Unter dem Pseudonym Günter Struchen hat der 35-jährige Autor Flavio Carrera aus Küssnacht seinen zweiten Kriminalroman herausgegeben. Er zeigt sein neues Werk auf der Terrasse des Hotels Seehof du Lac. In diesem ehrwürdigen Hotel spielt sich ein Teil des Krimis ab. Bild: Edith Meyer
Unter dem Pseudonym Günter Struchen hat der 35-jährige Autor Flavio Carrera aus Küssnacht seinen zweiten Kriminalroman herausgegeben. Er zeigt sein neues Werk auf der Terrasse des Hotels Seehof du Lac. In diesem ehrwürdigen Hotel spielt sich ein Teil des Krimis ab. Bild: Edith Meyer

Literatur

In Küssnacht sind die Tschugger los

In Günter Struchens neuem Kriminalroman ermittelt der Berner Theobald Weinzäpfli auf Schwyzer Boden.

Anfang Mai 1959: Hauptkommissar Theobald Weinzäpfli und das Team des Berner Polizeipostens Lorraine-Breitenrain werden auf ihrem Maibummel nach Küssnacht, wo sie im «Seehof du Lac» übernachteten, in einen Kriminalfall verwickelt. Das ist die Ausgangslage von Günter Struchens neuem Krimi mit dem Titel «Hauptkommissar Theobald Weinzäpfli und die vergifteten Weggen von Meggen». Geschrieben ist der Krimi im typischen Struchen-Stil. Der Philosophielehrer am Gymnasium in Immensee spickt den Roman reichlich mit Dialektausdrücken, die in die Zeit passen, in der der Roman spielt: «Er machte einen Lätsch», «Ach, du verreckter Hagel » oder «… hatte er noch immer eine ordentliche Chilbi im Grind».

Eine Leiche genau auf der Grenze


Im Roman bringt der Zufall – man kann ihn auch einen zerstreuten Professor, der als Orientierungsläufer durch den Wald irrt, nennen – Weinzäpfli an einen Tatort an der Grenze der Kantone Luzern, Zug und Schwyz. Genau dort liegen Leichenteile verstreut. Die Kommissare der drei Kantone stehen darum herum und werweissen, wer nun ermitteln soll. Das erinnert an Meinrad Inglins «Begräbnis eines Schirmflickers». Doch die Geschichte nimmt einen anderen Lauf und bringt Weinzäpfli und sein Team ins Spiel. So kommt es, dass das Küssnacht der 1950er-Jahre von Polizisten zuhauf bevölkert wird: In Küssnacht sind die Tschugger los.

Glashütte und «Bodefridimänz»


Diese Häufung von Polizisten dient Struchen als Steilvorlage, denn im Kriminalroman geht es nicht nur ums Ermitteln, ums Verfolgen der Spuren, sondern auch um Situationskomik, um zwischenmenschliche Absurditäten und um Atmosphäre. Die Lesenden bekommen einen Eindruck vom beschaulichen Dorf Küssnacht und wie das Dorfleben um 1960 funktionierte. Die Glashütte in Küssnacht und der «Bodefridimänz» spielen eine entscheidende Rolle. Es ist ein von Männern dominiertes Buch, Frauen treten lediglich als Zeuginnen und Randfiguren auf. In der Crew der Polizei waren sie noch nicht vertreten. Ein mit Dialektausdrücken gespickter Text, ein Dorf voller Polizisten und die Persönlichkeit des Hauptkommissars machen die Lektüre für die Leserin, den Leser zum Vergnügen. Struchen nennt Weinzäpfli einen formidablen Ermittler. Dieser Ermittler funktioniert am besten im Team mit Inspektor Gottfried Chummer, seiner rechten Hand. Weinzäpfli löst den Küssnachter Fall und denkt darüber hinaus: So eindimensional wie die Lösung sich präsentiert, ist sie letztlich nicht. Mit diesem Kommissar mit Hosenträgern hat Günter Struchen eine faszinierende Romanfigur geschaffen, die bereits ein Jahr zuvor schon einmal zwischen Buchdeckeln ermittelt hatte, nämlich in «Hauptkommissar Theobald Weinzäpfli und das Orakel von Tägertschi».

Bote der Urschweiz / Silvia Camenzind

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

22.06.2022

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