Musik ist Familiensache: Vater Very und Sohn Roland Rickenbacher. Bild Boris Bürgisser
Musik ist Familiensache: Vater Very und Sohn Roland Rickenbacher. Bild Boris Bürgisser

Musik

«Ich bin bereit, die Verantwortung abzugeben»

Very Rickenbacher, seit 14 Jahren Dirigent der Blaskapelle Rigispatzen,
geht in Pension – musikalisch. Das Dirigat indes bleibt in der Familie. Sohn Roland übernimmt.

Anlässlich des 10. Innerschweizer Blaskapellentreffens steht Küssnacht am Wochenende ganz im Zeichen des böhmisch- mährischen Musikstils und des Abschieds. Bei der Blaskapelle Rigispatzen steht eine wichtige Personalie an. Very Rickenbacher (59), seit 14 Jahren Dirigent der Rigispatzen, geht musikalisch in Pension. Der Primarlehrer aus Immensee ist nicht nur ein ausgezeichneter Dirigent. Der Euphonist ist auch ein bekannter Komponist. Rickenbacher winkt bescheiden ab und sagt: «Auf der Bühne bin ich eigentlich nur Dekoration. Ich will möglichst nicht auffallen.» Es sei einzig und allein die Musik, die im Mittelpunkt stünde. «Sie muss leben.» Ein wenig untertrieben, wenn man bedenkt, dass sich der Schwyzer mit rund 100 gehörfälligen Kompositionen im In- und Ausland einen grossen Namen geschaffen hat.

«Wehmut verspüre ich nicht»

Man kennt den Immenseer in der Szene. Er hat die Rigispatzen nachhaltig positiv geprägt und die Kapelle zu dem gemacht, was sie heute ist. Heute ginge man miteinander viel lockerer um als in den Anfangsjahren, als man die «älteren Semester» und den Dirigenten siezte. «Wir sind eine lebendige Gemeinschaft, in der das Musizieren grossen Spass macht und dabei die Kameradschaft eine grosse Rolle spielt», so Rickenbacher. Kommt so etwas wie Wehmut auf? «Nein, Wehmut verspüre ich nicht. Vielmehr empfinde ich eine grosse Freude, Dankbarkeit und Zufriedenheit, vor allem auch deshalb, weil mein Sohn Roland künftig die Rigispatzen leiten wird», sagt Rickenbacher. Als Ehrendirigent sei er ja nicht weg vom Fenster. Er bleibe nach wie vor mit den Rigispatzen verbunden. Der einzige Unterschied bestünde darin, dass er künftig nicht mehr auf der Bühne, sondern als Zuhörer dabei sein dürfe. «Ich bin bereit, die Verantwortung abzugeben.» Die im Jahr 1956 mit elf Küssnachter Musikanten gegründete Blaskapelle nannte sich anfänglich «Bauernkapelle Rigispatzen». Der Küssnachter Hans Lüthold war ihr erster Dirigent. Der Name Rickenbacher bürgt für Qualität. Er ist wie ein Gütesiegel. Es gab Zeiten, da waren die Rigispatzen fest in Rickenbacher-Händen. Nicht weniger als sieben Rickenbachers – alle miteinander verwandt – waren in der Blaskapelle aktiv. Heute sind es noch deren vier. Die Rigispatzen spielen hauptsächlich im böhmischen Stil (Egerländer). Es werden jedoch auch mährische und moderne Titel interpretiert. Es versteht sich von selbst, dass man im Repertoire auch einheimische Kompositionen findet, welche vor allem aus der Feder ihres Dirigenten Very Rickenbacher stammen. Rickenbachers bekannteste und meistgespielte Komposition ist die Polka mit dem Titel «Ein halbes Jahrhundert ». Sie erinnert an das Jubiläumsjahr «50 Jahre Rigispatzen». Sohn Roland Rickenbacher (32) tritt ganz in die Fussstapfen seines Vaters. Er komponiert ebenfalls und hat die musikalische Leitung der Blaskapelle Rümligbuebe aus Schachen bei Malters inne. Das wird auch weiterhin so bleiben. Die offizielle Übergabe der musikalischen Leitung vom Vater zum Sohn erfolgt am 21. Oktober anlässlich der Musikreise nach Deutschland, wo die Rigispatzen in Aach-Linz (Baden-Württemberg) bei der Blaskapelle Peng zu Gast sind.

Wie der Vater, so der Sohn

«Ich freue mich und bin stolz, die musikalische Leitung von meinem Vater übernehmen zu dürfen. Ich habe viel von ihm gelernt», so Roland Rickenbacher. «Musik ist mein Leben.» Blasmusik sei die Musik, die er täglich höre, verrät Bankfachmann Roland Rickenbacher aus Küssnacht. Er sei dankbar, dass er vom Vorstand der Rigispatzen das Vertrauen erhalten habe. Und was ist das Geheimnis des Egerländer Musikstils? Dazu Very Rickenbacher: «Mich faszinieren die Ruhe in dieser Musik und die einfachen, lieblichen Melodien.» Man müsse ein Stück nicht immer gleich spielen, aber immer mit viel Herz, so der Dirigent, Komponist, Lehrer und Familienvater. Man glaubt Very Rickenbacher jedes Wort, wenn man ihm so beim Erzählen über die Musik – die grosse Leidenschaft seiner Familie – zuhört.

Bote der Urschweiz (Monica van de Gi

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

08.09.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/3pCShu