Marcel Bolfing hat ein Buch über spannende Fälle aus seinem Berufsalltag geschrieben. Bild: Edith Meyer
Marcel Bolfing hat ein Buch über spannende Fälle aus seinem Berufsalltag geschrieben. Bild: Edith Meyer

Literatur

24 Betrugsfälle und andere Geschichten

Brandstifter, vermisste Kinder, ungeklärte Todesfälle: Marcel Bolfing war jahrelang als Polizist und als Schadeninspektor Betrügern auf den Fersen. Er gibt in seinem Buch «Der Alltag als Krimi» wahren Geschichten einen Namen und einen Schauplatz.

Wie dreist Kriminelle vorgehen, weiss Marcel Bolfing. Er war Polizist, Schadeninspektor und selbstständiger Berater, spezialisiert auf Versicherungsbetrug. «Ich habe während meiner beruflichen Laufbahn über 1000 Fälle bearbeitet», sagt er. In seinem neuen Buch «Der Alltag als Krimi» rollt Marcel Bolfing 24 Geschichten auf und erklärt, wie er Betrügern auf die Schliche kam. Erstaunlich: Der Mann, der nächste Woche seinen 87. Geburtstag feiert, brauchte keine Akteneinsicht, um detailliert zu erzählen, wie Leute in der Vergangenheit versuchten, Versicherungen reinzulegen. Lebhaft erzählt er von Schadenansprüchen von über einer halben Million Franken, die ein englischer Anwalt im Namen seines Klienten machte. Grund: Sein Mandant sei so schwer verletzt worden, dass sein Bein steif bleibe. In seinem Buch zeigt der Autor anschaulich auf, wie er dem Versicherungsbetrug auf die Schliche kam.


Ein perfektes Alibi auf Cran Canaria


Ein Fall, über den auch die Presse ausführlich berichtete, war der Brand eines grossen Fitnesscenters. Der Inhaber, ein mehrfacher Schweizer Meister in einer Kampfsportart, inszenierte ein perfektes Alibi. Dieses zerplatzte dank Marcel Bolfings Spürsinn wie eine Seifenblase. Mit Recherchen vor Ort, abgehörten Telefonaten und Beweisen flog der Promi als Schwindler auf. Das hoch verschuldete Fitnessstudio wurde von einem dazu engagierten Helfer des Kampfsportlers angezündet, während er mit zwei Freunden auf der Insel weilte. «Die erhoffte Million Schadenersatz blieb ein Traum, dem er in seiner Zelle noch Jahre nachtrauern konnte», sagt Bolfing. Doch auch mit brillanten Betrügereien kennt sich der Diamantgutachter, Gemmologe und Versicherungsdetektiv, der sich erst vor zehn Jahren aus dem Berufsleben zurückgezogen hat, aus.


Von Edelsteinen, Perlen und viel Gold


Aufgrund einer hohen Schadensumme von 180 000 Franken beauftragte eine Versicherung Marcel Bolfing, den Fall einer gestohlenen Tasche mit wertvollem Schmuck zu überprüfen. Pikant: Die Frau hatte nur zwei Monate vor dem angeblichen Diebstahl den Schmuck im Wert von 200000 Franken gegen Diebstahl und Einbruch versichern lassen. Marcel Bolfing berichtet lebhaft, mit welchen Methoden er diesen Fall lösen konnte. Erst nach sieben Jahren obsiegte die Gerechtigkeit vor Bundesgericht mit harten Konsequenzen für die Frau. Die Anwalts- und Gerichtskosten sowie die Aufwendungen der Versicherung beliefen sich auf 120000 Franken zulasten der Täterin. «Ihr blieb ein Schuldenberg, die Gefängnisstrafe und jede Menge Ärger », betont Marcel Bolfing. Er habe viele Familiendramen erlebt, Doppelmörder befragt, ein Job-Angebot der Mafia erhalten und politische Machenschaften aufgedeckt. Wie ist es, wenn man permanent mit Betrügern zu tun hat, die Arztzeugnisse fälschen, Krankheiten simulieren oder Autounfälle und Einbrüche vortäuschen? «Ohne den Rückhalt meiner Frau Heidy hätte ich diesen Beruf nicht ausüben können», sagt Marcel Bolfing rückblickend.


Er glaubt trotzdem an das Gute


In seinem aktuellen Buch schreibt er nur über einen Staatsfall, den des «Goldvreneli- Oberst». Früher habe er nie darüber gesprochen. «Heute sehe ich das anders. Betrüger kommen aus allen sozialen Schichten. Je reicher, umso schlimmer», sagt Marcel Bolfing. Er sei aber durch seine Arbeit kein misstrauischer Mensch geworden. «Ich glaube an das Gute und habe den Menschen immer ohne Vorurteile zugehört.» Sein oberstes Gebot sei immer gewesen, Abklärungen im Rahmen des gesetzlich Erlaubten vorzunehmen. «Von diesem Grundsatz bin ich nie abgewichen. » Besonders am Herzen liegt Marcel Bolfing, dass sich junge Menschen nicht aus purem Leichtsinn die Zukunft verbauen.


Mit Vollgas in die Schuldenfalle


Darum sensibilisiert der Autor im zweiten Teil seines Werks Jugendliche und Eltern dafür, wie schnell aus einem Lausbubenstreich eine Schuldenfalle werden kann. Dabei schöpft er aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung. Der Experte thematisiert Vandalenakte unter Alkohol- oder Drogeneinfluss bis hin zum Autodiebstahl eines 17-Jährigen. Auch zeigt er die Konsequenzen für Täter auf. Der in Schwyz aufgewachsene Marcel Bolfing gewährt den Lesern zum Schluss einen persönlichen Einblick in sein bewegtes Leben. Und wenn der «Mann für alle Fälle» erzählt, dass er noch nie eine Erkältung hatte, fragt man sich, wie er das schafft. Sein Rezept zum Fitbleiben: «Mein Hauptmenu ist das Morgenessen, darauf folgt ein normales Mittagessen, zu 90 Prozent fleischlos, am Abend esse ich nur Früchte.» Auch kneippe er seit 50 Jahren täglich 20 Minuten. «Etwas anderes käme für mich nicht in Frage.»


Hinweis


Das Buch «Der Alltag als Krimi» von Marcel Bolfing kann beim Triner Verlag, Telefon 041 819 08 10, bestellt werden oder ist im Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-908 572-83-1.


 


Bote der Urschweiz / Edith Meyer

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

27.10.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/SjUdwf