Der Küssnachter Hans Martin Moser spielt und unterrichtet seit mehreren Jahrzehnten. (Bild: Edith Meyer)
Der Küssnachter Hans Martin Moser spielt und unterrichtet seit mehreren Jahrzehnten. (Bild: Edith Meyer)

Musik

200 Stücke für Schüler umgeschrieben

Der pensionierte Primarlehrer Hans Martin Moser probt alle 14 Tage in seinem ehemaligen Schulzimmer mit den Dorfhalde-Örgelern. Seit 27 Jahren unterrichtet er Schwyzerörgeli an der Musikschule Küssnacht mit einem speziellen Notensystem mit Zahlen.

«Von der Familie Moser habe ich zwei Sachen geerbt. Tanzen und Jassen», sagt Hans Martin Moser. Zum Örgelispielen kam er auf Umwegen, obwohl es durchaus familiäre Verbindungen zu diesem Instrument gab. Das Musikgehör und die Vorliebe für Innerschwyzer Volksmusik habe er von seiner Grossmutter Katharina Schuler vom Gigisberg-Bauernhof auf der Mostelegg ob Sattel geerbt. «Der Bruder meiner Grossmutter war Yägel, ein berühmter Schwyzerörgeler, den man im Talkessel Schwyz bestens kannte.» Moser selbst lernte das Örgelispielen erst als Erwachsener. «Der Küssnachter Armin Meyer organisierte Anfang der 70er-Jahre, dass die Schwyzerörgelilegende Rees Gwerder im Schulhaus Dorfhalde unterrichtete.» Dort erlernte Hans Martin Moser die Grundkenntnisse inmitten einer grossen Schar anderer Musikfreunde. «Ich merkte, dass ich Begabung hatte, und es gefiel mir.»

Früher war nur Klassik erlaubt

So perfektionierte er das Örgelispiel und unterrichtet seit 1985 selbst an der Musikschule in Küssnacht. Hans Martin Moser war der Erste, der die Volksmusik an die Musikschule brachte. «Zuvor war nur die erhabene klassische Musik ein Thema für die Musikschule», sagt Hans Martin Moser schmunzelnd. Speziell an seinem Musikunterricht ist, dass er im Andenken an Rees Gwerder selig dessen Notensystem teilweise übernommen hat. Rees Gwerder nummerierte die Melodietasten von 1 bis 28 und schrieb die Melodienfolge auf, wobei er beim Stossen die Zahlen zu unterstreichen pflegte. «Dieses Zahlensystem vervollständigte ich mit den Basstönen, Auftakt- und Schlussakkorden.» Er selbst hat bis anhin 200 Stücke in dieses Zahlensystem umgeschrieben. «Klein und Gross lernt damit spielend und mit Freude zu musizieren.» Hans Martin Moser sagt von sich, dass er das Fingerspitzengefühl zum Aufbau und Fördern der Schüler habe. «Ich habe in all diesen Jahren nur Positives als Lehrer erlebt.» Er selbst wollte jedoch nie ein Meisterspieler sein. «Dazu fehlte mir der Ehrgeiz.»

Keine Regel und viel Gemütlichkeit

Freude bereitet ihm aber die Geselligkeit. Darum trifft sich Hans Martin Moser regelmässig mit den Dorfhalde-Örgelern in seinem ehemaligen Schulzimmer, wo er Gastrecht hat, zum Proben. Seit bald 30 Jahren spielt die 15-köpfige Gruppe zusammen. In dieser Zeit kam es zu vielen unvergesslichen Auftritten. «Ich bezeichne mich weder als Kapellmeister noch als Dirigent. Ich bin nur der Organisator der Dorfhalde-Örgeler.» Die Gruppe ist kein Verein und spielt nach dem Motto «Keine Regel, viel Gemütlichkeit und Freude an der urchigen Musik». So können die Dorfhalde-Örgeler freiwillig alle vierzehn Tage an der Probe teilnehmen. Die Musikgruppe ist spontan und hat keine Mühe, etwa an einer chinesischen Hochzeit oder an einem Frauenpolterabend ohne Vorbuchung aufzutreten.

Welten prallen aufeinander

Hans Martin Moser erinnert sich an den Höhepunkt eines Auftritts: Die Dorfhalde-Örgeler durften in einem Fünfsternehotel in Zürich für einen Geburtstagsjubilar aufspielen. «Inmitten der vornehmen Gesellschaft traten wir mit unserem Hosenträgerkostüm auf, speisten wie die Könige und wurden fürstlich entlohnt.» Danach habe die ganze Truppe das Geld auf dem Nachhauseweg nach Küssnacht verlöffelt. «Ich habe viele schöne Erinnerungen an lustige Abende wie diesen, die wir zusammen verbracht haben.» Und hat es im Leben auch Platz für andere Musik? «Ja, zu Hause höre ich ausschliesslich klassische Musik. Am liebsten Bach, Mozart und Händel.» Auf seine Lebensphilosophie angesprochen, hält Hans Martin Moser es mit Papst Johannes Paul I.: «Die Stille, die Genügsamkeit und die kleinen Dinge sind es, die den Kern dieses Lebens ausmachen.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

29.07.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/R45HHY