Über Gott und die Welt schreiben: Die Küssnachterin Yolanda Kaufmann zeigt ihre Gedichtbüchlein. (Bild: Edith Meyer)
Über Gott und die Welt schreiben: Die Küssnachterin Yolanda Kaufmann zeigt ihre Gedichtbüchlein. (Bild: Edith Meyer)

Literatur

Immer mit Stift und Papier unterwegs

Was man auf einer Bank oder zu Hause an Gedachtem und Erinnertem erleben kann, führt die 85-jährige Yolanda Kaufmann dem Leser eindrucksvoll vor Augen. In zwei Büchlein offenbart sie Gedichte, Gedanken und Gefühle.

Manchmal schreibt sie am Morgen früh, manchmal um Mitternacht. Yolanda Kaufmann ist 85 Jahre alt und kein bisschen müde. Sie bringt einen bunten Strauss von Gedichten aufs Papier. Die Küssnachterin hat immer Bleistift und Papier dabei. «Meine Gedanken kommen aus der Seele.» Viele ihrer Gedichte hat Yolanda Kaufmann an ihrem Lieblingsplatz in Küssaberg auf einem Bänkli am Hochrhein geschrieben. Sie schreibt in Mundart und Schriftsprache.

Über den Sinn des Lebens

«Alle meine Gedanken und Sprüche entstehen aus Lebensthemen», sagt Yolanda Kaufmann. So schreibt sie über Gefühle wie Angst, Zweifel oder Toleranz genauso wie über die Liebe und die Freundschaft. Sie habe einige schwere Schicksalsschläge in ihrem Leben gehabt – und konnte diese mit dem Schreiben verarbeiten. Der Tod hat sie immer wieder begleitet. In Gersau aufgewachsen, verlor Yolanda Kaufmann, geborene Haas, in jungen Jahren drei Schwestern. Sie ist das jüngste von zehn Kindern und die Einzige, die heute noch lebt. «Auch mein Mann und mein Schwiegersohn sind gestorben.» Darum sei es eine besondere Freude, Zeit mit ihren fünf Kindern, zwölf Grosskindern und vier Urenkeln zu verbringen. Yolanda Kaufmann schreibt über das Wechselspiel ihrer Gefühle: «Bist du traurig, denk daran, die Freude steht schon hinten an.» Antworten und Kraft findet sie auch, wenn sie über Gott schreibt. Gebete verpackt die Küssnachterin in weise gewählte Worte, und sie scheut sich auch nicht, als Hilfestellung ein Gedicht über die «Telefonzentrale der Engel» auf Papier zu bringen. «Ich habe schon als Kind gerne geschrieben. Früher waren es Schnitzelbänke über den Gersauer Dorfpolizisten oder den Vitznauer Pfarrer», erzählt sie.

Tröstende Worte

Erstaunlicherweise kann Yolanda Kaufmann jedes Gedicht, das sie jemals geschrieben hat, auswendig. «Manchmal wünsche ich mir, wieder lustiger zu schreiben. Doch meine Worte befassen sich mehr mit Tiefsinnigem.» Für ihr neues Büchlein «Lichtspuren» hat sie schon viele Komplimente von Bekannten und Verwandten erhalten: «Sie sagen, es gebe ihnen Trost und Hoffnung, oder es gehe ihnen gut, wenn sie eine Seite aufschlagen und ein Gedicht lesen.» Yolanda Kaufmann beschreibt sich selbst als sensible Person mit viel Temperament. Und was hält die 85-Jährige fit? «Kreativität erhält mich jung und hilft aus der Einsamkeit heraus.» Yolanda Kaufmann schreibt nicht nur, sie töpfert auch und malt farbenfrohe Acryl-Bilder. Ausserdem bewegt sie sich viel. «Ich war bis vor fünf Jahren immer alleine mit dem Auto unterwegs.» Der Vorteil der öffentlichen Verkehrsmittel ist für die rüstige Dame, dass sie von Leuten umgeben ist. «Fällt mir die Decke auf den Kopf, sitze ich einfach in den Zug und mache eine Fahrt ins Blaue.»

Bezugsquelle

Die Gedichtbüchlein «Lichtspuren» und «Gedichte, Gedanken, Gefühle von Yoka» kann man unter Telefon 041 850 16 86 bestellen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

30.07.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/1k6ACy