen die Autoren die alten Sagen um die bekannte Innerschwyzer Hexe «Pfaffenkellnerin». Eingewoben wurden auch Inhalte aus dem Werk «Im Reich der Geister und tanzenden Hexen» von Kurt Lussi. Mit der einzigartigen Inszenierung in der tollen Naturumgebung der Seebodenalp konnten die Küssnachter Theaterleute den Besucherinnen und Besuchern ein unvergessliches Theatererlebnis bieten. Professionell waren auch die Auftritte der Spielerinnen und Spieler, die Technik, das Licht und die Organisation – eine rundum gelungene Produktion.

Bote der Urschweiz / Ruth Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

06.09.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/NDt5TR