Bild Diogo Barcellos / linusmusic.com
Bild Diogo Barcellos / linusmusic.com

Musik

Auf eine Tasse Kaffee mit dem Jazz-Musiker

Vielseitig war Linus Wyrsch schon immer, flexibel wurde der 25-jährige Klarinettist erst in New York. Zu Besuch in Küssnacht erzählt der professionelle Jazzmusiker, welche Schweizer Tugenden ihm halfen, um im Big Apple voran zu kommen.

Montagnachmittag im Bistro des Hotel Hirschen. Linus Wyrsch lehnt sich zurück und geniesst seinen Espresso. Die Antwort auf die Frage, was er bei seinem dreiwöchigen Besuch in Küssnacht am meisten schätzt, kommt rasend schnell: Es ist die Ruhe, die der 25-Jährige als Auszeit von seinem hektischen Leben in den Staaten am meisten geniesst. Eine sehr überzeugende Antwort, sobald man hört, wie Wyrschs Alltag üblicherweise aussieht.

Konzerte gaben Anlass zum Besuch

Seit dreieinhalb Jahren lebt und arbeitet der Küssnachter Jazzmusiker in New York. In einer Stadt, die niemals schläft und die «auf niemanden gewartet hat», wie der 25-Jährige sagt. Dennoch gelang es dem Klarinettisten und Saxofonisten, sich als professioneller Musiker im Big
Apple zu etablieren – mit nennenswertem Erfolg. So gab unter anderem kein geringerer als Robi Weber, ein profilierter und erfolgreicherJazzpianist der Schweiz, Anlass zu Wyrschs Besuch in der Heimat. Jeden Monat lädt der Leader des gefragten Robi Weber Quartetts einen Gastsolisten für einen Auftritt im Dolder in Zürich ein. Eine Ehre, die nun auch Linus Wyrsch zuteil wurde – nach einem anstrengenden und nicht minder erfolgreichen Ausbildungsweg (siehe Box).

«Vielseitigkeit gefällt mir am besten»

Drei Jahre studierte Linus Wyrsch Musik, sowie Music Business and Management am renommierten Berklee College of Music in Boston. Ende 2008 zog der ausgebildete Jazzmusiker ins vier Stunden entfernte New York, in jene Stadt, die ihn schon immer magisch angezogen hatte. «New York ist grossartig», findet Wyrsch heute noch. «Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit der Stadt. Auch nach dreieinhalb Jahren kann ich durch ihre Strassen gehen und Neues entdecken, sei es von musikalischer, architektonischer oder kulinarischer Seite.» Was die Stadt bietet, verlangt sie den Musikern ab, die sie bewohnen: Vielseitigkeit. «Nicht selten», erzählt Wyrsch, «habe ich an einem Abend einen Auftritt mit einer brasilianischen Band, am nächsten Tag trete ich im Duo in einer kleinen kubanischen Bar auf und am übernächsten Abend spiele ich Filmmusik in einem Orchester. Da muss man den Musikstil auf Kommando anpassen können.»

Erst Linus Wyrsch, dann Kanye West

Die Auftritte sind nicht nur unterschiedlich und fordernd, sondern meist auch sehr kurzfristig angesetzt. «Es kam schon vor», erzählt Wyrsch, «dass ich an einem freien Abend mit einem Freund etwas trinken ging und um 22.00 Uhr einen Anruf bekam, ob ich später einen Gig spielen könne.» Während der New Yorker Fashion Week – so die Rahmung zur Anekdote, die der Küssnachter erzählt – fand ein Clubbesitzer, dass er die Musik des DJs, den er bereits gebucht hatte, nun doch live von einem Saxofonisten begleiten lassen möchte. «Ich sagte, ich sei gerade unterwegs und müsse erst noch meinInstrument holen, schaffe ich das noch? Es stehe ein Taxi bereit, meinte der Anrufer.» Kaum hatte Wyrsch sich Zuhause das Sax gepackt und passende Kleidung übergestreift, fand er sich schon auf der Bühne wieder – bis schliesslich Kanye West auftauchte, ein erfolgreicher US-amerikanischer Rapper, der an-schliessend im selben Club einen Privatauftritt gab.

Schweizer Tugenden helfen

Neben einer gewissen Gelassenheit und einem grossen Mass an Flexibilität, die sich der Küssnachter bald aneignen musste, ist in der schnelllebigen Musikerwelt New Yorks auch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gefragt – Schweizer Urtugenden, die Linus Wyrsch im Big Apple gut gebrauchen kann. Der 25-Jährige erklärt: «Falls jemand einen Instrumentalisten sucht und mich anruft, ich aber nur per Combox erreichbar bin, kann es gut sein, dass der Auftrag schon vergeben ist, wenn ich 10 Minuten später zurückrufe.» Zu stark ist in der musikalischen Hochburg die Konkurrenz, zu gross das Angebot an verfügbaren Profimusikern.
Einen Umstand, den sich Wyrsch andernorts wieder zunutze macht: Als Radio-DJ stellt der Küssnachter alle ein bis zwei Wochen neue Jazzmusiker vor. Mit dieser eigenen einstündigen Sendung konnte er im Februa

Autor

Freier Schweizer

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

16.05.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/ZAa8bJ