Kevin Paulino, in der Region bekannt unter dem Künstlernamen Kevin Guerreiro, braucht nicht immer eine Bühne, um Musik zu machen: Manchmal reicht auch die Strasse als Bühne. Bild: Nadine Annen
Kevin Paulino, in der Region bekannt unter dem Künstlernamen Kevin Guerreiro, braucht nicht immer eine Bühne, um Musik zu machen: Manchmal reicht auch die Strasse als Bühne. Bild: Nadine Annen

Musik

Experiment Strassenmusik überstanden

Kevin Paulino schlüpfte für eine Woche in die Rolle eines Strassenmusikers in Berlin – und musste erfahren, was es heissen kann, auf der Strasse um die Gunst der Passanten zu buhlen.

Nur mit einer Gitarre und dem, was die eigene Stimme hergibt, auf die Strasse stehen und Musik machen. Das Ganze in einer Grossstadt wie Berlin und mit dem Ziel, eine Woche lang mit dem gesammelten Geld das Essen und die Tickets für den ÖV bezahlen zu können. Dieses Experiment wagte der Küssnachter Kevin Paulino. Das Ergebnis seines Selbstversuchs präsentiert der 20-Jährige in seiner Maturaarbeit. Die Experimentwoche im Juli letztes Jahr war kein Zuckerschlecken, wie der Kollegi-Schüler ernüchtert feststellen musste. «Ich bin wohl fast zu locker an das Ganze herangegangen», resümiert Paulino. «In der Schweiz kann man mit Strassenmusik gutes Geld verdienen», weiss der Hobbymusiker, der sich auch schon ab und zu in Luzern auf die Strasse gestellt hat und so teilweise schon in weniger als einer Stunde fast hundert Franken verdienen konnte.


«Ich hatte die Erwartung, dass die Leute stehen bleiben»


In Berlin hat er während der ganzen Woche «nur» 147 Euro eingenommen. Fürs Essen und die Tickets hat das zwar knapp gereicht, dennoch sei es frustrierend gewesen, wenn man nach einer Stunde Auftritt nur wenige Cents im Gitarrenkoffer liegen hatte. «Ich hatte die Erwartung, dass die Leute stehen bleiben und mir zuhören werden, was aber oft einfach nicht der Fall war», blickt Paulino zurück. Da komme Pessimismus auf, vor allem auch weil man eine ganze Woche alleine ist und viel nachdenken könne. Meistens habe er den Fehler bei sich gesucht: Liegt es am Standort? An der Songauswahl aus Popklassikern und eigenen Songs? Zu beidem hat er sich auch schon bei der Vorbereitung einige Gedanken gemacht. Das Hauptproblem sei aber wohl gewesen, dass er ohne Verstärker auftreten musste, was das Singen im Freien noch viel schwerer mache. Was man aber noch viel weniger beeinflussen könne, sei der Faktor Publikum: «Vielleicht hat jemand gerade Zeit oder nicht, jemand ist gerade guter Laune und in Stimmung oder nicht. Erst beim Schreiben der Arbeit wurde mir bewusst, wie viele Zufälle eine Rolle spielen.»


«In der Schweiz ist Strassenmusik nicht erwünscht»


Aus Gesprächen mit anderen Strassenmusikern habe er aber auch erfahren, dass es durchaus möglich sei, in Berlin so gut wie einzig von der Strassenmusik zu leben. «In der Schweiz geht das nur schon wegen den Regelungen nicht», führt er aus: «Strassenmusik ist hier nicht erwünscht.» In manchen Kantonen, so auch in Schwyz, sei Strassenmusik gänzlich verboten, andernorts so stark reguliert, dass man nicht davon leben könne: «In Luzern darf man zum Beispiel nur an vier Tagen pro Monat auftreten. Das reicht natürlich nicht zum Überleben», erklärt er. In der Musik nebenbei auf eigene Faust Karriere machen Trotzdem kann Paulino dem Selbstversuch auch viel Gutes abgewinnen: «Ich kam mit vielen Musikern in Kontakt und konnte einmal für eine Woche komplett aus dem gewohnten Alltag ausbrechen.» Zudem lerne man über die Strassenmusik eine fremde Stadt von einer ganz anderen Seite kennen. Deshalb möchte der Küssnachter auch weiterhin ab und zu auf der Strasse musizieren – auch im Ausland. «Musik und Reisen zu kombinieren, reizt mich immer noch», strahlt er. Die Musik zum Beruf machen, schliesst er auch nicht aus: Unter seinem Künstlernamen Kevin Guerreiro möchte er sich weiterentwickeln. Ein Popmusikstudium werde er aber vermutlich nicht machen. «Ich will nach der Matura lieber etwas anderes studieren und in der Musik nebenbei auf eigene Faust versuchen, professioneller zu werden», erklärt Kevin Paulino.


Bote der Urschweiz / Nadine Annen

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

05.02.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/v5whGg