Zeigt neue Facetten des einstigen Modebergs auf: Der in Küssnacht aufgewachsene Autor Adi Kälin stellt sein Buch «Rigi – Mehr als ein Berg» am Samstag, 26. Mai, im Eventzelt Rigi Staffel vor. Bild Edith Meyer
Zeigt neue Facetten des einstigen Modebergs auf: Der in Küssnacht aufgewachsene Autor Adi Kälin stellt sein Buch «Rigi – Mehr als ein Berg» am Samstag, 26. Mai, im Eventzelt Rigi Staffel vor. Bild Edith Meyer

Literatur

Die Rigi-Geschichte in neuem Licht

Adi Kälin weiss, wie man Geschichten erzählt: Auf 300 Seiten beschäftigt sich der Autor aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Rigi. Es gibt viele Helden, die sein Buch «Rigi – Mehr als ein Berg» bevölkern. Der Historiker scheut sich auch nicht, neben der touristischen Erschliessung Unglücksfälle und Skandale aufzurollen.

Adi Kälin hat einen freien Tag – und wie so oft an einem freien Tag ist er unterwegs auf der Rigi oder in Küssnacht. Hier aufgewachsen, kennt er alle Jägerpfade, Schleichwege und Klettersteige, die auf die Rigi führen. Die Rigi ist ein Kletter- und Wanderberg, aber auch ein «Berg von Welt» mit einer reichhaltigen Geschichte, die ihn schon immer fasziniert hat. Er trinkt einen Kaffee und erzählt von seinem neuen Bildband «Rigi – Mehr als ein Berg». Der Titel habe eine doppelte Bedeutung: «Viele Bücher handeln nur von einer Seite der Rigi. Die Rigi bietet aber einen reichen Fundus von Wissenswertem über die Kantonsgrenzen hinaus.»

Goldgräberstimmung um Modeberg

So stellt Adi Kälin die Geschichte der touristischen Erschliessung des Aussichtsbergs in den Mittelpunkt seines Buchs. Neben den Älplern stiegen bis um 1800 vor allem fromme Pilger auf die Rigi. Ihnen folgten die «unkatholischen Bergfahrer» und «reichen Lutheraner», die nichts als die schöne Aussicht im Kopf hatten. Bald wurde die Rigi zum «Modeberg», den im 19. Jahrhundert Dichter und Fürsten aus ganz Europa als Reisestation nicht auslassen wollten. 40 000 Gäste besuchten die Rigi um 1850, nach der Eröffnung der Zahnradbahnen ab 1871 waren es bald viermal so viele. 1890 beförderten die Vitznau-Rigi-Bahn und die Arth- Rigi-Bahn über 150 000 Passagiere. «Solche Zahlen stehen für einen unglaublichen Boom, der eine richtige Goldgräberstimmung auslöste», erzählt der Historiker. Es gibt auch viele Helden, über die Kälin schreibt, vom Panoramazeichner Heinrich Keller über den Bahnpionier Niklaus Riggenbach bis zur umtriebigen Hoteliersfrau Rosa Dahinden.

Schlagzeilen und Bildmaterial

Natürlich habe es auch Konflikte, Streitereien und Rückschläge gegeben. «So sorgten die damals berühmte Rigi-Krankheit und der Rigiwasserprozess im Jahr 1914 schweizweit für Negativschlagzeilen.» Adi Kälin hat die letzten zwei Jahre akribisch recherchiert und auch für Rigi-Kenner erstaunliche Geschichten und Archivbilder zusammengetragen. Viel zum Gelingen des Buchs trugen hilfsbereite Menschen in Archiven und Bibliotheken bei. Der Historiker hatte zudem manch schöne Begegnung. «Tschany Baggenstos hat mir geschildert, wie es vor 50, 60 Jahren auf der Rigi Scheidegg zu- und herging.» Und Willy Camps vom Hotel Bergsonne im Kaltbad habe ihn die erstaunliche Rigichronik seiner verstorbenen Tante Elli Renggli anschauen lassen. Doch zurück zum Bildband: Neben Archivbildern hat Fotograf Gaëtan Bally die Rigi in Szene gesetzt. Der Autor fokussiert auch auf die Weiterentwicklung der Rigi nach dem Ausbruch des ErstenWeltkriegs. Dieser beendete nämlich den Boom schlagartig.

Goldauerstrasse in Zürich

«Ab den 30er-Jahren folgten den gut betuchten Europäern zunächst vermögende Schweizer – mit den Stararchitekten im Schlepptau, die ihnen ihre Ferienhäuschen bauten – und schliesslich die einfachen Wanderer und Skifahrer.» Weil Adi Kälin seit über 30 Jahren in Zürich wohnt, lässt er auch die Zürcher Perspektive in seine Betrachtungen fliessen. Beispielsweise sei das Goldauer Bähnli seit den 40er-Jahren blau, um die Zuger und Zürcher mit ihrer Wappenfarbe anzusprechen. «Umgekehrt gibt es in Zürich ein Rigiviertel mit Rigiblick, eigener Bergbahn, Goldauerstrasse und allem, was dazugehört», freut sich der heimatliebende Autor.

Buchvernissage im Eventzelt

Das Buch «Rigi – Mehr als ein Berg» von Adi Kälin mit Bildreportagen von Gaëtan Bally, Fotograf bei der Bildagentur Keystone, wird am Samstag, 26. Mai, auf der Rigi vorgestellt. Die Buchvernissage findet um 14.00 Uhr im Eventzelt Rigi Staffel statt. Dort schildert Adi Kälin vor Ort, wo das teuerste Rigi-Bild für 13,8 Mio. Franken verkauft wurde, warum in Küssnacht und Weggis nach 1871 Katzenjammer herrschte – und wie ein Alpstreit fast zum Krieg geführt hätte.

Autor

Adi Kälin, Jahrgang 1959, beschäftigt sich seit Jahrzehnten beruflich und privat mit der Rigi. Sein Geschichtsstudium schloss er mit einer Arbeit über die touristische Erschliessung des Bergs ab

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

16.05.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/dZ5b5X