Der Hitzige Appenzeller Chor besteht seit 2006. Mit seinem zweiten abendfüllenden Programm «Joli-zwo» wird er sich Ende Jahr von der Bühne verabschieden. Bild: Monika Neidhart
Der Hitzige Appenzeller Chor besteht seit 2006. Mit seinem zweiten abendfüllenden Programm «Joli-zwo» wird er sich Ende Jahr von der Bühne verabschieden. Bild: Monika Neidhart

Musik

Appenzeller Tradition – genussvoll durchgeschüttelt

In «Joli-zwo» mixt der Hitzige Appenzeller Chor «Ratzliedli» und Jodel locker mit Beatbox und Rap. Im voll besetzten Theater Duo Fischbach genoss das Publikum an zwei Abenden beste Unterhaltung.

Glockenklar erklingt ein traditionelles «Rugguusseli» im Theater Duo Fischbach. Vier junge Frauen und fünf Männer in ihren schmucken Appenzeller Trachten stehen im Halbkreis mit dem Rücken zum Publikum. Mit dem Herumdrehen und dem Ausrichten der Chormitglieder auf eine Linie hin verändern sich Tonlage und Tempo, als würde jemand unsichtbar am Regler drehen. Schliesslich begleiten einzelne Sänger mit zugehaltener Nase und entsprechender Armbewegung dudelsackartig die Stimmführer. Das Publikum staunte, wie noch oft am Freitag- und Samstagabend, über ihre Musikalität und schmunzelte über die überraschende Wendung. Slapstick, Theatralisches, Jodellieder, Gospel, Appenzeller Dialekt und Amerikanisches wechselten sich in unbekümmerter, unterhaltsamer Weise ab.

Energievoll und synchron

Energievolle Elemente, bei denen Chormitglieder mit aller Wucht auf den Boden fielen oder das synchrone Steppen und Tanzen im Westernstil, das die neckische Unterwäsche unter den Röcken zeigte, wechselten sich mit ruhigeren Teilen ab. Dass der Chor a cappella sang, ging zeitweise unter, so gekonnt begleiteten sie sich selber mit Beatboxen. Einzig den Refrain von «Drobe uf dä Ebenalp» spielten sie wie mit Orgelpfeifen virtuos auf kleinen und grossen Getränkeflaschen (von Appenzeller Abfüllern). Requisiten brauchten sie kaum, Notenständer wurden zu Starttoren für ein Pferderennen, ein Waschbrett ersetzte den durchtrainierten Bauch. Lichtkegel von Taschenlampen wurden zu einem Sternenhimmel und zu langsam erlöschendem Feuerwerk bei «Dorma bein», das mit originalem Text, jedoch in eigener, sehr berührender Weise interpretiert wurde.

Alle neun Mitglieder brachten ihre Ideen ins Programm ein

In einem Rap, für den jeder der fünf Männer eine Strophe schrieb, setzten sich die Appenzeller mit ihrer Tradition auseinander: «Chnopf zu, Chragä zu, dänn häsch sicher Rue. Chnopf uuf giit Schnuuf. Häsch dänn au dini Rue?» Meinrad Koch, Mitglied des Chors, bringt es auf den Punkt: «Es ist cool, alle bringen sich ein. Wir können unsere Kreativität ausleben, ohne dass wir einem Klischee entsprechen müssen.» Das Publikum hatte hörbar Freude daran und dankte es ihnen mit langem Applaus. Einziger Wermutstropfen: Ende Jahr wird sich der Chor auflösen. Meinrad erklärt: «Wir singen zwar alle gerne, doch die Prioritäten verschieben sich Richtung eigene Familie, Geschäftsübernahme und Beruf. Mit weniger Proben könnten wir unseren eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen. Doch dieses Jahr geniessen wir umso mehr.»

Bote der Urschweiz (Monika Neidhart)

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Musik

Publiziert am

28.03.2017

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